Wähler wollen Quaile nicht mehr

Der neue Gemeindepräsident von Thunstetten heisst Fred Röthlisberger (SVP). Der amtierende Markus Quaile (FDP) verlor gestern die Kampfwahl. Nun wird Kritik laut gegenüber Statthalter Martin Lerch.

Handschlag vor dem Gemeindehaus: Markus Quaile (links) gratuliert  Fred Röthlisberger zum Wahlsieg.

Handschlag vor dem Gemeindehaus: Markus Quaile (links) gratuliert Fred Röthlisberger zum Wahlsieg.
Bild: Andreas Marbot

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Angriffe mit Wirkung

Im Frühherbst wurde bekannt, dass bei Regierungsstatthalter Martin Lerch (SVP) eine aufsichtsrechtliche Beschwerde gegen den Thunstetter Finanzverwalter eingereicht worden war. Darin waren harte Vorwürfe gegen dessen Arbeit als Sekretär der Vormundschaftskommission Thunstetten erhoben worden.

Es ging unter anderem um die Platzierung von Pflegekindern in der Tagesstätte Oberlimatte, welche durch die Frau des Finanzverwalters geführt wird. Gemeindepräsident Markus Quaile stellte sich gegenüber den Medien vor den Angeschuldigten und trat den Vorwürfen entgegen. Kurz darauf wurde eine Anzeige wegen Ehrverletzung und Verletzung der Persönlichkeitsrechte eingereicht – «aus dem Umfeld der Gemeinde», wie Quaile damals sagte. Die Resultate der Untersuchung zur Beschwerde sind bisher noch nicht veröffentlicht worden.
Die Angriffe zeigten offensichtlich Wirkung. Denn bei den Gemeindewahlen von Ende September schaffte Markus Quaile zwar die Wiederwahl in den Gemeinderat, aber mit der tiefsten Stimmenzahl aller Gewählten. Und jetzt muss Quaile auch das Präsidium abgeben.

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«Ich gratuliere dir.» Markus Quaile, Gemeindepräsident von Thunstetten-Bützberg, sagte es emotionslos und mit leichtem Lächeln zu seinem Herausforderer Fred Röthlisberger. Beim Pressetermin trafen sich die beiden gestern kurz nach 14 Uhr vor der Gemeindeverwaltung. Seit einer Stunde stand fest: Quaile muss sein Amt Ende Jahr abgeben. Bei der Kampfwahl ums Gemeindepräsidium hatte Fred Röthlisberger (SVP) 486 Stimmen gemacht, Quaile nur 412. Das schlechte Ergebnis Quails bei der Gemeinderatswahl Ende September hatte sich also fortgesetzt.

Auffallend am gestrigen Resultat: Die Stimmbeteiligung betrug 57,14 Prozent, für Thunstetten ein selten hoher Wert. Und: Von den 1004 eingegangenen Wahlzetteln waren 76 Zettel leer und 30 ungültig.

Vorwürfe nicht geklärt

Über seine Wahl sei er «hoch erfreut», sagte der jetzige Vizepräsident Fred Röthlisberger gegenüber der BZ. Als Grund für seine Wahl führt er «die breitere Verankerung der SVP in der Bevölkerung» an. Und die Querelen in Sachen Vormundschaftskommission (siehe Kasten), welche das Dorf bewegten? Röthlisberger: «Ich glaube nicht, dass dies ausschlaggebend war.»

Anders sieht es der unterlegene Markus Quaile: «Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist gross. Das zeigen die vielen ungültigen und leeren Stimmzettel.» Er selbst sei zwar nicht direkt in die Sache mit der Vormundschaftskommission involviert gewesen, «aber ich habe mich als Chef vor die Angeschuldigten gestellt». Die Fakten zu den erhobenen Vorwürfen lägen aber nicht auf dem Tisch, bedauert Quaile. «Doch ich werde mich dafür einsetzen, dass die Wahrheit ans Licht kommt.»

Kritik an Statthalter

Noch deutlicher wird FDP-Präsident Beat Trösch. Er kritisiert, dass Regierungsstatthalter Martin Lerch (SVP) den Entscheid zur hängigen Beschwerde nicht vor den Wahlen veröffentlichte. «Es ist unfair und für mich nicht nachvollziehbar, dass er den Termin von Ende November auf den Dezember verschoben hat», so Trösch. «Ob hier der SVP-Filz gespielt hat, kann ich nicht belegen, nur vermuten.»

Die Situation im neu gewählten Thunstetter Gemeinderat dürfte jedenfalls nicht völlig entspannt sein. Der neue Gemeindepräsident Fred Röthlisberger hat zwar «keine Bedenken» für die Arbeit im Rat. «Ich hatte bisher immer ein gutes Verhältnis zu Markus Quaile. Und im Wahlkampf hat er sich absolut fair verhalten.»

Baldiger Rücktritt?

Doch Markus Quaile ist zurückhaltender: «Die künftige Zusammenarbeit kann ich jetzt nicht beurteilen.» Die Ressortverteilung werde jedenfalls «eine heikle Aufgabe» sein. Er verbleibe nun im Gemeinderat, so Quaile, «doch ob ich vier Jahre bleibe, werde ich mir überlegen».

Gemeindepräsident. Gewählt: Alfred Röthlisberger (SVP), 486 Stimmen; nicht gewählt: Markus Quaile (FDP, bisher), 412. Stimmbeteiligung 57,14 Prozent. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.11.2009, 09:22 Uhr

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