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Der Kampf gegen wilde Katzen

Von Helene Soltermann. Aktualisiert am 19.12.2011

Werden herrenlose Katzen nicht kastriert, vermehren sie sich unkontrolliert. Seit Jahren kämpft die Gemeinde Büchslen im Freiburger Seebezirk gegen dieses Problem an. Weder Tierschützer noch der Freiburger Kantonstierarzt wissen Rat.

Auch Katzen können ein Haus besetzen. Vor Jahren haben sich Katzen in einem leer stehenden Haus in der Gemeinde  Büchslen eingenistet und  sich  unkontrolliert vermehrt.

Auch Katzen können ein Haus besetzen. Vor Jahren haben sich Katzen in einem leer stehenden Haus in der Gemeinde Büchslen eingenistet und sich unkontrolliert vermehrt.
Bild: Charles Ellena/FN

Auf dem Sofa im warmen Wohnzimmer ist ein schnurrender Kater ein willkommener Gefährte. In Schweizer Stuben werden denn auch schätzungsweise 1,3 Millionen Katzen gehalten. Viele Katzen leben jedoch nicht bei einem Besitzer und machen ordentlich ins Katzenkistchen, sondern streunen herrenlos umher und lassen ihren Dreck in fremden Gärten liegen.

Mit grossen Katzenproblemen zu kämpfen hat die Gemeinde Büchslen. Verwilderte Katzen plagen das Dorf schon seit längerer Zeit. Vor Jahren haben sich Katzen in einem leer stehenden Haus eingenistet und sich dementsprechend unkontrolliert vermehrt. Ausbaden muss dies nun der Gemeinderat – denn hat eine Katze keinen Besitzer, muss sich die Gemeinde um das Tier kümmern.

Futter für Kastration

In Büchslen leben etwa 15 verwilderte Katzen. Mit Klappfallen, in die Futter gelegt wird, werden die Tiere eingefangen, zum Tierarzt nach Kerzers gebracht und wieder zurück nach Büchslen genommen. Es sei ein «Fass ohne Boden», sagte Gemeinderätin Katja Alchenberger kürzlich an der Gemeindeversammlung. «Sind die Katzen kastriert, haben bereits die Jungen wieder Nachwuchs.» Man könne sich nicht vorstellen, wie gross der Aufwand und die damit verbundenen Kosten seien, so die Gemeinderätin. Die Katzen seien schlau und liessen sich nicht einfach einfangen. Einmal habe sich auch ein Hund in eine Katzenfalle verirrt.

Dass die Gemeinde Büchslen ihre herrenlosen Katzen nach dem Kastrieren wieder zurück ins Dorf nehme, sei das einzig Richtige, sagt Silvie Schmid vom Tierheim Refuge du Maupas in Font nahe Estavayer-le-Lac. Das Tierheim ist dem Schweizer Tierschutzverein angeschlossen. «Halb wilde Katzen, die sich an einen Ort gewöhnt haben, kommen dort gut zurecht», erklärt Schmid. «Zudem verteidigen sie das Territorium gegen andere wilde Katzen.» So lasse sich eine Katzenpopulation einigermassen in Grenzen halten.

Das Tierheim Maupas werde immer wieder kontaktiert, damit es sich um herrenlose Katzen kümmere, erklärt Schmid. «In diesen Fällen stellt der Freiburger Tierschutzverein der Bevölkerung gratis Material zur Verfügung, mit dem verwilderte Katzen tiergerecht eingefangen und danach zum Tierarzt zum Kastrieren gebracht werden können.»

Frühreife Kätzchen

Auch der Kerzerser Tierarzt Daniel Senn, der die herrenlosen Büchsler Katzen kastriert, lobt die Gemeinde. «Büchslen ist eine der wenigen Gemeinden, die etwas macht.» Verwilderte Katzen gebe es fast in einer jeden Gemeinde. Kastrieren sei die einzige Lösung, findet er. Das Problem: «Man muss immer dranbleiben. Mit sieben oder acht Monaten sind die Jungen geschlechtsreif. Wenn sie nicht kastriert werden, vermehren sie sich exponentiell.» Verwilderte Katzen sind laut Senn unmöglich zu zähmen. «Sie können folglich auch nicht bei einer Familie in einer Wohnung platziert werden.» Nicht infrage kommt für ihn, wilde Katzen einzuschläfern. «Das machen wir nur, wenn die Katze krank ist und leidet.»

Wenn wilde Katzen schneller kastriert würden, kämen weniger unerwünschte Junge zur Welt und es gäbe keine Warteliste im Freiburger Tierheim im Font. 2010 hat das Heim 488 Katzen aufgenommen, in diesem Jahr sind es bis Mitte Dezember bereits 532 Katzen.

Je älter, desto schwieriger

Im Sommer alarmierte der Schweizer Tierschutzverein, dass die Tierheime aus allen Nähten platzten. Zu viele junge Katzen würden abgegeben, weil sie keine Besitzer hätten. Doch je länger sich eine Katze auf der Warteliste befindet, desto hoffnungsloser wird es, einen Platz für sie zu finden. «Je jünger und je zahmer die Katze ist», sagt Schmid, «desto besser können wir sie im Tierheim integrieren.»

(Freiburger Nachrichten)

Erstellt: 19.12.2011, 07:07 Uhr

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