Warum es bei Coop dunkel wird
Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 01.02.2012 5 Kommentare
Vielleicht geht Coop tatsächlich «einen Konkurrenznachteil» ein, wie Sprecherin Denise Stadler es vermutet. Vielleicht kehrt sich der vermeintliche Nachteil aber auch flugs ins Gegenteil – denn eigentlich fällt der Grossverteiler mitsamt seinen Mietern so doch nur noch mehr auf. Zumindest bei all jenen, die mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut sind: Seit letztem Mai wird es rund um das Lyssach-Center am Abend bereits eine halbe Stunde nach Ladenschluss dunkel, und auch am Morgen gehen die Lichter erst eine halbe Stunde vor Ladenöffnung wieder an.
So kommt es, dass an der Shoppingmeile in Lyssach-Alchenflüh zwar auch heute noch spätabends und frühmorgens verschiedenste Leuchtreklamen in grellem Gelb, sattem Grün oder dezentem Rot um Aufmerksamkeit buhlen. Und doch blicken die Passanten, die hier auf der Autobahn und im Intercity jahraus, jahrein in Scharen vorbeiziehen, plötzlich überrascht auf. Weil sich, eben, mitten in diesem glitzernden Lichtermeer, mitten in dieser bunten Gebäudezeile von «Pfister Möbel» im Norden bis «Blickle Räder und Rollen» im Süden ein dunkler Fleck auftut.
Nicht nur wegen des fehlenden Lichts in den Reklamen und an den Fassaden übrigens. Coop verzichtet gleichzeitig auch darauf, den grossen Parkplatz vor dem Lyssach Center in Scheinwerferlicht zu tauchen.
Dieser Verzicht, fährt Sprecherin Stadler fort, habe mit dem Bemühen für mehr Nachhaltigkeit im Alltag zu tun. Coop habe sich zum Ziel gesetzt, bis in elf Jahren in sämtlichen direkt beeinflussbaren Bereichen CO2-neutral zu werden. Früher seien schweizweit alle 28 Einkaufszentren abends ab Dämmerung bis um 23 Uhr und morgens ab 6 Uhr bis Tagesanbruch beleuchtet gewesen. Mit der neuen Regelung lasse sich massiv Energie und damit in letzter Konsequenz auch CO2 sparen – Stadler redet von einem jährlichen Einsparpotenzial von 600000 Kilowattstunden Strom an allen 28 Standorten.
Peter Baumgartner als Leiter vor Ort denkt derweil ganz pragmatisch. «Es macht doch keinen Sinn, das Licht die ganze Nacht über brennen zu lassen», erklärt der Chef im Lyssach Center. «Um Mitternacht werden wir kaum jemanden für uns und unser Angebot interessieren können.» Die Lenker im Auto oder die Passagiere im Zug seien um die Zeit in der Regel mit ihren Gedanken ganz woanders.
Vor diesem Hintergrund hat Baumgartner die Fühler bereits hin zu den Partnern an der Shoppingmeile ausgestreckt: «Wir diskutieren darüber, die Beleuchtungszeiten auf der ganzen Länge zu verkürzen.»Stephan Künzi> (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.02.2012, 08:10 Uhr
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