Der Schrebergarten als Mikrokosmos

Eine nicht immer ganz heile Welt im Paradies: Der Berner Filmemacher Mano Khalil hat zwei Jahre lang das Leben in einem Berner Schrebergarten beobachtet. Sein Film «Unser Garten Eden» feiert in Solothurn Premiere.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es wird gelacht, gestritten, versöhnt, nicht versöhnt, gefeiert, geschimpft, gelobt und geträumt. Dazu gibts ein nicht immer kaltes Bier und Schwein vom Grill. Das ist das andere Leben von Menschen aus über zwanzig Nationen, die sich auf 148 Parzellen ein kleines Stück Paradies, jenseits von Stress und Hektik, aufgebaut haben. Der Berner Filmemacher Mano Khalil hat für seinen Film «Unser Garten Eden» Stimmungen im Berner Schrebergarten Oberbottigenmoos eingefangen. Er hat dort selbst eine kleine Parzelle und kennt das Innenleben und die Atmosphäre in der kleinen Gemeinschaft – eine Gemeinschaft, die längst nicht so idyllisch ist, wie sie von aussen aussehen mag. So setzt der Präsident des Gartenvereins, stets in Anzug und Krawatte, mit polizeilicher Miene durch, dass eine Laube um einige Zentimeter herabgesetzt werden muss, damit die Bauvorschriften eingehalten werden. Dass man ihn deswegen auch schon mit «Mussolini» tituliert hat, goutiert er nicht. «Ich bin sensibel, ich bin demokratisch», korrigiert er aufgebracht. «Ich habe nur meine Nerven, nicht Kanonen wie Bush.»

Tränen und Humor

Was hier gezeigt wird, sind wahre Geschichten, traurige wie fröhliche – aber nie voyeuristische. Ein Mann und eine Frau aus Polen, über dreissig Jahre ein Paar, trennen sich im Laufe der Dreharbeiten und verbergen ihre Tränen nicht. Einem Italiener, der auch nach vierzig Jahren kein Wort Deutsch spricht und im Rückblick lieber arm in Italien geblieben wäre, dient der Garten Eden als Trost. Mit Humor erzählen eine Schweizerin und ihr schwarzer Mann aus Algier, wie sie auch nach bald fünfzig Jahren trotz verschiedener Hautfarbe und Religion ein glückliches Paar sind. Lustig und laut gehts bei Serben und Kroaten zu, die mit grossem Schweinegrill und lauter Handorgel Geruch- und Lärmemissionen verursachen, was wiederum nicht bei allen Mitbewohnern gleichermassen gut ankommt.

Vier TV-Kanäle interessiert

Mano Khalil, selbst gebürtiger Kurde aus Syrien, vermag es, Menschen zum Erzählen und ihre inneren Gefühle zum Ausdruck zu bringen. «Solange ich alleine mit meiner Kamera zu den Leuten ging, waren sie bereit, über sich zu sprechen», so Khalil. «An einigen Tagen nahm ich ein Filmteam mit. Da schwiegen sie.» Liebevolle Detailaufnahmen von blühenden Rosen, jungen Salaten, wehenden Fahnen, Zugvögeln am blauen Himmel und dem Wunschkonzert am Radio sorgen für die Würze.

36 Stunden Filmmaterial hat Mano Khalil zu einer 97-minütigen Filmmontage komponiert. Die Filmmusik stammt von Mario Batkovic, auch bekannt als Sänger der Berner Band Kummerbuben. Der Film über eine multiethnische, multikulturelle und mehrsprachige Welt in einem nicht immer ganz paradiesischen Mikrokosmos scheint einen Nerv der Zeit zu treffen. Bereits haben alle drei Schweizer Fernsehkanäle und der Sender SAT1 ihr Interesse an der Ausstrahlung des Films angemeldet. Khalil setzt darauf, dass «Unser Garten Eden» zuerst noch im Kino anläuft. In Solothurn ist am Samstag Premiere. Hannah EinhausGezeigt wird «Unser Garten Eden» in Solothurn am 23. und am 27.Januar.

>

Erstellt: 22.01.2010, 00:30 Uhr

Service

Blogs

Serienjunkie Der spinnt, der Lynch!

Sportblog Dreimal runter, Hose runter

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...