Wegen Kälte: Grosser Wasserschaden im Kornhausquartier
Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 07.02.2012
Ausfall der Kühlanlagen im Coop
Auch im Coop-Laden an der Bahnhofstrasse in Burgdorf kam es am Dienstag aufgrund der Kälte zu einem Zwischenfall: Um acht Uhr morgens fielen die vier Kühlanlagen in der Metzgerei und der Molkerei für rund vier Stunden aus. Dies, weil der Kondensator auf dem Dach nicht mehr funktionierte, wie die stellvertretende Filialleiterin Ursula Moser auf Anfrage sagte. Das Personal musste die Kühlregale ausräumen und abdecken. Bis Mittag lief aber alles wieder.
«Zum Glück konnte der Defekt früh genug behoben werden. So mussten wird nur einen Teil der Produkte entsorgen», so Moser. Vor allem Frischkäse und Frischfleisch konnten nicht mehr verkauft werden.
Die Passanten äugen neugierig über die Absperrung in den tiefen Graben, der sich derzeit an der Mühlegasse im Burgdorfer Kornhausquartier auftut. Rundherum liegt noch etwas Sand am Boden, ansonsten deutet nicht mehr viel auf die Überschwemmung hin, die der Rohrleitungsbruch vom Wochenende verursacht hat. Aus einem blauen Schlauch plätschert Trinkwasser vom Hydranten in das Brunnenbecken gleich daneben. Der Schlauch diente am Sonntag als provisorische Trinkwasserversorgung für die betroffenen Liegenschaften, doch jetzt, am Montagmorgen, haben alle bereits wieder fliessendes Wasser ab Hahn.
Im Atelier des Instrumentenbauers Hans-Ulrich Bernhard sind der Inhaber selber und ein Mitarbeiter am Putzen. Auch bei ihm sei am Sonntag wegen des Leitungsbruchs Wasser eingedrungen, sagt Bernhard. Zum Glück nur etwa einen Zentimeter hoch, sodass die Instrumente auf ihren Ständern keinen Schaden genommen hätten.
Der Chef persönlich
Die Bauleute und Monteure haben das Leck des Leitungsrohrs im Lauf des Sonntags ausfindig gemacht und repariert, doch wann das betreffende Strassenstück definitiv instand gestellt wird, ist noch in der Schwebe. «Vielleicht ersetzen wir auf der Länge, die jetzt offen ist, gleich die ganze Leitung», sagt Urs Gnehm, Direktor der Localnet AG, die für die städtische Wasserversorgung zuständig ist. Über die Schadenssumme könne er noch keine Angaben machen. Falls die Leitung jedoch tatsächlich erneuert werde, könnten die Kosten schnell in den Bereich von 100'000 Franken klettern.
Zufällig war es der Localnet-Direktor persönlich, der am Wochenende Pikett hatte. «Am Samstagabend um 20.15 Uhr wurde der automatische Alarm ausgelöst, der anzeigt, dass irgendwo ungewöhnliche Wassermengen abgehen», berichtet er. Kurz darauf benachrichtigte Gnehm einen Monteur, und dann kamen auch schon Telefonanrufe aus dem Quartier und anderen Teilen der Stadt: «Wir bekommen kein Wasser mehr.» Infolge des Rohrbruchs habe sich, erklärt Gnehm, ein ganzes Reservoir entleert, sodass die halbe Stadt auf dem Trockenen gesessen habe. Allerdings nur für zwei Stunden, dann sei das Nass wieder geflossen.
Ausgenommen an der Mühlegasse selber. Um die Durststrecke zu überwinden, errichtete die Localnet ein Provisorium; die Leute konnten sich während des ganzen Sonntags wie in alten Zeiten am Brunnen bedienen. «Für einen Tag ist das ja noch einigermassen erträglich», findet Urs Gnehm. «Solche Vorfälle zeigen einmal mehr, welchen Komfort wir mit fliessendem Wasser im Haus gewohnt sind.»
Eine Hauptschlagader
Der Leitungsbruch geschah am Gassenende gegen das Gertsch-Museum hin, dort also, wo sich der Häuserzug verengt. Die Wasserleitung, die dort unter dem Boden hindurchführt, hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern und ist eine Hauptschlagader der Burgdorfer Wasserversorgung. Die achtzigjährigen, aus Grauguss gefertigten Rohre sind spröde und zum Teil nicht mehr optimal belastbar. So kam es, dass der hart und bis in tiefere Schichten gefrorene Boden Druck ausübte und ein Leck zu sprengen vermochte.
Zur Lokalisierung und Behebung des Schadens waren fünf Mann von der Localnet und drei Leute von der Faes Bau AG am Werk. Auch die Feuerwehr packte an; sie musste mehrere Keller auspumpen. 30 seiner Leute seien im Einsatz gewesen, sagt Kommandant Martin Rutschi.
Vor ziemlich genau drei Jahren war es in der Mühlegasse auch schon zu einem Rohrleitungsbruch gekommen. Damals musste praktisch die ganze Gasse aufgebaggert werden; jener Teil der Leitung, der damals nicht betroffen war, ist diesmal in Brüche gegangen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 07.02.2012, 09:09 Uhr
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