Umstrittene Bar ist wieder offen

Von Johannes Hofstetter. Aktualisiert am 28.07.2010

Aus Sicherheitsgründen hat der Statthalter die umstrittene Royal Aces Tattoo Bar in der Burgdorfer Oberstadt geschlossen. Nach einer Einsprache der Betreiberin ist das Lokal wieder geöffnet. Nun liegt der Ball beim Kanton.

Dorn im linken Auge: Antifaschisten demolierten die Fenster der Royal Aces Tattoo Bar.

Dorn im linken Auge: Antifaschisten demolierten die Fenster der Royal Aces Tattoo Bar.
Bild: Andreas Marbot

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«Ein heikler Spagat»: Markus Grossenbacher. (Bild: Hans Wüthrich)

Geöffnet – geschlossen – geöffnet: Von einem geregelten Betrieb kann in der Royal Aces Tattoo Bar in Burgdorf keine Rede sein.

Am 14. Juli machte der Emmentaler Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher das seit dem 11. Mai bestehende Lokal in der Oberstadt dicht. Die Antifa Bern hatte gegen den vermeintlichen «Neonazitreffpunkt» von Anfang an mit Mails an Behörden- und Medienvertreter Stimmung gemacht. Den Liegenschaftsbesitzer prangerten die anonym operierenden Linken in einem Flyer mit vollem Namen und Handynummer an.

Demoliert und verschmiert

Mitglieder des antifaschistischen Lagers bekannten sich dazu, das Gebäude an der Rütschelengasse 29 am 22. Juni mit Farbe verschmiert und Fenster demoliert zu haben. Auf Facebook wurde zum Boykott der Beiz aufgerufen. In einschlägigen Internetforen gingen die Wogen zwischen links und rechts hoch.

«Erhebliche Gefahr»

Vor diesem Hintergrund stelle die Royal Aces Tattoo Bar «eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Ordnung, Ruhe und Sicherheit» dar, befand Markus Grossenbacher. Und setzte dem Treiben vor zwei Wochen ein Ende, indem er die Bar schloss.

Sophie Güntensperger, die Pächterin des Lokals, machte aus ihren Sympathien für Leute vom ultrarechten Rand des politischen Spektrums nie einen Hehl. Sie lebt mit einem dem Staatsschutz bekannten Rechtsradikalen zusammen. Ihre Freundesliste auf Facebook liest sich wie das Mitgliederverzeichnis der Schweizer Springerstiefel- und Glatzenszene.

Doch an Güntenspergers Betriebsführung habe es «nichts zu beanstanden gegeben», räumt der Statthalter ein. Die für das Justizwesen zuständige Gemeinderätin Beatrix Rechner hatte gegenüber dieser Zeitung kurz nach der Eröffnung der Bar versichert, man habe «die Gesuchstellerin überprüft und nichts gefunden, was gegen sie gesprochen hätte».

Unabhängig davon gelangte Grossenbacher zur Überzeugung, dass sich die Exponenten der beiden Lager «immer weiter mit Drohungen hochschaukeln». Die Situation sei «sehr explosiv» geworden.

Zwischen den Fronten

Auch der Standort der Bar habe bei seinem Beschluss eine Rolle gespielt: «Sie liegt direkt an der Emmentalstrasse. Bei tätlichen Auseinandersetzungen hätten Unbeteiligte zwischen die Fronten geraten können.» Von der Möglichkeit, dass während einer Prügelei jemand auf die Strasse gestossen und überfahren wird, ganz zu schweigen.

Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch nahm den Schliessungsentscheid «erleichtert» zur Kenntnis. Es gehe aber nicht nur darum, ein Zeichen gegen rechts zu setzen. «Auch für linksextreme Auswüchse ist in Burgdorf kein Platz», sagte die SP-Politikerin mit Blick auf das Flugblatt, mit dem die Antifa unverblümt dazu aufrief, den Hauseigentümer telefonisch zu belästigen.

Nur – all jene, die gehofft haben, dass sich der Fall Royal Aces mit dem Machtwort des Statthalters erledigt hat, freuten sich zu früh. Sophie Güntensperger habe gegen seinen Entscheid bei der Volkwirtschaftsdirektion rekurriert, sagte Grossenbacher gestern. Sein Beschluss sei damit aufgeschoben. Mehr könne er zur Sache wegen des laufenden Verfahrens nicht sagen.

Dicht durch Druck?

Die Frage, ob es mit dem Beispiel der Antifa Bern vor Augen jedermann möglich sei, einen missliebigen Betrieb mit legalen und illegalen Druckmitteln in die Knie zu zwingen, beantwortet der Statthalter dennoch: Davon könne keine Rede sein. Die Antifa habe die Bar nicht geschlossen. Die Aktionen dieser Gruppierung hätten jedoch eine Negativspirale in Gang gesetzt, die sich im Internet unkontrolliert und immer schneller zu drehen begann.

Als Bewilligungsinstanz habe er «einen heiklen Spagat» zwischen der Gewerbefreiheit und der öffentlichen Sicherheit machen müssen – und letztlich für das Allgemeinwohl entschieden. Dem Spruch des Kantons blicke er «mit grossen Interesse» entgegen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.07.2010, 08:56 Uhr

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