Kambly expandiert nach Deutschland

TrubschachenDer Biscuitfabrik setzt der starke Franken zu. Die Firma Kambly begegnet dem Problem mit einem Schritt in den Euroraum: Sie übernimmt die Firma Tekrum im deutschen Ravensburg.

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Von einem Tag auf den anderen waren die Kambly-Biscuits im Euro-Raum 10 bis 15 Prozent teurer. Als die Nationalbank am 15. Januar 2015 entschied, den Euromindestkurs aufzuheben, traf das auch die Biscuitherstellerin in Trubschachen hart. Die Kunden im Ausland habe das Problem mit dem starken Franken wenig interessiert, sagt Kambly-CEO Hans Martin Wahlen. Rasch war ihm klar, dass «wir Massnahmen treffen müssen».

Zwar konnte Kambly während des ganzen Jahres mit 100-prozentiger Auslastung produzieren – wenn auch auf Kosten der Margen im Export. Aber an ein nachhaltiges Wachstum im europäischen Markt sei unter diesen Umständen nicht zu denken, sagt Wahlen. Doch wenn die Firma, die in den letzten Jahren in Trubschachen massiv investiert hat, langfristig eine eigenständige Zukunft haben soll, ist sie auf Wachstum angewiesen.

«Es ist ein Geschenk»

Kein Wunder deshalb, dass Hans Martin Wahlen am Mittwoch immer wieder von einem «Geschenk» sprach. Denn der Emmentaler Firma eröffnete sich die Möglichkeit, in den Euroraum zu expandieren: Auf den 1. Januar 2017 übernimmt sie die Conditorei ­Tekrum in Ravensburg, nördlich des Bodensees. «Tekrum Feingebäck und Eisgebäck ist die führende Marke in Deutschland im Premium-Segment», sagt Wahlen.

Das Werk verfüge über moderne Produktionsanlagen und beschäftige je nach Saison zwischen 150 und 200 Mitarbeitende. Am neuen Standort erwirbt sich Kambly nicht nur «fähige Mitarbeiter, zusätzliche Produktionskapazitäten und ergänzende Technologien», sondern vor allem auch einen «erweiterten Marktzugang».

Wahlen ist zuversichtlich, dass Kambly von Ravensburg aus im deutschen und österreichischen Markt wachsen kann. «Wir sind die weltweit führende Premium-Biscuitsmarke und wollen vor allem auch europäisch weiter zulegen», sagt er. Dank den günstigeren Produktionsbedingungen und dem Wegfallen der Währungsnachteile wähnt er die Firma mit der Expansion diesem Ziel einen deutlichen Schritt näher.

Positiv für Trubschachen

Obwohl die Firma künftig auch in Ravensburg Kambly-Güezi herstellen wird, sei der Standort in Trubschachen nicht gefährdet, im Gegenteil: Die Expansion trage erst recht zu dessen Zukunftssicherung bei, betont Wahlen und sagt: «Alle Biscuits für die Schweiz und der hauptsächliche Teil für den Export werden weiterhin im Emmental gebacken, die Stellen in Trubschachen werden erhalten.»

Ohne Wachstumsaussichten im Ausland wäre die langfristige Zukunftsperspektive als hundert Prozent eigenständige Familienunternehmung gefährdet, ist der CEO überzeugt. Denn Wahlen geht davon aus, dass sich der Schweizer Franken künftig nicht abschwächen, sondern die Währungsdifferenz zum Euro im Gegenteil noch zunehmen wird.

Als «Geschenk» bezeichnete der Kambly-CEO auch die Tatsache, dass bei dem Deal «familiäre Unternehmenskulturen» zusammen ins Geschäft kamen. 1897 hat Theodor Krumm die Conditorei Tekrum gegründet. 2007 wurde diese in dritter Generation geführte Firma im Rahmen einer Nachfolgeregelung von Griesson-de Beukelaer übernommen. Sie stellt die Prinzenrollen her. Zu diesem Massenprodukt habe die Konditorenkunst von Tekrum aber schlecht gepasst, erklärt Wahlen, weshalb es überhaupt möglich wurde, dass Kambly den Betrieb übernehmen kann.

Die 4. Generation steht bereit

Nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma Kambly, die sich 420 Vollzeitstellen teilen, sind an einer sicheren Zukunft der Biscuitfabrik in Trubschachen interessiert, sondern insbesondere auch die Familie Kambly. Mit der 30-jährigen Tochter von Ursula und Oscar A. Kambly, Dania Kambly, steht die 4. Generation bereit, das Familienunternehmen in absehbarer Zeit zu übernehmen. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 16.12.2015, 15:57 Uhr)

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