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«Wir wollen an die WM»

Jeden Dienstag treffen sich in Bern nach Feierabend Fahrradfreunde, um einem eigenartigen Hobby zu

frönen: dem Bikepolo.

Polo ist der Sport der Oberschicht. Wer einen Wettkampf besucht, will nicht bloss den Sportlern zusehen, sondern auch gesehen werden. Ja: Polo ist gewissermassen Nische, jedenfalls in der Schweiz, wo die Sportart primär an den mondänen Orten St.Moritz und Gstaad betrieben wird.

Und nun auch in Bern. Hier treffen sich jeweils am Dienstagabend ein paar Freunde zum Bikepolo. Dabei sitzen die Spieler jedoch auf dem Velo, statt auf einem Pferd. Mit herkömmlichem Polo können sie wenig anfangen. «Dazu haben wir alle keinen Bezug», sagt Silvio Brügger.

WM im Sommer in Berlin

Bikepolo ist keine Berner Erfindung. In der Schweiz gilt Genf als Hochburg, und im Sommer werden in Berlin gar Weltmeisterschaften ausgetragen. Brügger und seine Freunde wollen daran teilnehmen. Erst aber müssen sie ein Team bilden und sich qualifizieren. Drei Equipen werden die Schweiz vertreten.

Die Berner haben noch nicht mal einen Verein gegründet, wollen dies aber bald zu tun. «So hätten wir bessere Chancen, in Bern einen fixen Trainingsplatz zu bekommen», sagt Brügger. Derzeit wechselt der Austragungsort stetig. «Wir kommunizieren mittels Internet miteinander, auf Foren wird bekannt gegeben, wo wir das nächste Mal üben», sagt Brügger. Der 32-Jährige ist Grafiker von Beruf – und einer der Exponenten der neuen Rivella-Werbekampagne. Er ist ein bärtiger Kerl mit lockerem, frischem Auftreten. Vor rund 18 Monaten habe er angefangen, Bikepolo zu spielen. «Ein Bekannter machte mich darauf aufmerksam und es hat mir gleich gefallen.»

Gymeler und Rentner

Der Kreis der Berner Bikepolo-Spieler umfasst rund 20 Leute. Das Spektrum reicht von 18-jährigen Gymnasiasten bis zum 65-jährigen Rentner. Gemeinsam haben sie die Vorliebe fürs Radfahren und ein Faible für Kunst. «Viele von uns sind in der Undergroundszene bekannt», sagt der 32-jährige Gabor Herczeg.

Im Bikepolo stehen sich zwei Dreier-Teams gegenüber. Mitmachen darf, wer will. «Neulich versuchte sich eine Frau – sie schlug sich nach Startschwierigkeiten ganz gut», so Brügger. Die Regeln sind simpel: Die Füsse dürfen den Boden nicht berühren, das Tor hat die Länge eines Velos, und es gewinnt, wer zuerst fünf Tore erzielt. Gespielt wird wie im klassischen Polo mit einem Stock. «Das Rad hat nur einen Gang und kann auch rückwärts fahren. Die wenigen Änderungen kann jeder anbringen», sagt Velorestaurateur Herczeg. Ein umfunktionierter Skistock ergänzt die Ausrüstung. Das ist ziemlich bodenständig – so gar nicht wie im Polo, das jedermann kennt und nur die wenigsten ausüben.

Adrian Horn

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Erstellt: 15.04.2010, 00:30 Uhr

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