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Neue Abteilung für unheilbar Kranke

Von Helene Soltermann, Hans Ulrich Schaad. Aktualisiert am 28.12.2011

Segnen die Seebezirkler und der Grosse Rat den Spitalumbau ab, werden dort Ende 2014 zwei neue Abteilungen eröffnet. Neben der Permanence, der Akutmedizin und Rehabilitation werden auch die Palliativpflege und die Neurorehabilitation einen Platz erhalten.

Auf der Palliativabteilung essen Patienten auch mal mit der Betreuerin zu Mittag, wie hier im Spital von Châtel-St-Denis.

Auf der Palliativabteilung essen Patienten auch mal mit der Betreuerin zu Mittag, wie hier im Spital von Châtel-St-Denis.
Bild: Charles ellena/FN

Neurorehabilitation

Neben der Abteilung Palliativpflege wird nach dem Spitalumbau die Neurorehabilitation des Kantonsspitals Freiburg ins Spital Merlach verlegt; zehn Betten sollen für diese Abteilung reserviert sein. Neurorehabilitiert werden Patienten, die einen Hirnschlag, eine Hirnblutung oder ein Schädel-Hirn-Trauma erleiden. Die Patienten tragen vielfach Hirnschädigungen oder Lähmungen davon. Nach Merlach verlegt werden Patienten dann, wenn sie in einem stabilen Zustand sind und keine intensive medizinische Betreuung mehr brauchen, jedoch eine intensive Rehabilitation. Die Patienten bleiben vier bis sechs Wochen auf der Neurorehabilitationsabteilung.hs/husder ein Schädel-Hirn-Trauma erleiden. Die Patienten tragen vielfach Hirnschädigungen oder Lähmungen davon. Nach Merlach verlegt werden Patienten dann, wenn sie in einem stabilen Zustand sind und keine intensive medizinische Betreuung mehr brauchen, jedoch eine intensive Rehabilitation. Die Patienten bleiben vier bis sechs Wochen auf der Neurorehabilitationsabteilung.hs/hus

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Boris Cantin freut sich, dass im Spital Merlach schon bald die Abteilung Palliativpflege eröffnet wird. «Die Bevölkerung wird immer älter, die Palliativmedizin immer wichtiger», sagt der leitende Arzt der Abteilung Palliativpflege im öffentlichen HFR-Spital Châtel-St-Denis. Derzeit sind diese zwölf Betten die einzigen im Kanton Freiburg für die Palliativmedizin. Nach dem Spitalumbau in Merlach werden künftig auch dort Palliativpatienten aufgenommen. So will es die kantonale Spitalplanung.

Palliativpflege richtet sich an Patienten, die an einer nicht heilbaren Krankheit leiden. Auf der besagten Abteilung in Châtel-St-Denis leiden 95 Prozent der Patienten an Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium. Es hat auch Patienten ohne Krebs, die Palliativpflege benötigen, da sie an Krankheiten leiden, die auch nicht mehr heilbar sind. Viele Menschen, die Cantin und sein Team betreuen, leben oft nicht mehr lange. Die Palliativabteilung ist jedoch nicht immer die letzte Station in einem Leben. «Einer von drei Patienten geht wieder nach Hause», sagt Cantin. Es sei das Ziel der Palliativmedizin, die Patienten während des Aufenthalts auf die Rückkehr nach Hause vorzubereiten.

Wein und Morphium

Auf der Abteilung in Châtel herrscht nicht hektischer Spitalbetrieb. Auf den Gängen ist es ruhig, zu Mittag gegessen wird gemeinsam. Die Pflegerinnen sitzen mit dem leitenden Arzt Boris Cantin und den Patienten, die wollen, zusammen an einem Tisch. Hier schenkt auch mal der Arzt den Patienten ein Glas Wein ein, und man redet über den neuen Bundesrat Berset, über die Wurst im Teller oder über den Sinn oder Unsinn des Lebens. «Man muss es einfach akzeptieren», sagt der Patient, der die Flasche Wein zum Essen spendiert hat. Er leidet an Lungenkrebs, sein Husten macht deutlich, dass die Krankheit weit fortgeschritten ist. Er schluckt seine Portion Morphium. Der Geschmack sei «zum Kotzen», sagt er. Lieber schlucke er aber jeden Tag seine Ration, als dass er an unerträglichen Schmerzen leide.

So gelassen, wie der spendable Mann seine Situation beschreibt, sind nicht alle Patienten. «Wir haben verständlicherweise viele Menschen, die ihre Krankheit nicht annehmen können», sagt Cantin. Für ebensolche Patienten sei die Palliativpflege wichtig, ist er überzeugt. Sein Ziel sei es nicht, dass Patienten schwere Krankheiten und Schicksalsschläge akzeptierten. «Aber wir können die Patienten in dieser schwierigen Zeit begleiten.»

Angehörige wichtig

Die Philosophie bei der Palliativpflege geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus. «Wir interessieren uns weniger für die nicht funktionierenden Organe, sondern für den ganzen Menschen und sein Umfeld.» Medikamente werden verabreicht, um die körperlichen Schmerzen zu lindern. Cantin sagt es so: «Wir verabreichen ein Minimum an Medikamenten, um das Maximum an Lebensqualität zu gewährleisten.»

Ein wichtiges Puzzleteil in der palliativmedizinischen Betreuung sind die Angehörigen. «Angehörige wissen oftmals, was das Beste für den Patienten ist», sagt Cantin. Ihnen wird in Châtel-St-Denis viel Raum gegeben. Die Patienten haben fast ausnahmslos grosse Einzelzimmer, wo sie sich mit ihrer Familie oder mit ihren Freunden zurückziehen können.

Rückzugsorte braucht es auf einer Palliativabteilung, denn dort kommen wohl oder übel Fragen über das Leben und den Tod auf. «Die Bevölkerung und auch die Ärzteschaft haben noch viele Vorurteile gegenüber dieser Disziplin», sagt Cantin. Die Disziplin ist jung; die Anfänge der Palliativpflege gehen auf die Sechzigerjahre zurück.

Mit dem Umbau des Spitals Merlach wird das Bettenangebot für die Palliativpflege im Kanton um acht Betten vergrössert. Es wird die erste Abteilung innerhalb des Spitalnetzes HFR in Deutschfreiburg sein. (Freiburger Nachrichten)

Erstellt: 28.12.2011, 06:48 Uhr

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