Wynau

Unbekannte stehlen Kirchenglocken

WynauIn der Nacht auf Sonntag haben Unbekannte in Wynau die beiden alten Glocken vor der Kirche gestohlen. Ein Nachbar verständigte sofort die Polizei – doch von den Tätern fehlt bislang jede Spur.

Nur die Abdrücke weisen noch auf die alten Kirchenglocken hin. Jahrzehnte standen sie auf dem Sockel vor der Wynauer Kirche. Jetzt hat eine unbekannte Täterschaft die Glocken gestohlen. Pfarrer Franz Winzeler (links) und Kirchenpräsident Helmut Barner sind fassungslos.

Nur die Abdrücke weisen noch auf die alten Kirchenglocken hin. Jahrzehnte standen sie auf dem Sockel vor der Wynauer Kirche. Jetzt hat eine unbekannte Täterschaft die Glocken gestohlen. Pfarrer Franz Winzeler (links) und Kirchenpräsident Helmut Barner sind fassungslos. Bild: Thomas Peter

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Lediglich Reifenspuren im Gras und einen leeren Sockel haben Diebe in der Nacht von Samstag auf Sonntag vor der Kirche in Wynau zurückgelassen. Die beiden alten Kirchenglocken, die vor der Kirche auf einem Sockel standen, haben sie abtransportiert. «Es müssen mindestens drei Personen gewesen sein», sagte Fredy Schneeberger gestern. Der Wynauer wohnt direkt neben der Kirche und hat mit eigenen Augen gesehen, wie Männer die Glocken auf einen Lieferwagen aufgeladen haben. Daraufhin hat er sofort die Polizei alarmiert.

Flucht Richtung Aarwangen

Nicolas Kessler, Mediensprecher bei der Kantonspolizei Bern, bestätigte gestern: «Die Meldung ist bei uns in der Nacht auf Sonntag um 2.10 Uhr eingegangen. Der Anrufer hat mitgeteilt, dass soeben zwei Glocken gestohlen worden und die Täter in Richtung Aarwangen geflüchtet seien.» Um 3 Uhr wurde die Pfarrerfamilie Winzeler von den Beamten aus dem Bett geklingelt und über den Diebstahl informiert. Von der Täterschaft fehlte um diese Zeit bereits jede Spur. Die Beamten der Polizei Langenthal seien im Einsatz gewesen, deshalb habe es so lange gedauert, habe man ihnen mitgeteilt, sagte gestern Franz Winzeler.

«Für mich ist es schwer zu verstehen, dass bei einigen Leuten sogar der Respekt gegenüber Glocken nicht mehr vorhanden ist», sagte der Pfarrer. «Alles dreht sich heute nur noch ums Geld.» Für Winzeler steht fest, dass hier Material- und nicht Kunstdiebe am Werk waren. Auch Kirchgemeinderatspräsident Helmut Barner ist sprachlos ob so viel Dreistigkeit.

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Wynau hat sich erst kürzlich dazu entschlossen, bei der Aktion «Offene Kirche» mitzumachen. Damit wolle man die Menschen animieren, die Kirche zu besichtigen und zu besuchen. «Nach so einem Vorfall fragt man sich aber schon, wie gefährdet die Einrichtungen in der Kirche sind», so Barner. Diese zu schliessen, sei aber weder für ihn noch für den Pfarrer eine Option. «Wir werden den Vorfall jedoch sicher im Rat besprechen», so Barner.

Wut und Empörung

Wütend über den Vorgang zeigten sich gestern Sigristin Herta Bigler, die die Medien informiert hatte, und Marie-Anne Reber, im Kirchgemeinderat zuständig für die Kultur in der Kirche. «Das ist eine Katastrophe und eine Frechheit», sagte Reber, die sich keine Hoffnung macht, dass die Täter gefasst und die Glocken wieder aufgefunden werden. «Da müsste schon ein Wunder geschehen.»

Nichts mitbekommen vom Diebstahl hat Ruth Ingold, die Vermieterin von Fredy Schneebergers Wohnung, im selben Haus wohnhaft. «Unser Schlafzimmer liegt auf der anderen Seite», erklärte sie, «es muss alles ganz schnell gegangen sein.» Ungläubiges Staunen sei auch im Dorf wahrzunehmen, sagten Winzeler wie Barner, die inzwischen beide bereits mehrmals auf den Diebstahl angesprochen worden sind.

Seit 1938 ausser Betrieb

Die beiden gestohlenen Glocken sind seit 1938 ausser Betrieb. Seit den 1970er Jahren waren sie nun strassenseits vor der Kirche auf einen Sockel montiert. Die kleinere Glocke entstand um 1450 und trägt die Inschrift «O rex glorie XPC veni cum pace amen» (O König der Herrlichkeit Christus, komm mit Frieden, amen). Die grössere wurde 1554 gegossen und zeigt neben der Inschrift in spätgotischen Minuskeln «O her allmächtiger got hilf den sündern us angst und grosse not» die Giesssignaturen hz, wohl für Hans Zehender, wie in der Broschüre «Kirche und Pfarrhaus in Wynau» von Jürg Schweizer und Christian Rümelin nachzulesen ist.

«Die Glocken standen schon so lange hier, und nie ist etwas passiert», so Pfarrer Franz Winzeler. Auf so etwas sei man nicht gefasst gewesen. «Ich bin aber froh, dass wenigstens keine Personen zu Schaden gekommen sind», sagte der Pfarrer.

Keine Häufung

Metalldiebstähle auf Baustellen sind keine Seltenheit. Besonders Alu, Kupfer und Zinn sind wegen des hohen Preises sehr geschätzt. «Zurzeit ist im Gebiet Oberaargau und Emmental jedoch keine Zunahme solcher Diebstähle festzustellen», sagte Nicolas Kessler von der Kantonspolizei gestern. Metalldiebstähle kämen zwar immer wieder vor, «bewegen sich aber im normalen Bereich.» Ein weiterer Glockendiebstahl ist der Kantonspolizei gegenwärtig nicht bekannt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.10.2012, 08:03 Uhr

Die alten Glocken: Die kleinere (vorne)entstand um 1450, die grössere wurde im Jahr 1554 gegossen. (Bild: zvg)

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