Die regionalen Energie-Strategen geben Gas

Ein neues Netzwerk entsteht: Dieses strebt eine weitgehend autonome Energieversorgung der Region Emmental an.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Der Oberburger Energiefachmann und Unternehmer Josef Jenni zeichnet düstere Energieprognosen. Gemäss der weltweiten Entwicklung werde es bereits ab dem Jahr 2020 dermassen an Erdöl und damit an Benzin mangeln, dass auf den Strassen kaum mehr Autos verkehrten – «und es die Zufahrtsstrasse ins Emmental gar nicht mehr braucht». Dasselbe gelte, wenn auch in einem etwas weiteren Zeitrahmen, für alle anderen fossilen Energieträger, die Kohle eingeschlossen.

Im Emmental will man dieser Entwicklung aktiv begegnen; diverse regionale Partner werden noch heuer die Energieregion Emmental gründen. Die Initianten und der Projektleiter Anton Küchler haben ihre Absichten und Zielsetzungen den Medien gestern in Burgdorf präsentiert.

Das Geld erwirtschaften

Die Energieregion will ein Netzwerk für ansässige Akteure sein, das die Nutzung regionaler Ressourcen fördert und die Verbrauchseffizienz verbessert. Für die Energiezukunft des Emmentals sollen Ziele gesteckt und schrittweise verfolgt werden. Vorgesehen ist, das Projekt in der Aufbauphase mit öffentlichen Geldern zu unterstützen. Mittelfristig möchte man der Organisation jedoch eigene Geschäftsfelder im Energiesektor erschliessen, damit sie sich selber finanzieren kann.

Trägerschaft des Netzwerks ist der Verein Energie plus! mit Sitz in Langnau. Als Partner stehen unter anderem die Region Emmental, Emmental bewegt, Oil of Emmental und Holzenergie Emmental bereit. Anton Küchlers Büro «Weichen stellen» in Trubschachen wird im Mandatsverhältnis als Geschäftsstelle fungieren.

Die – offiziell noch nicht gegründete – Energieregion Emmental verfügt bereits über Grundlagenmaterial, das unter dem Patronat des Vereins Region Emmental erarbeitet worden ist. Gemäss dieser Potenzialstudie wird die in den Regionen Emmental und Oberaargau als Strom, Wärme und Treibstoff benötigte Energie heute zu 90 Prozent importiert. Damit ist die Fremdabhängigkeit gross und der regionale Verdienst klein. Die Studie zeigt aber auch, dass sich dieses Verhältnis umkehren lässt: Mit den heute bereits bekannten Technologien wäre es möglich, den heimischen Energiebedarf zu 80 Prozent selber zu decken und den Jahresverdienst, der in der Region verbleibt, längerfristig von heute 100 auf 400 Millionen Franken zu steigern.

Holzreicher gehts nimmer

Grosses Potenzial liegt im energetischen Sanieren von Gebäudehüllen, wie Energieberater Peter Kast ausführte. Auch die Holzenergie ist ein Trumpf des Emmentals – immerhin gilt dieses als die holzreichste Region Europas. Der regionale Energiebedarf für die Raumheizung beträgt jährlich rund 380 Gigawattstunden, wenn man die möglichen Sparmassnahmen einberechnet. Aus dem nachwachsen- den heimischen Holz liessen sich sogar 420 CO2-neutrale Gigawattstunden erzeugen – «das Emmental können wir also heizen», hielt Thomas Müller, Geschäftsführer des Netzwerks Holzenergie, fest.

Ein harter Brocken

Etwas schwieriger gestaltet sich die Situation im Mobilitätsbereich. «Der motorisierte Verkehr hat sich bis heute als weitgehend immun gegen Treibstoffreduktionsbemühungen erwiesen», sagte Theophil Bucher, Projektleiter von Emmental bewegt. Neuerdings gebe es aber ermutigende Anzeichen; laut einer aktuellen Erhebung sei die Verkehrsleistung pro Kopf etwas zurückgegangen. Vielleicht sei das der Beginn einer eigentlichen «Verkehrswende».

So oder so wollen Bucher und seine Mitstreiter Impulse zur Treibstoffreduktion im Emmental setzen. Als Möglichkeiten nannte er die Schaffung von Hauslieferdiensten, wie sie in Burgdorf und Langnau bereits bestehen, oder die Umlagerung eines Teil des motorisierten Verkehrs auf den Langsamverkehr. «Im ländlichen Raum sind ungefähr zwei Drittel aller zurückgelegten Wege nicht länger als fünf Kilometer; das sind Strecken, die sich auch mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder zu Fuss bewältigen lassen», sagte Bucher. Überhaupt tue es not, sich wieder ein wenig zur Bescheidenheit zu ermahnen, die Mobilität einzuschränken und regionale Vorzüge neu zu entdecken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.02.2010, 09:28 Uhr

KOMMENTAR SCHREIBEN







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 KOMMENTAR

Ulrich Scheidegger

25.02.2010, 17:12 Uhr

So einfach wie es in diesem Artikel gemalt wird, ist diese Angelegenheit nimmer. Beispiel Holz, was in Jahrzehnten gewachsen ist, ist in Jahren abgeholzt, um dann wiederum Jahrzehnte zu wachsen. Beispiel Verkehr, in einem so ausgeprägten Hügelgebiet wie das Emmental, mit sehr steilen Auffahrten zu den verstreuten Höfen im Streusiedlungsgebiet, ist das Fahrrad wohl nicht unbedingt die erste Wahl.



Meistgelesen in der Rubrik Region

Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

Weitere Videos Videothek öffnen

Young Boys

BLS

Capital FM iApp

Werbung

Roger Schaeli bloggt aus der Wand


FREIZEIT-IDEEN

Die schönsten Wanderungen – vom Klassiker bis zum Geheimtipp.

Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Jobsuche

Kaum wird irgendwo ein Job frei, ist er auf jobwinner.ch.

Weiterbildung

Finden Sie die passende Schule fĂĽr Ihre Weiterbildung in Beruf und Freizeit.

Nachhaltig abnehmen

Der BodyCoach hilft Ihnen, gesund und nachhaltig abzunehmen. [Alt-Text]



© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten