Veloparkplätze – wo seid ihr?

Von Frederic Auderset. Aktualisiert am 30.07.2010

In der Stadt Freiburg herrscht ein Mangel an Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Das neue Ausführungsreglement zum Raumplanungs- und Baugesetz des Kantons wird für Neubauten Abhilfe schaffen.

Aus Mangel an Abstellmöglichkeiten werden Velos in Freiburg häufig an Bäumen parkiert.

Aus Mangel an Abstellmöglichkeiten werden Velos in Freiburg häufig an Bäumen parkiert.
Bild: Aldo Ellena

Freiburg ist auf dem letzten Platz

Zum zweiten Mal nach 2006 hat Pro Velo Schweiz zwischen Dezember 2009 und Februar 2010 Velofahrer zur Beurteilung der Qualität des Velofahrens in ihrer Gemeinde aufgerufen. Die Teilnehmenden wurden nach ihrer Einschätzung des Verkehrsklimas, der Sicherheit, des Komforts, des Wegnetzes, der Abstellanlagen und des Stellenwerts des Fahrradfahrens gefragt. Mit einem Durchschnittswert über alle Themenbereiche von 3,1 liegt Freiburg im Klassement der 19 Städte auf dem letzten Rang. Die besten Noten erhielt Burgdorf. Immerhin konnte Freiburg seine Bewertung gegenüber 2006 verbessern. Damals resultierte die Note 2,8. Freiburg bekommt in keinem Bereich eine genügende Note. Zu denken gibt die Bewertung der Abstellmöglichkeiten (Note 2,9), und dort besonders der Aspekt der Diebstahl- und Vandalismusgefahr. Laut Angaben des Verkehrsdiensts der Stadt (Stand von 2009) verfügt Freiburg über 5200 Abstellplätze für Zweiräder (Velos, Scooter und Motorräder). Davon können 1500 öffentlich benützt werden. Im Stadtgebiet gibt es 7750 Meter Fahrradstreifen und 530 Meter Velowege. Ausserdem dürfen Velofahrer 3920 Meter Busspur mitbenützen. fa/hus

Dass Velofahren zur Entlastung von Strassen, zur Reduktion von klima- und gesundheitsschädlichen Abgasen und zur Sicherheit im Strassenverkehr beitragen kann, wird kaum bestritten. So wird denn der Wille zur Förderung des Langsamverkehrs in Verkehrsplänen, Empfehlungen und Konzeptpapieren von den politischen Entscheidungsträgern auch stets bekundet.

Neues Baureglement

Ein wichtiges Element dieser Förderung stellen die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder dar. Die Freiburger Sektion von Pro Velo zeigt sich nun erfreut, dass im Kanton seit dem 1.Januar 2010 neue Regeln für die Parkplatzerstellung bei Neubauten in Kraft sind.

Das Ausführungsreglement zum Raumplanungs- und Baugesetz schreibt nämlich in Artikel 27 vor, dass die Dimensionierung der Parkplätze nach den Normen der Vereinigung Schweizerischer Strassenfachleute VSS zu erfolgen habe. Für eine Wohnüberbauung bedeutet das zum Beispiel, dass pro Zimmer 0,7 Veloabstellplätze errichtet werden müssen.

Laut Marcel Gutschner von Pro Velo bringe dies eine bedeutende Verbesserung der Infrastrukturqualität für Velofahrende und sei «eine sehr begrüssenswerte Änderung.»

Weil das Angebot an Veloabstellplätzen in Freiburg aber unbefriedigend sei, begnügt sich Pro Velo nicht mit neuen Baunormen, sondern versucht auch auf die bestehende Infrastruktur einzuwirken. So versuche man zum Beispiel, Einkaufsgeschäfte davon zu überzeugen, dass mit der Schaffung von praktischen und sicheren Veloparkplätzen eine grössere Kundschaft gewonnen werden könne, erklärt Marcel Gutschner. Gleiches gelte für den öffentlichen Verkehr, besonders an Bahnhöfen und wichtigen Haltestellen. Hier seien vor allem die Freiburger Verkehrsbetriebe TPF in der Pflicht. Man stelle bei den TPF zwar ein Umdenken in Richtung kombinierten Verkehrs und viele Willensbekundungen fest, auf Realisationsebene gebe es aber noch «viel Potenzial für Tatbeweise». So sei kaum Bewegung zu erkennen bei der Erstellung von 160 zugesagten Veloabstellplätzen beim Busbahnhof Freiburg.

Bequeme Velofahrer

Weniger dramatisch sieht man die Situation beim Verkehrsdienst der Stadt Freiburg. Zwar gebe es einen Mangel an Abstellmöglichkeiten für Velos, besonders beim Bahnhof. Doch sei die Stadt nicht untätig, und es gebe auch Beispiele, wo neue Parkmöglichkeiten geschaffen wurden, diese aber kaum genützt würden.

So wurde beim Fribourg Centre hinter dem Gebäude eine grosszügige Anlage zur Veloparkierung gebaut, viele Velofahrer stellen ihr Zweirad aber lieber vor den Haupteingang an einen Baum. Ein Augenschein im Pérolles-Quartier zeigt ein ähnliches Verhalten. Offenbar fahren viele Radfahrer so nah als möglich zum Haupteingang, und wenn sie nicht sogleich einen «offiziellen» Abstellplatz finden, parkieren sie das Fahrrad an den nächstbesten Baum oder an ein Geländer.

Für Marcel Gutschner ist aber auch klar, dass die Erhöhung des Abstellangebots noch nicht die Glückseligkeit für Velofahrer bedeutet. Damit die Bevölkerung effektiv auf das Velo umsteige, brauche es weitere Massnahmen, zum Beispiel zur Verbesserung der Sicherheit. Allgemein müsse ein Klima geschaffen werden, in dem sich Velofahrer respektiert und geschätzt fühlen. Hier sieht er auch einen Handlungsbedarf bei der öffentlichen Hand, die durch gezielte Kommunikation für ein velofreundlicheres Freiburg sorgen könne. (Freiburger Nachrichten)

Erstellt: 30.07.2010, 10:43 Uhr

0

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

Noch keine Kommentare

Region

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Region

Umfrage

Waren Sie schon mal in einem Pfingstlager?




Neues aus Ihrem Wohnort

  • Hier finden Sie Nachrichten, Veranstaltungen und das detaillierte Lokalwetter ihrer und hundert weiterer Gemeinden im Gebiet der Berner Zeitung. Mehr...
  • Gelangen Sie hier direkt zu Ihrer Gemeindeseite: