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Vom und nicht zum Schreddern

Von Robert Grogg. Aktualisiert am 23.02.2012

Das Jassen (fürs Fernsehen) und das Schreddern von Abstimmungszetteln (für sämtliche Medien) standen bei der gestrigen Übergabe der Fasnachtszeitung «Päng» im Zentrum.

Volltreffer: Gemeinderat Rolf Baer versenkt seinen selber gefalteten Papierflieger Modell  Gripen souverän im Schredder und bekommt dafür eines der  noch druckfrischen  «Päng»-Exemplare überreicht.

Volltreffer: Gemeinderat Rolf Baer versenkt seinen selber gefalteten Papierflieger Modell Gripen souverän im Schredder und bekommt dafür eines der noch druckfrischen «Päng»-Exemplare überreicht.
Bild: Robert Grogg

Buchsi

«Gaggalari»: Bunt kommt das Narrenblatt für Buchsi und Umgebung daher. Auf dem Titelblatt zeigt man sich bereits im Schwingfestfieber. Innen liest man ganz ungeschminkt, wie der Gemeinderat wirklich tickt. Zumindest der Schwingfest-Muni frisst Dorfmutter Charlotte Ruf bereits aus der Hand. Seitenhiebe an die ännet dem Wald dürfen natürlich nicht fehlen. So war es doch ausgerechnet eine Buchser Gewerblerin, die den Langenthalern vom Glatte Märit ein neues Maskottchen untergejubelt hat. Zudem hofft man auf einen Aufstieg der Tschütteler, damit man sich wieder direkt mit Langenthal messen kann. Unerwartete Ansichten gibts auch zur neuen Ortsplanung.rgw

Wangen

«Dr Nachtwächter»: Der Narrenpostille entgeht auch heuer nichts. Weder die Schwächen der kleinen Leute noch die der grossen Tiere. Da ist der städtlibekannte Tela-Feuerwehrkommandant, der es fertigbrachte, sein Auto zum Laufen zu bringen, sich dabei aber aussperrte, sodass der TCS ihm aus der Patsche helfen musste. Nicht besser ergeht es der Jagdgruppe vom Mischteli Hadi, die sich an einer Bernerplatte die Zähne ausbiss. Oder die «Reist Brige», die im Pyjama ihrem Michu bis zur Käserei nachgerannt ist. Aber auch der bekannteste Alt-Bundesrat bekommt sein Fett weg: «Hei dr e aute Blocher im Hus», dichten die Narrenzünftler, «so wächslet dä doch bitte us!»sae

Huttwil

«Huttuschturm»: Zwar fasnachten die Huttwiler traditionsgemäss eine Woche nach dem restlichen Oberaargau, die Fasnachtszeitung ist aber auch dort bereits auf dem Markt. Auf acht Seiten sind im «Huttuschturm» zwar keine fasnächtlichen Reime zu finden, dafür allerhand Merk- und Fragwürdigkeiten aus dem Aus- und Inland zu lesen. Und natürlich dürfen auch die grössten Fehlschüsse 2011 aus dem Blumenstädtchen selbst nicht fehlen: Die 3 Meter zu kurz geratene 100-m-Laufbahn etwa, verwirrende Verkehrssignale oder die etwas gar pflichtbewussten Polizisten, die beim Verteilen von Parkbussen vor der Kirche selbst bei Trauergästen kein Auge zudrücken.khl

Aarwangen etc.

«Dr Aaresprutz»: Das Intelligenzblatt für Muckwil, Murrenthal, Weineau und Munihogerige befasst sich mit dem Rücktritt von David Herzig: «Gmeinpräsi wärde, das isch nid schwer, Gmeindspräsi si dergäge sehr.» Die Frisur seines Nachfolgers wird sogar bereits mit jener von Ex-Bundesrätin Calmy-Rey verglichen. Der «Aaresprutz» liefert zudem einen Vergleich der Schalterzeiten und Pausen aller Gemeindeverwaltungen. Selbstverständlich darf die Rutschbahn in der Muckwiler Badi nicht fehlen, auch wenn sie der SVP zu viele Linkskurven hatte. Bei den Munihogerige sei es mit der Magersucht vorbei: «Mir gloube, die vo Aarwange frässe viel wie d Söi – jetz hei si no dr Migros Voi.»rgw

Der Langenthaler Gemeinderat kam in corpore, und alle trugen eine Trauerschleife am Arm. «Es ist das letzte Mal mit Paula und Laura», erklärte Reto Kurt vom Redaktionsteam des «Päng». Gemeint waren Paula Schaub und Laura Baumgartner, die wegen der Amtszeitbeschränkung nächstes Jahr für keine Spässe des «Päng» mehr den Kopf hinhalten müssen. Die Schleife sei übrigens ganz bewusst in einem völlig neutralen, fröhlichen Rot gehalten.

Da Langenthal bekanntlich eine Spielerstadt werden wolle und das Jassen in der Oberaargauer Metropole kurz vor dem entsprechenden Fernsehduell zur Chefsache erklärt worden sei, müssten sich die anwesenden Gemeinderäte ihr «Päng»-Exemplar entsprechend verdienen. Die Aufgabe bestand darin, aus einem Stimmzettel mit Jasskarte auf der Rückseite einen Papierflieger zu basteln und diesen gezielt im Schredder landen zu lassen.

Stadtpräsident Thomas Rufener wagte es, die Arbeit der «Päng»-Redaktion in Unkenntnis des Inhalts zu verdanken. Das Thema des frühzeitigen Schredderns nahm er gleich selber auf und erklärte, wenn sich die entsprechende Arbeitsgruppe im Glaspalast beeile, dann werde es mit der Produktion der diesjährigen Konfetti klappen.

Alkis on Tour

Schüler verkaufen die Fasnachtszeitung seit gestern Mittag. Kostenpunkt: 6 Franken. Dafür gibts 16 Seiten voller mehr oder weniger witziger Antworten auf nie gestellte Fragen. Dass sich die im Internet und am Bistro eingerichtete Rätschbox bereits gelohnt hat, lässt sich nicht so eindeutig beantworten. So fanden zwar ein paar zusätzliche Themen den Weg in die lupenreinen Klatschspalten. Dass sie teilweise unbearbeitet übernommen wurden, zeugt aber nicht gerade von grossem handwerklichem Tatendrang der Macher. Viele Geschichten sind ganz einfach zu lang. Auf Seite 13 bringt es die Redaktion gleich selber auf den Punkt. Zitat: «Gopferdammi, zu der Geschichte fällt uns einfach keine geeignete Pointe ein.» Den Satz hätte sie noch unter eine ganze Reihe weiterer Artikel setzen können. Schade.

Schön dagegen, dass man wie immer über jeden Ausrutscher, Blechschaden oder Tippfehler aller Langenthaler lückenlos informiert wird. Gar nicht ohne sind die träfen Kritiken der «Päng»-Restaurant-Tester. Und dass es Paul Bader gelang, seine Skischuhe falsch herum anzuziehen, verdient doch tatsächlich eine Erwähnung. Wer sonst schafft das schon? Man hat den direkten jährlichen Vergleich, wie es den armen Hunden von Rieders und Ex-Rieders geht. Eine Promi-Umfrage, die sich über sämtliche 16 Seiten hinzieht, zeigt zudem, dass ein Stadtjubiläum stattgefunden haben muss. Und im Artikel «Alkis on Tour» lässt sich lesen, wann und wo sich die Szene 2012 breitmachen oder den neuen Wuhrplatz beleben wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.02.2012, 09:58 Uhr

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