Region
SVP-Kandidat: «Polizisten sind Weicheier»
Lehrer und SVP-Gemeinderat Fritz Affolter hatte
Polizisten als Weicheier
tituliert.
Grossratskandidaten buhlen um die Gunst der Wähler und kreuzen die parteipolitischen Klingen. Das war am Donnerstag auch im Restaurant Krone in Aarberg der Fall. Eine Gruppe um Urs Gasser aus Aarberg hatte Kandidaten aus verschiedenen Parteien zum Gespräch geladen. Sie sollten ihre Sicht der Dinge zum Thema «Sicherheit im Kanton Bern» darlegen. Fritz Affolter, Andreas Blank und Fritz Ruchti stellten das schweizerische Rechtssystem und die Ausländer aus SVP-Sicht an den Pranger. Affolter wetterte als Lehrer gegen ausländische Jugendliche, die keine Grenzen mehr einhalten würden, und Blank sprach davon, dass man heute Glück habe, wenn man abends überhaupt noch heil nach Hause komme. Die Gesetze müssten verschärft werden, und die Polizei solle härter durchgreifen. «Im Säli ists einfach» Diese Aussagen mochte Corrado Pardini von der SP nicht so stehen lassen. «Die grobschlächtigen Parolen der SVP helfen nicht weiter», rief er in den Raum. Verunsicherung erreiche man auch, indem man den Unmut der Leute schüre. Arnold Stalder von der FDP stimmte dem indirekt zu. Es sei müssig, einfach über das Verhalten einer Gruppe Menschen zu jammern, es gelte, die Probleme zu lösen. Spätestens nach diesen Aussagen hielt der «Arena»-Stil definitiv Einzug im Saal. Regierungspräsident Hans-Jürg Käser (FDP) bekundete zunehmend Mühe mit der Art und Weise, wie sich einzelne SVP-Mitglieder einbrachten: «Im Säli des Löwen ist immer alles ganz klar und einfach. Man wettert, bezahlt das Bier und geht.» Wenn man Verantwortung übernehme, sehe das etwas anders aus, da komme man mit diesem Schwarz-Weiss-Denken nicht weiter, sagte Käser. Als Affolter gar sagte, dass die Gesellschaft und die Polizei Weicheier seien, platzte Käser der Kragen. Auf ein solches Diskussionsniveau lasse er sich nicht herab, rief er Affolter zu. «Übers Ziel hinaus» Einig war man sich in der Runde schliesslich darüber, dass die Umsetzung des neuen Strafrechts Unsicherheiten ausgelöst habe und über das Ziel hinausgeschossen sei. Die Ausschaffungsinitiative sei aber nicht die richtige Antwort darauf, fand Adrian Kneubühler von der FDP, weitere Anwesende stimmten ihm bei. Käser führte den Lehrermörder von St.Gallen als Beispiel auf: «Er wurde ausgeschafft und konnte so seiner Strafe entgehen.» Da liege genau die Schwäche dieser Initiative. Parteikollege Kneubühler wiederum ortete das Hauptproblem nicht bei den Ausländern, die im Gefängnis sitzen, sondern bei denen, die ihre Kultur in der Schweiz voll ausleben. Die Diskussionsteilnehmenden liessen das Publikum etwas ratlos zurück. Es wurde klar, dass den Grossratskandidaten noch viel Arbeit bevorsteht. Ursula Grütter >
Erstellt: 13.02.2010, 00:30 Uhr
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