Die Spitex rechnet mit Geldsorgen

Der Spitex-Verband des Kantons Bern warnt: Die neuen Beiträge an die Pflegekosten der Spitex seien für viele Patienten ein grosser Einschnitt. Aber auch die Spitex-Organisationen selbst müssen anders zu rechnen beginnen.

Patienten zahlen mehr

Der Beitrag, den die Patienten neu an die Pflegekosten der Spitex bezahlen müssen, beträgt 1.35 Franken pro fünf Minuten, wobei ein Einsatz mindestens zehn Minuten, aber höchstens eine Stunde beträgt, selbst wenn die Pflege zwei Stunden dauert. Ein Patient zahlt also pro Tag höchstens 15.95 Franken, jährlich können es bis zu 5850 Franken sein. Hinzu kommen wie bisher Franchise und Selbstbehalt. Bei Kindern unter 18 Jahren entfällt dieser Beitrag. Die restlichen Pflegekosten teilen sich die Versicherung, deren Beitrag gleich hoch bleibt, und der Kanton, der um den Patientenbeitrag erleichtert wird.bwDer Beitrag, den die Patienten neu an die Pflegekosten der Spitex bezahlen müssen, beträgt 1.35 Franken pro fünf Minuten, wobei ein Einsatz mindestens zehn Minuten, aber höchstens eine Stunde beträgt, selbst wenn die Pflege zwei Stunden dauert. Ein Patient zahlt also pro Tag höchstens 15.95 Franken, jährlich können es bis zu 5850 Franken sein. Hinzu kommen wie bisher Franchise und Selbstbehalt. Bei Kindern unter 18 Jahren entfällt dieser Beitrag. Die restlichen Pflegekosten teilen sich die Versicherung, deren Beitrag gleich hoch bleibt, und der Kanton, der um den Patientenbeitrag erleichtert wird.bw

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Die Pflege zu Hause ist im Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Menschen werden in ihren eigenen vier Wänden von der Spitex betreut. Doch jetzt befürchten Spitex-Organisationen im Kanton Bern, dass sich dies ändert. Nächstes Jahr treten neue Gesetze in Kraft, die Lisa Humbert-Droz, Präsidentin des Spitex-Verbandes Kanton Bern, Alarm schlagen lassen.

So können Kantone von den Patienten neu einen Beitrag an die Pflegekosten der Spitex verlangen. Bis jetzt müssen Patienten den Selbstbehalt und die Franchise übernehmen, im Kanton Bern kommen nächstes Jahr neu 1.35 Franken pro fünf Minuten Pflege hinzu (siehe Kasten). Das kann im Jahr bis zu 5850 Franken ausmachen. Den Rest der Pflegekosten übernehmen Versicherung und Kanton. Die Mehrbelastung sei für viele Patienten ein grosser Einschnitt, sagt Humbert-Droz. Sie ist überzeugt, dass nicht alle Patienten verstehen, dass sie für die gleiche Leistung plötzlich bis zu 100 Prozent mehr bezahlen müssen. «Wir werden Kunden verlieren», so die Spitex-Präsidentin. Das spart zwar Kosten im Gesundheitswesen – laut Humbert-Droz aber nur vorübergehend. «Die Patienten erhalten nicht rechtzeitig die richtige Pflege, das wird letztendlich teurer.»

Andrea Hornung, beim Kanton Bern Vorsteherin der Abteilung Alter, glaubt nicht, dass dieser Effekt gross sein wird. Schliesslich werde die Spitex vom Arzt verschrieben, und wer sich den Beitrag nicht leisten könne, habe Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Der Spitex-Verband aber lässt sich nicht überzeugen. Er erwägt politische Schritte, um den Patientenbeitrag wieder rückgängig zu machen.

Spitex als Unternehmen

Die Einführung des Patientenbeitrags ist allerdings nicht die einzige Sorge der öffentlichen Spitex-Organisationen. Zeitgleich ändert im Kanton Bern auch der Finanzierungsmodus. Bisher hat die öffentliche Hand das Defizit der Verbände bis zu einem gewissen Betrag gedeckt. Ab 2011 zahlt sie fixe Beiträge an bestimmte Pflegeleistungen. «Damit werden wir selbstständige Unternehmer», sagt Humbert-Droz. Die Betriebe werden finanziellen Risiken ausgesetzt, können neu aber auch Gewinn erwirtschaften. Letzteres werde nicht eintreffen, ist Spitex-Präsidentin Humbert-Droz allerdings überzeugt, im Gegenteil: «Ein Drittel unserer Spitex-Organisationen im Kanton Bern wird bereits nächstes Jahr in Geldnotkommen», befürchtet sie. Was dann passiere, sei nicht abschliessend geregelt. Einstellen könne man Spitex-Dienste schliesslich nicht einfach so.

«Wir haben keinerlei Interesse daran, dass Spitex-Organisationen Konkurs anmelden oder schliessen müssen», entgegnet Andrea Hornung. Komme eine Spitex-Organisation durch den Wechsel in finanzielle Schwierigkeiten, könne sie auf Gesuch hin ein weiteres Jahr nach altem System abrechnen.

Konkurrenz von Privaten

Spitex-Präsidentin Humbert-Droz kritisiert ausserdem, dass alle Organisationen vom Oberland bis zur Stadt Bern von den kantonalen Behörden über den gleichen Strang geschlagen werden. «Für kleine Organisationen wird die Lage schwierig», ist sie überzeugt.

Künftig können auch private Spitex-Organisationen mit dem Kanton Verträge abschliessen und damit Beiträge der öffentlichen Hand erhalten. Humbert-Droz befürwortet den Wettbewerb, der dadurch entstehen wird. Gegenwärtig gewährten aber die derzeit subventionierten Betriebe die Garantie, neue Patienten jederzeit und an jedem noch so abgelegenen Wohnort sofort zu pflegen. Diese Versorgungspflicht werde finanziell zu wenig berücksichtigt. «Wegzeiten werden nicht vergütet, da ist es für private Organisationen einfach, sich einen Vorteil im Markt zu verschaffen, indem sie Aufträge mit weiten Wegen und kurzen Einsatzzeiten ablehnen und dafür um lukrative Aufträge werben», so Humbert-Droz. Dadurch würden die öffentlichen Spitex-Organisationen gezwungen, die Arbeitsphilosophie zu ändern. «Bisher haben wir aus der Sicht der Patienten handeln können, ab nächstem Jahr müssen wir auch für uns selber sorgen.»

Andrea Hornung, Abteilungsvorsteherin beim Kanton, wendet ein, man habe die Vorschläge zur Versorgungspflicht vom Spitex-Verband übernommen. Das stimme, so Humbert-Droz, doch sei die Differenz zwischen den Beiträgen für Organisationen mit Versorgungspflicht und jenen ohne diese Pflicht zu gering.

Zur Konkurrenzsituation sagt Hornung: «Der Anteil der privaten Pflege ist mit rund 6 Prozent sehr minim.» Der Kanton finanziere die Leistungen der privaten Anbieter zusätzlich und nicht zulasten der bisher subventionierten. Falls mehr private Anbieter auf den Markt drängen, könne es aber zu einer Verschärfung der Konkurrenzsituation kommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.07.2010, 07:28 Uhr

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1 KOMMENTAR

Charles Dupond

30.07.2010, 08:48 Uhr

Einmal mehr die alte Leier: Gewinntraechtige Segmente privat absahnen, Verluste dem Staat aufhalsen!



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