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Windrad: Todesfalle für Fledermäuse

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 10.11.2011 2 Kommentare

Mit der Planung der Windkraftanlage in Eriswil soll es vorwärtsgehen. Ein Vorbericht zeigt jetzt allerdings: Die Anlage könnte den Fledermäusen in die Quere kommen.

Die Zwergfledermaus ist eine hoch fliegende Fledermausart. (Bild: Iris Andermatt)

Lange war es still um die geplante Windkraftanlage auf dem Gruenholz in Eriswil. Jetzt macht der Gemeinderat wieder Dampf: An der Gemeindeversammlung im Dezember entscheiden die Eriswiler über einen Planungskredit von 200'000 Franken. Mit dem Geld sollen Gutachten, Konzepte und Berichte finanziert werden. So braucht es zum Beispiel eine Analyse des Schattenwurfs und der Schallemissionen. Untersucht werden muss aber auch der Einfluss der Windkraftanlage auf diverse Tierarten.

Und genau hier könnte es zu Problemen mit dem Windrad kommen, das rund 100 Meter hoch werden soll. Ein erster Vorbericht zeigt nämlich, dass sich im Gebiet Gruenholz nicht weniger als acht verschiedene Fledermausarten befinden. Für die Fledertiere kann das Windrad zur tödlichen Falle werden. Im Vorbericht der bernischen Informationsstelle für Fledermausschutz (BIF) heisst es: Die Tiere orientierten sich über das Echo ihrer Ultraschalllaute. Und man müsse davon ausgehen, dass die Fledermäuse die Rotoren von Windkraftanlagen, die mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde drehen, nicht erkennen können. Komme es deswegen zu Kollisionen, verliefen diese für die Fledermäuse «durchwegs tödlich».

Trotzdem spricht aus Sicht der BIF nichts gegen die Planung einer Windkraftanlage. Grund: Eine der häufigsten Fledermausarten bei Eriswil ist das stark gefährdete Grosse Mausohr. Die Mausohren jagen aber primär in Bodennähe, sodass sie durch die Windkraftanlage «eher wenig beeinträchtigt werden».

Anders ist das bei hoch fliegenden Arten, die in Eriswil vorkommen: Für den kleinen Abendsegler, die Zweifarbfledermaus und die Zwergfledermaus könne die Anlage problematisch werden, schreiben die Experten. Allerdings ist unklar, wie gross die Population dieser drei Arten rund um das Gruenholz tatsächlich ist. «Die Datengrundlage ist dürftig», heisst es im Bericht. Weitere Untersuchungen seien nötig. Denn es sei nicht ausgeschlossen, dass weitere hoch fliegenden Fledermausarten in der Gegend heimisch seien. Das vorläufige Fazit der BIF lautet: Rund um Eriswil gibt es zwar «besondere Fledermausaktivitäten». Das Projekt einer Windkraftanlage könne aber weiterverfolgt werden.

Die offene Frage der Fledermäuse ist nicht die einzige Hürde. Ungelöst ist nach wie vor, ob sich der Rapier-Schiessplatz der Armee, der auf dem Gruenholz steht, und die Windkraftanlage vertragen. Das Militär hatte nötige Tests immer wieder auf die lange Bank geschoben (wir berichteten). Doch jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden, wie Johann Ulrich Zehnder, Vorsitzender der Eriswiler Arbeitsgruppe Windenergie bestätigt. Das Militär teile noch diesen Monat mit, wie das weitere Vorgehen aussehe. Erste Tests zur Verträglichkeit der beiden Anlagen stünden dann an.

Das Gruenholz gilt im kantonalen Teilrichtplan als möglicher Standort für ein Windrad. Andere Standorte gibt es im Oberaargau nicht.

Informationsanlass Windenergie: Mi, 30.Nov., 20 Uhr, Mehrzweckraum. Gemeindeversammlung: Mi, 7.Dez., 20 Uhr, Gemeindesaal. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.11.2011, 10:15 Uhr

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2 Kommentare

Roland Zimmermann

10.11.2011, 10:42 Uhr
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liegen denn bei anderen windrädern (z.b. im ausland) massenweise tote fledermäuse rum?
es ist gut, wenn genau abgeklärt wird, welche auswirkungen so ein windrad hat. auf der ganzen welt gibt es aber schon viele tausend solcher anlagen. da kann sicher genau verglichen werden. wichtig ist die frage, welchen nutzen hat die anlage und welche beeinträchtigung nehmen wir dafür in kauf.
Antworten


Christine Geiser

11.11.2011, 09:13 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Geht anch Weiden am See (Oesterreich). Dort wurde dies alles schon getestet und mit den Tierschutzverbänden diskutiert. Die Arbeit sollte nicht zweimal gemacht werden müssen. Im Burgenland von Oesterreich sind zahlreiche Windkraftanlagen in Betrieb und sind sehr nahe am Naturschutzgebiet. Erfahrungsaustausch wäre also Zeit- und Kostensparend. Antworten



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