Gemeinde: Zustand ist nicht rechtens

KerzersIn Kerzers können Schweizer Fahrende seit einigen Jahren ihre Wohnwagen bei einem Landwirt abstellen. Weil diese Nutzung nicht den Vorschriften entspricht, schlägt die Gemeinde vor, dass der Bauer das Grundstück umzonen soll.

Hinter dem Papiliorama stehen Wohnwagen von Fahrenden. Der Landbesitzer Fritz Schwab stellt das Terrain zur Verfügung. Die Gemeinde ist damit nicht mehr einverstanden.

Hinter dem Papiliorama stehen Wohnwagen von Fahrenden. Der Landbesitzer Fritz Schwab stellt das Terrain zur Verfügung. Die Gemeinde ist damit nicht mehr einverstanden. Bild: Corinne Aeberhard/Fn

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Fritz Schwab meinte es gut. Als vor etwas mehr als drei Jahren ein Fahrender beim Landwirt aus Kerzers anfragte, ob er seinen Wohnwagen für zwei bis drei Wochen auf dessen Land abstellen könne, sagte Schwab zu. «Ich hatte meine Bedenken, denn man hört nicht nur Gutes über Fahrende. Ich urteile aber nicht, solange ich etwas nicht selber erlebt habe», erzählt Schwab. Daher habe er es ausprobiert, und es sei gut verlaufen.

«Offenbar hat es sich dann unter Fahrenden herumgesprochen, dass ich ihnen Land zur Verfügung stelle.» Weitere Anfragen seien gekommen, und seit 2010 sei fast immer mindestens ein Wohnwagen auf seiner Wiese – gleich neben dem Papiliorama – stationiert gewesen, so Schwab. «Bei zehn bis zwölf Wagen ist der Platz voll. Das kommt aber sehr selten vor und dauert höchstens drei bis vier Wochen.» Er stelle das Land aus Solidarität zur Verfügung, Geld verdiene er damit nicht: «Einige geben mir freiwillig etwas, andere nicht.»

Nur gute Erfahrungen

Schwab akzeptiert nur Fahrende mit Schweizer Pass auf seinem Land. «Anders als zum Beispiel die Franzosen reisen die Schweizer nicht in grossen Gruppen. Und sie sind integriert, bezahlen Steuern, sind versichert, leisten Militärdienst und betreiben ein Gewerbe wie wir auch», erklärt Fritz Schwab, der nicht von schlechten Erfahrungen zu berichten weiss.

Ein Fahrender, der sich regelmässig bei Schwab aufhält und nicht namentlich genannt werden möchte, erzählt, dass es immer schwieriger werde, Standplätze und Durchgangsplätze zu finden. «Es gibt noch immer Vorurteile gegen uns», sagt er. Zudem wirke sich das Verhalten von einigen ausländischen Fahrenden, die Plätze verschmutzten und sich nicht an die Regeln hielten, negativ aus.

Anfragen und Beschwerden

Die Gemeinde Kerzers hat im letzten Herbst mit Schwab Kontakt aufgenommen und ihn darauf hingewiesen, dass der Standplatz für Fahrende nicht mit den Vorschriften für die Landwirtschaftszone konform sei. «Wir haben auf Anfragen und Beschwerden aus der Bevölkerung reagiert», sagt Gemeindepräsidentin Susanne Schwander. Gemeindeschreiber Erich Hirt präzisiert, es seien vier oder fünf Anrufe bei der Gemeinde eingegangen.

«Meistens wollten die Leute einfach wissen, ob Schwab das machen dürfe. Beklagt hat sich kaum jemand», so Hirt. Weil der Zustand nicht rechtens sei, habe die Gemeinde Schwab vorgeschlagen, das Land umzuzonen. Dies will der Landwirt aber nicht, weil er das Feld in Zukunft vielleicht wieder landwirtschaftlich nutzen möchte, wie er der Gemeinde im Dezember schriftlich mitteilte.

«Die Angelegenheit wird nun in der Sicherheitskommission und vielleicht zusätzlich in der Umweltkommission behandelt», sagt Hirt. Gemeindepräsidentin Susanne Schwander erklärt, der Gemeinderat werde danach in einer seiner nächsten Sitzungen eine Entscheidung fällen. «Vermutlich läuft es darauf hinaus, dass wir Herrn Schwab eine Frist setzten, um den Platz zu räumen.»

Fritz Schwab hofft nicht, dass es so weit kommt: «Wenn die Gemeinde es so will, dann will ich nicht mit der Brechstange etwas erzwingen. Aber für die Fahrenden wäre es nicht korrekt, denn irgendwo müssen sie ja hin. Ziel wäre es, eine Lösung zu finden, die für alle Seiten in Ordnung ist.» Einen gemeindeeigenen Platz könne Kerzers momentan nicht zur Verfügung stellen, so Schwander. (Freiburger Nachrichten)

(Erstellt: 16.02.2012, 11:05 Uhr)

Polizei wartet

Keinen offiziellen Platz

Im letzten Jahr hielten sich ausländische Fahrende 30-mal an verschiedenen Orten im Kanton Freiburg auf. Weil es noch keinen offiziellen Durchgangsplatz gibt, muss die Polizei vor Ort nach Lösungen für einige Tage suchen und mit den Beteiligten verhandeln. «Wir warten auf den offiziellen Platz», sagt der Major der Freiburger Gendarmerie, Roger Marchon.

In den letzten Jahren seien die Konvois der aus dem Ausland stammenden Fahrenden grösser geworden und bestünden aus bis zu 40 Wohnwagen. «Weil es keinen offiziellen Durchgangsplatz gibt, melden sie sich nicht beim Kanton an», so Marchon. Die Polizei erfahre von der Ankunft von Fahrenden durch die Bevölkerung oder die betroffenen Grundstückeigentümer. Manchmal sehe auch eine Polizeipatrouille, dass sich Fahrende an einem Ort installiert hätten. Eine Zunahme der Kriminalität stellen wir jedoch nicht fest», sagt Marchon.

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