Heimiswil

Löwen: Lüdis übergeben das Zepter

HeimiswilEigentlich war die Schliessung des Landgasthofs Löwen bereits besiegelt, Wohnungen hätten eingebaut werden sollen. Nun geht es doch weiter mit dem Gastrobetrieb: Ein junges Trio wird den Betrieb ab November ­weiterführen.

Daniel Lüdi (vorne links, neben ihm sein Vater Peter Lüdi) wirtet künftig nicht mehr im Löwen. Ein Trio ­übernimmt: Kevin Bracher, Nadia Schenk und Marco Lau (v.l.), stehend.

Daniel Lüdi (vorne links, neben ihm sein Vater Peter Lüdi) wirtet künftig nicht mehr im Löwen. Ein Trio ­übernimmt: Kevin Bracher, Nadia Schenk und Marco Lau (v.l.), stehend. Bild: Olaf Nörrenberg

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Das Bild hat Symbolcharakter: Vater Peter und Sohn Daniel Lüdi vereint auf der Feierabendbank. Dahinter, stehend, drei junge Leute, welche den geschichtsträchtigen, schweizweit bekannten Landgasthof Löwen in Heimiswil ab November weiterführen.

Nach vier Generationen geht die Ära Lüdi zu Ende. Denn Daniel Lüdi, der Sohn des berühmten «Löie-Peter», will nicht mehr wirten. Während 23 Jahren ist er, zusammen mit seiner kürzlich verstorbenen Frau Brigitte, dem stattlichen Haus vorgestanden. Als Küchenchef, Bäcker und Confiseur hat er Tradition mit der Moderne verbunden.

Zeiten haben geändert

Doch nach dem Verlust seiner Frau im letzten Frühling und den immer grösser werdenden administrativen, politischen und wirtschaftlichen Hürden und Vorgaben hatte Lüdi genug vom Wirten. Der Entschluss sei allerdings reiflich überlegt gewesen, sagt der Wirt.

Bereits letztes Jahr habe er mit seiner Frau über eine allfällige Reorganisation des Betriebes gesprochen. Klagen will er, der dem Haus 13 Gault-Millau-Punkte erkocht hat, nicht. Trotzdem: Einiges habe geändert im Vergleich zu früher. Heute würden viele Vereine an Anlässen gleich selber wirten, und der 1.-August-Burebrunch der Landwirte sei ein Selbstläufer geworden.

Ausserdem habe sich durch Snacks und Fastfood auch das Essverhalten verändert. Auch der berühmte Löwen in Heimiswil hat mit Einflüssen zu kämpfen, die weitaus weniger bekannten grossen Häusern in der Region zusetzen.

Filmträchtiger Stock

Seit je steht der Landgasthof Löwen imposant am Heimiswiler Dorfeingang. So einige Leute mit bekannten Namen, darunter auch etliche gekrönte Häupter, hätten das Haus beehrt, weiss der frühere Patron Peter Lüdi zu berichten. Die Bekanntheit dürfte auch mit dem gegenüberliegenden, für seine Inschriften und Malereien berühmten Stock zu tun gehabt haben.

1954 zum Beispiel wurde in diesem die ­legendäre Versöhnungsszene im Gotthelf-Film «Ueli der Knecht» mit Lilo Pulver gedreht. Nun aber verkaufen Lüdis den Stock aus wirtschaftlichen Gründen. Angestrebt werde eine Lösung, welche dem geschützten Objekt den nötigen Respekt zolle und allenfalls Synergien zum Haupthaus biete, sagt Peter Lüdi.

Plan verworfen

Eigentlich hatte der 53-jährige Daniel Lüdi bereits einen Plan für das mächtige Haus mit der bemalten Walmdachründi: Es sollten Wohnungen eingebaut werden. Nach reiflicher Überlegung fragte Lüdi dann aber seine Serviceangestellte Nadia Schenk (32), ob sie künftig Gastgeberin sein möchte.

Nach einer Bedenkzeit nahm die Heimiswilerin zusammen mit dem deutschstämmigen Koch Marco Lau (32) und Kevin Bracher (26) aus Burgdorf (Administration/Service) die Herausforderung an. «Wir fühlen uns geehrt, gleichzeitig haben wir grossen Respekt vor der Aufgabe», sagt das Trio unisono. Kulinarisch sieht sich der künftige Küchenchef Lau der Tradition wie auch der Moderne verpflichtet. Auch für eigene Kreationen soll es Platz haben.

Zudem möchten die drei den grossen Saal für Vereine, Hochzeiten und Firmenanlässe aktivieren. Im Zentrum stehe, so Kevin Bracher, die Tradition des Hauses und der zufriedenen Gast. Die Gault-Millau-Punkte stünden dabei hingegen nicht im Mittelpunkt.

Bis Ende Oktober steht Daniel Lüdi den neuen Löwen-Pächtern noch beratend zur Seite. Danach wird er im Dienstleistungszentrum Sumiswald für die Stellungspflichtigen des Rekrutierungszentrum kochen – tagsüber, um endlich mehr Zeit für seinen 12-jährigen Sohn und seine Hobbys zu haben. Damit geht die Wirte­ära Lüdi zu Ende.

Aus- und Antrinket: Sonntag, 30. Oktober, 11 bis 17 Uhr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.10.2016, 16:06 Uhr

Vier Generationen

Der Heimiswiler Landgasthof Löwen wurde im Jahre 1340 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und steht seit 1669 im Tavernenrecht und unter Denkmalschutz.

Seit nunmehr vier Generationen hat die Familie ­Lüdi im geschichtsträchtigen Traditionshaus gewirtet. Ferdinand Lüdi-Meister (1864–1911) vom Kipfberg heiratete 1897 die Wirtstochter Lina Meister und führte mit ihr den Löwen. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe.

Danach lag die Verantwortung bei Hans ­Lüdi-Christen (1880–1942) und seiner Gattin Marie (1898–1975). 1930 baute Hans Lüdi den grossen Saal. Sein Sohn Hans-Ueli wirtete bis 1958, dessen Bruder «Löie-Peter» ­Peter ­Lüdi bis 1993, danach übernahm Daniel Lüdi das Zepter.

Peter ­Lüdi, der noch heute, mit 83 Jahren, Führungen macht und Müschterli aus ­Gotthelfs Zeiten erzählt, hat ­sozusagen die Welt in den ­Löwen gebracht. Dies, nachdem der damals in Bern lebende und arbeitende Koch seine Berufung zum Chef des Schweizer Pavillons an der Weltausstellung in Brüssel absagen musste, weil er von der Familie in den heimischen Löwen zurückbeordert worden war.

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