Affoltern

Die Schaukäserei ist gerettet

AffolternDie Sortenorganisation Emmentaler Switzerland wird, wie gehofft, neue Hauptaktionärin der Schaukäserei. Der Betrieb soll zu der Adresse für den Emmentaler werden.

Kurt Schär half mit, die Sortenorganisation ins Boot zu holen.

Kurt Schär half mit, die Sortenorganisation ins Boot zu holen. Bild: Thomas Peter

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Käseverblüffung. Käseinszenierung. Käseenthusiasmus. Ein Hoch auf den Emmentaler, das Emmental, auf Michelle Hunziker, auf Xherdan Shaqiri, auf Matthias Sempach, ein Hoch auf die Löcher in jenem Käse, der nur einen wahren Ursprungsort hat und seit Donnerstag nun auch ­offiziell ein ihm gebührendes Zuhause: die Schaukäserei.

Denn jetzt ist klar: Die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) wird Hauptaktionärin des Schaubetriebs in Affoltern (siehe Kasten). Fast einstimmig haben die Delegierten an der Versammlung vom Donnerstag zugestimmt, in das in den letzten Jahren finanziell angeschlagene Ausflugsziel zu investieren und es in den nächsten Jahren nicht weniger als zu dem einen Schaufenster für ihr geliebtes und verehrtes Produkt, ihren Emmen­taler Käse, zu machen.

Ein Laib vom Herzen

Frank Jantschik, Geschäftsführer der Schaukäserei, sass am Donnerstag natürlich auch in der Festhalle in Sempach. Ihm fiel mehr als nur das Gewicht von einem Laib Käse vom Herzen, als die Delegierten die Hände in die Höhe hielten und dem Antrag zustimmten. «Wir sind sehr froh», sagte er dann später, schon etwas gefasster, «das ist der richtige Weg.» Dabei hätte er sich wirklich keine Sorgen machen müssen. Schliesslich war ja Kurt Schär da.

Jener umtriebige Mann, der nicht nur Gründer der Firma Bike­tech ist und unter anderem im Verwaltungsrat der Herzroute und bei der Emmental Tours AG sitzt, sondern eben auch die letzten Jahre mit Ideen beschäftigt war, wie die Schaukäserei aus ihrem finanziellen Loch zu holen sei.

Ein Mann, ein Auftrag

Schon bevor Kurt Schär vor die Delegierten, bestehend aus je einem Drittel Landwirten, Käseproduzenten und Händlern, trat, stand ihm die Zuversicht ins ­Gesicht geschrieben. «Wie beim Käse brauchen auch Projekte manchmal einen Reifeprozess», sagte er. «Jetzt ist die Zeit reif.» Was er Reifeprozess nennt, ist der langjährige Versuch, der Schaukäserei eine würdige Zukunft zu geben. Sind doch die Produktionsanlagen in Affoltern teils über 30 Jahre alt, und der Besucherbereich lässt schon lange zu wünschen übrig.

Schär führte dann auch jene Projektgruppe, die schon vor Jahren extra dafür ins Leben gerufen worden war, um die Sortenorganisation für die Schaukäserei zu begeistern und sie davon zu überzeugen, dass Affoltern die wahre Heimat des Emmentalers sein könnte.

Finanzielle Engpässe aber und der Frankenschock haben den dringend nötigen Zusammenschluss immer wieder verzögert. Diese Zeiten sind nun vorbei.

Abgebrüht, wie ein Schweizer Tom Selleck, stand Schär dann vor den hundert Käseenthusiasten. Der Sieg war ihm sicher. Nur einer aus der Käserfraktion meldete sich zu Wort, einer, der in der Nähe der Schaukäserei wohne, wie er sagte, und daher wisse, dass der Schaubetrieb wirklich nicht immer das Gelbe vom Ei gewesen sei. Er glaube nicht so recht an eine strahlende Zukunft. Auch frage er sich, ob sich eine Non-Profit-Organisation wie die ES überhaupt dafür eigne, in einen Tourismusbetrieb einzusteigen.

Ein Zuhause für das Original

Schär sagte es, und auch die eifrigen Vertreter der ES-Marketing-Abteilung wurden nicht müde, zu betonen, dass «unser Original», dieses unvergleichlich «hochstehende Qualitätsprodukt», unbedingt ein Zuhause brauche, einen Ort, wo man seine «Ausser­gewöhnlichkeit» zelebrieren und inszenieren könne.

Eine Käseverblüffung sei es, was gerade auch internationale Kunden und Einkäufer hier in der Schweiz, im Emmental, in Affoltern künftig erleben müssten, damit sie den Emmentaler eben nicht in Frankreich kaufen würden, sondern hier bei uns in der Heimat.

Auch Heinz Wälti, der Präsident der Sortenorganisation, war sich nicht zu schade, seine Heimatliebe und Begeisterung für den Emmentaler, für die Region und somit eben auch für die Schaukäserei nochmals kundzutun, und scheute sich dann auch nicht, Willy Brandt zu zitieren: «Es wächst zusammen, was zusammengehört.»

Ein bisschen hochgegriffen, die deutsche Wiedervereinigung mit jener der Schaukäserei und der ES zu vergleichen, aber schliesslich, und das war an der Delegiertenversammlung nicht zu überhören, geht es beim Emmentaler eben um mehr: Es geht um Heimat, um Herzblut und um Identität. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 18:21 Uhr

Finanzierung

Nun ist klar, dass die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) Hauptaktionärin der Schaukäserei (ESK) wird. Das finanziell angeschlagene Ausflugsziel soll mit einer Rekapitalisierung wieder in gesunde Bahnen gelenkt werden. Zuerst wird das Aktienkapital um rund 3 Millionen Franken herabgesetzt, um dann mit frischem Kapital einen Neustart zu wagen. Die ES wird sich mit 1,5 Millionen Franken an der Kapitalerhöhung beteiligen, beste­hend aus einer Million Franken durch die Umwandlung des bestehenden Darlehens und mit rund einer halben Million Franken an frischem Kapital. Somit übernimmt die ES auch die Federführung des Betriebs. Dafür wird eine Gesellschaft gegründet mit einem Aktienkapital von rund 300'000 Franken, wobei die ES rund 60 Prozent der Beteiligung halten wird. Die ESK wird künftig als Trägergesellschaft und als Immobilienvermieterin fungieren. Das ist auch im Sinne der aktuellen Hauptaktionäre. Sowohl Emmi wie auch die Schweizer Milchproduzenten haben immer betont, dass sie eine höhere Beteiligung der Sortenorganisation wichtig fänden. Weitere Schritte werden an der Generalversammlung der ESK im Juni definiert.

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