Keine Sexmesse: Stadt macht einen Rückzieher

Aktualisiert am 16.03.2010

Der Langenthaler Gemeinderat lässt die Erotikmesse «Amor» platzen – obwohl die Verträge längst unterschrieben sind und die gastgewerbliche

Bewilligung vorliegt.

Nun droht der Stadt ein

finanzieller Schaden.

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Pornostars aus ganz Europa sind gebucht, 25 Standbetreiber angemeldet. Bis gestern Abend, 16.55 Uhr, schien der Sexmesse «Amor» in Langenthal nichts im Wege zu stehen. Doch dann kam die Pressemitteilung der Stadt mit Knalleffekt: Der Langenthaler Gemeinderat verbiete «die Nutzung der Markthalle für die Durchführung einer Erotikfachausstellung». Auch andere städtische Liegenschaften und Anlagen würden nicht zur Verfügung stehen.

Für J.P. Love, Erotikdarsteller und Pressesprecher von «Amor», eine bittere Enttäuschung: «Ich bin fassungslos und traurig. Diesen Entscheid der Stadt kann ich beim besten Willen nicht akzeptieren.»

Statthalter sagte Ja

Überraschend kommt der Rückzieher für ihn, weil der Mietvertrag mit der Stadt für die Markthalle längst unterschrieben ist. Auch die gastgewerbliche Bewilligung für den dreitägigen Event (16. bis 18.April) liegt vor. Erst letzte Woche wurde sie vom zuständigen Regierungsstatthalter Martin Sommer erteilt.

Für den Langenthaler Gemeinderat kein Grund, dem erotischen Treiben freien Lauf zu lassen. Eiligst wurde gestern Nachmittag eine Konsultativabstimmung durchgeführt – «das Resultat fiel klar aus», sagt Stadtpräsident Thomas Rufener auf Anfrage.

«Situation unterschätzt»

Von der geplanten Erotikmesse hatten die Gemeinderäte erst letzten Samstag per E-Mail erfahren. Vorher kümmerten sich das Stadtbauamt und das Amt für öffentliche Sicherheit darum. «Sie haben die Situation eindeutig unterschätzt», sagt Rufener. Am Ende trage der Gemeinderat die politische Verantwortung. Und dieser sei «aus naheliegenden Gründen nicht bereit, Veranstaltungen dieser Art in städtischen Liegenschaften stattfinden zu lassen».

J.P. Love will kämpfen

Erledigt ist das Thema mit dem Nein der Stadt gewiss nicht. Pressesprecher J.P. Love betont, man habe schon sehr viel Geld in die Messe investiert. «Die internationalen Künstler sind gebucht, die Verträge unterschrieben. Auch die Flyer haben wir schon drucken lassen.» Die Erotikmesse sei daher «noch längst nicht abgehakt».

Welchen finanziellen Schaden die Stadt am Ende tragen muss – bis gestern Abend war darüber nichts in Erfahrung zu bringen. Stadtpräsident Thomas Rufener sagte dazu nur: «Über die Folgen werden wir uns noch unterhalten müssen.»

Stefan Schneider

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Erstellt: 16.03.2010, 00:31 Uhr

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