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«Wir definieren ‹reich› anders»

Von Dominic Ramel. Aktualisiert am 26.04.2011 1 Kommentar

Am Dienstag eröffnet die Bernerland-Bank ihre Filiale in Langenthal. Geleitet wird sie vom Langenthaler Jürg Meyer (49). Er ist zugleich Leiter Region Oberaargau bei der Bernerland-Bank. Meyer erklärt, warum es in Langenthal keinen Bankschalter gibt und welche Ziele die Bank im Oberaargau hat.

Bank ohne Schalter: Es gebe genug Banken mit Schaltern, sagt Jürg Meyer von der Bernerland-Bank, die ab heute an der Marktgasse in Langenthal vertreten ist. «Deshalb setzen wir hier auf das Konzept des Beratungs- und Dienstleistungszentrums mit Bancomat.»

Bank ohne Schalter: Es gebe genug Banken mit Schaltern, sagt Jürg Meyer von der Bernerland-Bank, die ab heute an der Marktgasse in Langenthal vertreten ist. «Deshalb setzen wir hier auf das Konzept des Beratungs- und Dienstleistungszentrums mit Bancomat.»
Bild: Thomas Peter

Herr Meyer, ein Kunde möchte für sein Patenkind ein Konto eröffnen. Kann er das bei Ihnen in Langenthal tun?
Jürg Meyer: Grundsätzlich Ja. Aber...

Und eine Hypothek aufnehmen?
Das sowieso. Da sind wir schon fast bei unserem Kerngeschäft.

Überspitzt formuliert, lässt sich sagen: Ihre Filiale richtet sich nur an reiche Kunden.
Das stimmt sicher nicht. Das Konzept und die Idee unserer Filiale besteht darin, dass wir den Schalterbetrieb, der relativ unpersönlich ist, an den Automaten verlagern. So haben wir mehr Zeit für unsere Haupttätigkeit: die Kundenberatung. Da wollen wir den Kunden mehr bieten als andere Banken. Dies ist das Spezielle am Konzept der Beratungsbank. Wir wollen individueller, aber auch privater sein als unsere Konkurrenz. Hier haben wir unsere Partnerin, die St.Galler Privatbank Wegelin, im Rücken, auf die wir vollumfänglich zurückgreifen können. Das kann keine andere Regionalbank anbieten.

Somit hat das mit den reichen Kunden doch etwas an sich. Denn die Privatbank Wegelin ist spezialisiert auf vermögende Kunden. Und die Bernerland-Bank hat in Langenthal Privat- und Firmenkunden mit Finanzierungs- und Anlagebedürfnissen ab 100'000 Franken im Visier.
Wir definieren «reich» anders als andere Banken. Ein Vermögensverwaltungsmandat, das bei anderen Banken erst ab 500'000 oder 1 Million Franken möglich ist, bieten wir bereits ab 100000 Franken an. Die Vermögen zwischen 100'000 und 500'000 Franken deckt hier in der Region niemand so professionell ab wie wir.

Was ist denn mit denjenigen Kunden, welche weniger als 100'000 Franken auf der hohen Kante haben?
Auch die sind bei uns willkommen. Das gibt zwar nicht unbedingt Wegelin- respektive Vermögensverwaltungskunden. Aber diese Kunden haben andere Bedürfnisse, die wir selbstverständlich auch abdecken. Was wir in Langenthal einfach nicht anbieten, ist der klassische Bankschalter mit Ein- und Auszahlungen.

Und da sind Sie strikt? Einen Bezug von 1000 Franken kann ich bei Ihnen nicht machen?
Doch, aber nur am Bancomaten. Klar: Wenn jemand in einer Notlage ist und zum Beispiel keine Bankkarte dabei hat, helfen wir gerne weiter. Für Ausnahmefälle haben wir Geld hier. Aber grundsätzlich sind wir bezüglich Ein- und Auszahlungen strikt.

Ist der klassische Bankschalter ein Auslaufmodell?
Nein. Das ist kein Präjudiz für künftige Filialen. Ein Bankschalter bedingt eine gewisse Infrastruktur und personelle Ressourcen. Das ist ein grosser Kostenfaktor. Diesen ganzen Apparat wollen wir in Langenthal nicht, weil wir in Herzogenbuchsee und Madiswil zwei klassische Filialen haben, die gut funktionieren. In den regionalen Zentren Langenthal und Burgdorf versuchen wir, einen anderen Weg zu beschreiten. Es gibt genug Banken mit Schaltern. Deshalb setzen wir hier auf das Konzept des Beratungs- und Dienstleistungszentrums mit Bancomat. Auf dem Land würde dieses Konzept nicht funktionieren.

Weshalb kommt die Bernerland-Bank erst jetzt nach Langenthal?
Ich kann nur sagen, warum wir gerade jetzt kommen. Wir wollen näher zu unseren Kunden. Und wir wollen wachsen. Wir brauchen ein gewisses Wachstum. Und dieses können wir nur entlang der Autobahn zwischen Burgdorf und Langenthal generieren.

Warum?
Im Emmental haben wir einen enorm hohen Marktanteil von bis zu 70 Prozent. Da ist für uns kaum mehr etwas zu holen. Da können wir fast nur noch verlieren.

Und wie lauten die Ziele?
Wir müssen die Filiale in Langenthal innert fünf Jahren rentabilisieren. Aktuell haben wir in Langenthal ein Geschäftsvolumen von rund 100 Millionen Franken. Das möchten wir in den nächsten fünf Jahren verdoppeln.

Die Wurzeln der Bernerland-Bank liegen im Emmental. Welche Rolle spielt der Oberaargau?
Die einstige Spar- und Leihkasse Madiswil spielt seit je eine wichtige Rolle innerhalb der Bernerland-Bank. Madiswil ist neben Sumiswald unsere zweitgrösste Filiale. Von daher wurden Langenthal und der Oberaargau früher von Madiswil aus bearbeitet. Später kam die Filiale in Herzogenbuchsee hinzu. Die Bernerland-Bank ist somit nicht einfach nur Emmental.

Wie teilt sich das auf?
60 Prozent unserer Geschäfte tätigen wir im Emmental und 40 Prozent in den Wachstumsgebieten um Burgdorf, Kirchberg, Herzogenbuchsee und Langenthal.

Die Bernerland-Bank gehört zur Clientis-Gruppe. Diese ist mit der Bank Oberaargau bereits in Langenthal vertreten. Geraten Sie sich da nicht ins Gehege?

Das glaube ich nicht. Wir haben, wie gesagt, ein anderes Konzept. Es gibt aber ein anderes Problem.

Welches?
Die zwei Banken werden oft verwechselt. Die Leute in Langenthal nehmen zu wenig war, dass es sich bei der Bernerland-Bank und der Bank Oberaargau um zwei unterschiedliche Banken handelt. Wir hoffen, dass sich dies mit unserer Präsenz vor Ort ändern wird. Wobei wir in Herzogenbuchsee festgestellt haben, dass es auch dort zu Verwechslungen kommt.

Was tun Sie dagegen?
Wir versuchen uns abzugrenzen, indem wir uns anstrengen, besser zu sein als die Mitbewerber. Es muss sich herumsprechen, dass die Bernerland-Bank anders und besser ist als die anderen.

Worin liegen die Unterschiede im Banking zwischen dem Oberaargau und dem Emmental?
Ich denke nicht, dass es im Banking Unterschiede gibt. Aber die Marktverhältnisse und das Umfeld sind anders. Zum Beispiel die Grundstück- und Liegenschaftspreise. Daher ist es wichtig, vor Ort vertreten zu sein. Hinzu kommt, dass der Oberaargauer und der Emmentaler generell etwas anders ticken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.04.2011, 09:12 Uhr

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1 Kommentar

Hans Müller

27.04.2011, 01:01 Uhr
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Also so neu oder revolutionär ist das Konzept ja nicht. Die Migrosbank macht das doch auch so. Und ein Vermögensverwaltungsmandat ab 100000 Franken haben andere auch. Antworten



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