Region
Eine einzigartige Lebensschule als Gemeinderat
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«Es ist die Aufgabe der ganzen Gesellschaft – nicht nur der Parteien oder der Bisherigen, dass die Gemeinderatssitze nächstes Jahr wieder voll besetzt werden.» Mit diesen klaren Worten leitete Nicolas Bürgisser, Oberamtmann des Sensebezirks, den sogenannten «Kickoff»-Anlass für die Gemeinderatswahlen in einem Jahr ein. Etwa 50 Personen fanden sich am Mittwoch zu diesem Anlass in Tafers ein.
«Als der Ammann mich anrief, war ich baff», erinnerte sich Matthias Neuhaus, Plasselb, mit 23 Jahren der jüngste Gemeinderat im Bezirk. Er habe darüber geschlafen und schliesslich zugesagt. «Ich sah es als Chance für meine Zukunft.» Neuhaus hat es nicht bereut: «Es ist eine super Lebenserfahrung», betonte er. Projekte planen, Entscheidungen treffen, mit Leuten zusammenarbeiten – all das helfe ihm auch im Beruf.
Geduld gelernt
«Es braucht viel Zeit, vor allem Freizeit», erzählte Louis Casali, seit 15 Jahren im Gemeinderat Bösingen, zehn davon als Ammann. Er habe gelernt, zu organisieren. «Nur im Team ist es möglich, Geschäfte im Gemeinderat oder an der Gemeindeversammlung erfolgreich zu präsentieren», hält er fest. «Es ist eine unbezahlbare Lebensschule.» Für ein gutes Funktionieren eines Rats sei aber auch eine effiziente Verwaltung sehr wichtig.
Bei Paul Stritt liegt die Amtszeit schon etwas länger zurück. Er war 25 Jahre lang im Gemeinderat St. Antoni, neun davon als Ammann. In seinem mit Anekdoten gespickten Erfahrungsbericht erzählte er von der nicht einfachen Anfangszeit, als er es als weitaus jüngstes Ratsmitglied nicht leicht gehabt habe. «Ich habe die Zeit als bereichernd und dynamisch erlebt.» Als Kernpunkt des Erfolgs in einem Gemeinderat bezeichnete Paul Stritt das Kollegialitätsprinzip. «Der Gemeinderat stand immer geschlossen hinter sachpolitisch gefällten Entscheiden.»
Als junger Mensch habe er in der Politik in einem Mass Aufgaben und Verantwortung übernehmen können, wie es in der Berufswelt damals nicht möglich gewesen wäre, erklärte Bruno Boschung. Der CVP-Grossrat erzählte, dass er vor 25 Jahren als Generalratskandidat mit der Politik angefangen habe. Er wolle der Gesellschaft etwas zurückgeben, erklärte der 47-jährige Wünnewiler seine Motivation. «Das ist eine Erfahrung, die mir zwar keine Diplome an der Wand, aber dafür viele innere Kompetenzen brachte.» Er verschwieg nicht, dass es auch Nachteile gibt: Passivität, Egoismus und Desinteresse, denen er bei seiner Arbeit begegne.
Gratwanderung
Wie schwierig es ist, eine Gemeinde zu führen, zeigte der Film von Belinda Sallin im zweiten Teil des Abends. Die Dok-Produzentin aus Schmitten hatte für das Schweizer Fernsehen drei Gemeindepräsidenten porträtiert. (Freiburger Nachrichten)
Erstellt: 19.03.2010, 09:24 Uhr



