Region

Vier Bisherige müssen zittern

Lucia Probst

ist Redaktorin im BZ-Ressort «Region Bern»

Fünf Bisherige kandidieren, und fünf Sitze im Gemeinderat sind zu vergeben: Das klingt auf Anhieb nach einer langweiligen Angelegenheit. Doch der Schein trügt: Die Ausgangslage für die Könizer Gemeindewahlen vom 29.November ist spannender denn je. Vieles ist seit den letzten Wahlen anders geworden: Erstmals sind in Köniz nur noch fünf statt sieben Gemeinderatssitze zu vergeben – neu sind dies alles Vollämter zu je 80 Prozent. Mit der BDP und den Grünliberalen mischen zudem zwei neue Parteien im Wahlkampf mit. Das lässt auch die bisherigen Gemeinderatsmitglieder zittern. Denn diese Faktoren machen den Ausgang der Wahlen unberechenbar. 11 Frauen und 18 Männer buhlen insgesamt um die fünf Gemeinderatssitze.

Einer muss sich trotz allem kaum Sorgen machen: Die Wiederwahl von Gemeindepräsident Luc Mentha (SP) steht so gut wie fest. Die Bürgerlichen haben mit Urs Wilk (FDP) zwar einen Herausforderer fürs Präsidium gestellt. Doch Wilk ist nicht wirklich eine Konkurrenz für Mentha: Der Präsidiumswahlkampf verlief denn auch äusserst flau. Strategisch geschickt ist Wilks Kampfansage aber allemal: Der in den letzten vier Jahren farblos agierende Vorsteher der Direktion Gemeindebetriebe hat sich dadurch eine gute Ausgangslage verschafft, um als Gemeinderat erneut gewählt zu werden.

Mit ihrem Bündnis «Für Köniz» haben sich FDP, Jungfreisinn und CVP sowieso schon früh gut in Position gebracht. Ihre Taktik dürfte aufgehen: Ein Sitz ist den Verbündeten so gut wie sicher. Vielleicht reicht es gar für einen zweiten. Intakte Chancen dürfte der Jungfreisinnige Bernhard Bichsel haben. Vor vier Jahren hat sich der heute 30-Jährige als Herausforderer von Mentha gemeindeweit bekannt gemacht. Jetzt hat er aufwändig und professionell für sich geworben. Vielleicht bringen ihm seine verteilten asiatischen Glückskekse wirklich Glück.

Er hat es als SVPler zwar gern urchig und gemütlich, doch auch der Bisherige Ueli Studer kann nicht schon vor den Wahlen juchzen. Seine Partei hat durch die Abspaltung der BDP viele profilierte Köpfe verloren und tritt derzeit in Köniz geschwächt auf. Allerdings ist Studer ein sehr gemässigter SVPler und dadurch auch für BDP-Anhänger wählbar. Zudem ist die BDP noch relativ schwach auf der Brust: Ihre beiden Gemeinderatskandidaten Andreas Lanz und Thomas Frey räumten bereits bei Bekanntgabe ihrer Kandidatur ein, dass sie sich kaum Chancen auf einen Sitz ausrechnen.

Enger als für Studer wird es da schon für die beiden linken Gemeinderätinnen Katrin Sedlmayer (SP) und Rita Haudenschild (Grüne). Sie müssen von allen Bisherigen am meisten um ihre Sitze zittern. Zwei Vollämter und ein Nebenamt holte die Linke bei den letzten Wahlen. Nun müsste Rot-Grün kräftig zulegen, um auf drei Sitze zu kommen, denn einen Sitz beansprucht ja schon SP-Gemeindepräsident Mentha. In diesem Sitzkampf hat die Grüne Haudenschild wohl die besseren Karten als die Sozialdemokratin Sedlmayer. Denn ob national oder regional: Grüne Politik liegt im Trend. Dass Katrin Sedlmayers Sitz trotz professioneller Arbeit wackelt, haben auch die Bürgerlichen längst gemerkt. Mit öffentlichen Attacken haben sie in den letzten Monaten bewusst an Sedlmayers Stuhl gesägt.

Zwei Sitze für die Bürgerlichen, zwei für das linke Lager – doch wo geht der fünfte Sitz hin? Das ist letztlich die grosse Frage, die sich vor diesen Könizer Wahlen stellt. Im Moment sind die sieben Sitze in der Könizer Regierung auf drei Linke und drei Bürgerliche sowie die Mittepartei EVP aufgeteilt. EVP-Gemeinderätin Marianne Streiff kandidiert nicht mehr. Doch sorgt ihre Partei zurzeit in der Region Bern bei Gemeindewahlen für Überraschungen. Das ist auch in Köniz nicht auszuschliessen, wo die EVP Marianne Streiffs Ehemann Jürg als Spitzenkandidaten ins Rennen schickt. So gibt es letztlich zwei Szenarien. Die EVP spielt auch künftig das Zünglein an der Waage in der Könizer Regierung. Hat Streiff keinen Erfolg, machen die Bürgerlichen und Rot-Grün den Kampf unter sich aus.

lucia.probst@bernerzeitung.ch

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Erstellt: 21.11.2009, 00:34 Uhr

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