Wenn Tausende nach Bern pendeln
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 15.02.2012
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Die heimelige Hügellandschaft des Emmentals lockt immer mehr Neuzuzüger an. Diese wohnen dann zwar in der Region, ihre Freizeitaktivitäten und die Arbeit führen sie jedoch immer häufiger in die Stadt oder Agglomeration Bern. Zugegeben: Dieser Umstand ist weder neu noch besonders überraschend. In der Summe sind die Pendlerzahlen aber doch sehr beeindruckend: Eine Zusammenstellung der BLS auf Anfrage dieser Zeitung hat ergeben, dass von Montag bis Freitag allein auf dem BLS-Netz täglich rund 6000 Menschen vom Einzugsgebiet Emmental in den Grossraum Bern fahren (siehe Grafik). Tendenz steigend. «Seit 2005 hatten wir im Emmental eine Zuwachsrate von 15 bis 20 Prozent», sagt Andreas Scherrer, Leiter Angebotsentwicklung bei der BLS. Für den Korridor Burgdorf–Bern habe die Anzahl Fahrten von 2005 bis 2010 gar um 40 Prozent zugenommen. Scherrer erklärt: «Gestützt auf unsere Pendlerdaten, scheint die Tendenz noch stärker in die Richtung zu gehen, dass die Menschen nicht mehr am gleichen Ort wohnen und arbeiten.»
Nur BLS-Züge gezählt
In Wirklichkeit dürften es weit mehr als 6000 Pendler sein, die täglich vom Emmental nach Bern reisen. Denn in der BLS-Statistik sind nur die BLS-Züge erfasst sowie die regionalen Buslinien, die den Bahnhof Burgdorf ansteuern. Jene Pendler, die von Burgdorf oder Langnau aus den SBB-Schnellzug nach Bern nehmen, fehlen in der Statistik. Auch die Zahl der Autofahrer ist schwierig zu erheben. Die aktuellsten Zahlen des Kantons stammen aus dem Jahr 2007. Damals fuhren vom Emmental täglich 6400 Auto- und Motorradfahrer nach Bern zur Arbeit. Deshalb dürften es – Auto und ÖV zusammengenommen – täglich rund 14'000 Pendler sein, die das Emmental Richtung Hauptstadt verlassen.
Burgdorf als Regionalzentrum
Hartnäckig hält sich das Gerücht, das Emmental und vor allem der Raum Burgdorf seien kränkelnde Wirtschaftsstandorte. Die Zahlen belegen aber das Gegenteil: Allein auf dem BLS-Netz pendeln täglich 2000 Menschen aus der weiteren Region nach Burgdorf. Autopendler und SBB-Kunden sind nicht eingerechnet.
Ein deutlicheres Bild zeichnen die Zahlen aus der Volkszählung 2000: Damals strömten täglich deutlich mehr Arbeitstätige nach Burgdorf als von Burgdorf weg. In Zahlen: Laut dem Bundesamt für Statistik pendelten vor zwölf Jahren täglich 6700 Berufstätige nach Burgdorf. Umgekehrt waren es damals nur 3600 Pendler, die von Burgdorf nach Bern zur Arbeit fuhren. Die Volkszählung berücksichtigte sowohl den Privatverkehr wie auch den öffentlichen Verkehr. Weil es die Volkszählung nicht mehr gibt, fehlen heute vergleichbare Zahlen. Die Aussage, dass mehr Menschen nach Burgdorf kämen, um zu arbeiten, als von Burgdorf wegpendelten, treffe auch heute noch zu, ist Andreas Scherrer von der BLS überzeugt. «Aus unseren Frequenzerhebungen sehen wir, dass die Bedeutung der Stadt Burgdorf als Regionalzentrum erhalten geblieben ist.» Eine Einschränkung gilt es aber zu machen: Falls Burgdorf die Fachhochschule an Biel verliert, gingen 320 Arbeitsplätze verloren. (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.02.2012, 11:15 Uhr
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