Zweite Mitte der Schweiz liegt im Oberland
Wir basteln uns einen Mittelpunkt und brauchen dazu: eine Karte der Schweiz, eine Schere, Leim und Karton. Wir kleben die Karte auf den Karton und schneiden sie exakt der Landesgrenze nach aus. Dann balancieren wir die Karte auf der Spitze eines Fingers, und wo die Haut den Karton berührt, befindet sich der offizielle Mittelpunkt oder Flächenschwerpunkt der Schweiz: die Älggi-Alp in der Gemeinde Sachseln im Kanton Obwalden.
Doch es gibt noch einen anderen Mittelpunkt der Schweiz: Jene Stelle, die am weitesten von den Landesgrenzen entfernt ist. Diese befindet sich im Silbermoos in der Gemeinde Uetendorf.
Beliebte Route
Für den Uetendorfer Vizegemeindepräsidenten Alois Christen (SVP) ist diese Information ein Glücksfall. Seine Gemeinde engagiert sich seit Jahren, um den westlichen Teil des Thuner Verwaltungskreises für den sanften Tourismus zu erschliessen. Von ihr kam die Initialzündung für das Projekt «Rad Wander Ferien Thun West». Dass der Uetendorfer Gemeinderat den Punkt im Silbermoos nutzen will, liegt auf der Hand. «Wir möchten diese Stelle touristisch vermarkten», sagt Christen. Denkbar sei, eine Tafel aufzustellen und den Spaziergängern, Wanderern und Velofahrern zu zeigen, dass sie sich im Zentrum des Landes befinden. «Der Punkt im Silbermoos befindet sich auf einer sehr beliebten Route», weiss Christen. Viele Wanderer würden hier vorbeikommen, da es sich um einen öffentlichen Weg handle, der durch Rinderweiden führt. Zudem führte hier laut Christen ein uralter Verkehrsweg durch, der schon von den Römern genutzt wurde.
Der genaue Punkt, der am weitesten von den Landesgrenzen entfernt ist, liegt indes nicht auf dem öffentlichen Weg, sondern ein paar Meter davon entfernt mitten in einer Weide, die in Privatbesitz ist. Sie ist Teil des Gutsbetriebs Eichberg, der dem Landwirt Karl Lanz gehört.
Kein Massentourismus
«Dass er mit uns am selben Strick zieht, ist optimal», sagt Gemeinderat Alois Christen. «Wenn die Gemeinde hier eine Tafel aufstellt, soll mir das Recht sein», sagt Karl Lanz. Hat er keine Angst, von Touristenströmen übeschwemmt zu werden? «Überhaupt nicht», meint er auf diese Frage lachend. «Hier hat es genug Platz, dass sie sogar mit einem Reisebus durchfahren können.»
Doch auf Massentourismus haben es die Uetendorfer Gemeinderäte nicht abgesehen. «Wir stellen uns vielmehr vor, dass der Punkt Teil des TIP-Projekts ‹Amsoldinger Platte› werden könnte», sagt Christen, der Mitglied der Geschäftsleitung Planungsverein Region Thun-InnertPort (TIP) ist. Ziel dieses Projekts ist es, den Agro-Tourismus im Westen von Thun zu fördern. «Seit nationale Bike-Routen und die Herzroute hier durchführen, ist die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten stark gestiegen. Hinzu kommen die Jakobswegpilger», sagt TIP-Geschäftsführer Melchior Buchs. Das Problem sei, dass es auf dem Land kaum Übernachtungsmöglichkeiten gebe.
Bei einigen Bauern können die Touristen zwar im Stroh übernachten; wer allerdings mehr Komfort möchte, hat es schwer. «Wir möchten auf den Bauernhöfen Übernachtungsmodule aus Holz aufstellen», sagt Buchs. «Sie könnten einen Schlafraum, eine Nasszelle und eine Kochnische enthalten.» Auf diese Weise könnten sich die Bauern ein zusätzliches Einkommen sichern.
Gemeinden sind informiert
Auch die Restaurants im Westen von Thun sollen sich vermehrt auf den sanften Tourismus ausrichten, fordert Buchs. «Wenn das Projekt umgesetzt werden kann, könnten ganze Arrangements angeboten werden, beispielsweise Übernachtungen in Kombination mit Velotouren und einem Abstecher ins Silbermoos», blickt der TIP-Geschäftsführer in die Zukunft. Die Gemeinden zwischen Reutigen und Burgistein seien über das Projekt informiert worden, zudem möchte der TIP eine Verbindung zum Naturpark Gantrisch schaffen, zu dem die Gemeinden Wattenwil, Forst-Längenbühl, Seftigen und Burgistein gehören.
Das Projekt «Amsoldinger Platte» könnte allerdings an der Gesetzeslage scheitern. Denn für das Bauen in der Landwirtschaftszone gelten restriktive Vorschriften. «Um ein Modul aufzustellen, braucht es eine Baubewilligung», sagt Melchior Buchs. «Zurzeit klären wir ab, ob wir seitens des Kantons mit grünem Licht rechnen können.» (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 15.11.2010, 08:19 Uhr
Kommentar schreiben
Region
- 11:18Keine Abstimmung für neue Netze
- 11:06Die Organisatoren haften – die Stadt aber auch
- 10:54Der Trampelwurm fährt wieder
- 10:44«Ich kenne die Abläufe, die Gesetze und die Partner»
- 10:44«Ich sagte mir: Wenn ich es mache, dann ernsthaft»
- 10:29Marc Häusler und Katrin Zumstein im Duell um das Statthalteramt
Fernstudiums-CAS an der FFHS
Holen Sie sich das juristische Fachwissen für einen Job in Compliance & Corporate Governance
Jetzt wechseln und sparen
Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.
BLS Schifffahrt Berner Oberland
Auf Deck scheint die Sonne am längsten.
Was gibt es Schöneres als die wohlverdienten Feierabendstunden auf dem Thunersee zu verbringen?




















