Region
Ueli Bichsel auf Geldsuche für Gotthelf-Zentrum
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 04.03.2009
Ueli Bichsel: «Ich bin zuversichtlich, aber es ist hart.» (Bild: Daniel Fuchs)
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Ueli Bichsel, wann zieht das Gotthelf-Zentrum ins Lützelflüher Pfarrhaus ein?
Der Zeitplan sieht vor, dass der Grosse Rat im September über die Freigabe der rund 3 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds entscheidet. Danach könnte das Konzept umgesetzt werden. Die Eröffnung ist auf Juni 2011 geplant.
Warum kommt das Geschäft erst im Herbst und nicht wie im vergangenen November angekündigt bereits im Frühling in den Grossen Rat?
Regierungsrat Hans-Jürg Käser will nicht nur ein Konzept, das aufzeigt, wie wir die Betriebskosten finanzieren wollen, er will konkrete Anhaltspunkte dafür, dass das gelingt. Diese Forderung wurde bei der Abgabe des Detailkonzepts gestellt. Ende April muss ich den entsprechenden Bericht abgeben.
Und? Bekommen Sie das Geld zusammen?
Unser Konzept sieht für die Geschäftsführung drei Varianten vor: eine mit einer 80-Prozent-, eine mit einer 40-Prozent-Geschäftsstelle und eine mit 0 Prozent – für den Fall, dass alle Stricke reissen sollten.
Was würde das bedeuten?
Dass keine bezahlte Person, sondern ein Verein mit Freiwilligen das geplante Museum führen würde.
Dann wären die 3 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds aber in den Sand gesetzt.
Nein, nicht unbedingt. Es entstehen in dem Haus Werte, die nicht einfach verloren gingen. So werden zum Beispiel eine Wohnung und ein Begegnungsraum eingebaut, die vermietet werden können.
Sie arbeiten aber schon auf die mit 80 Prozent dotierte Geschäftsstelle hin.
Selbstverständlich. Die Person hätte ja nicht nur mit dem Museum zu tun, sondern auch mit dem Marketing und mit der Organisation von verschiedenen Veranstaltungen. Zusätzlich würde sie einzelne Projektleitungsaufgaben bei den Gotthelf-Freilichttheatern übernehmen, sodass sie letztlich zu 100 Prozent an das Gotthelf-Zentrum gebunden wäre.
Was kostet die kostspieligste Variante?
Rund 322'000 Franken pro Jahr.
Mit Eintritten allein bringen Sie diese nicht zusammen.
Im ersten Betriebsjahr rechnen wir mit 8500 Eintritten, später werden sie auf etwa 6000 zurückgehen. Einnahmen generieren wir auch mit Führungen, Veranstaltungen und Vermietungen. Aber rund 200000 Franken wollen wir mit Beiträgen Dritter generieren.
Wen meinen Sie damit? Die Steuerzahler?
Der Kanton bezahlt nichts an den Betrieb. Von der Tourismusförderung Emmental, die gegenwärtig in einer sehr unsicheren Situation steckt, haben wir Einnahmen von 500 Franken eingesetzt – einfach, damit sie nicht ganz vergessen geht. Aber wir erhoffen uns viel von Spendern. Und wir bieten Patenschaften an. Unser Ziel ist es, 13 Firmen zu finden, die eine Patenschaft für je 10000 Franken übernehmen werden.
Sind Sie schon fündig geworden?
Die Zimmerei Kühni AG in Ramsei und die Kambly SA in Trubschachen machen mit. Mit verschiedenen anderen Firmen bin ich nahe an einem Abschluss. Weiter hat der Gemeinderat von Lützelflüh einen jährlichen Betriebsbeitrag von 20000 Franken gesprochen, was auch zwei Patenschaften entspricht. Ich hoffe, dass auch alle Gemeinden des Emmentals gemeinsam eine übernehmen werden.
Glauben Sie, dass das gelingt?
Am 19.März führen wir einen Orientierungsabend durch.
10000 geteilt durch 42 macht pro Gemeinde keine 250 Franken. Für ein solches Nasenwasser laden Sie zu einem Orientierungsabend?
Es geht in erster Linie um die direkte Information. Wenn alle Gemeinden des Emmentals einen Beitrag leisten, zeigen sie, dass sie hinter dem Gotthelf-Zentrum stehen.
Was haben Gemeinden, die nicht gerade um Lützelflüh liegen, vom Gotthelf-Zentrum?
Wenn man von Gotthelf spricht, spricht man vom Emmental – und umgekehrt. Wenn ich mit Gotthelf etwas aufziehen kann, mache ich Werbung für eine ganze Region. Unmittelbaren Nutzen haben die Gemeinden, die eine Veranstaltung beherbergen. Deshalb ist vorgesehen, alle zwei Jahre in einer anderen Region ein Freilichttheater zu organisieren, damit immer ein anderer Teil theatralisches Zentrum des Gotthelf-Emmentals wird.
Wie viel von den 200'000 Franken, die sie von Dritten erwarten, haben Sie konkret zusammen?
60000 Franken.
Dann müssen Sie bis Ende April noch kräftig Gas geben.
Ich muss bis dahin nicht die ganzen 200000 Franken zugesichert haben. Regierungsrat Käser will eine Tendenz sehen. Ich bin zuversichtlich, aber es ist hart. Durch die aktuelle Finanzkrise sind die Leute sehr vorsichtig geworden.
Hätten Sie mehr Begeisterung erwartet?
Was mich erstaunt, sind Stimmen in Lützelflüh, die sagen, da entstehe ein Fass ohne Boden. Aber bis auf die 20000 Franken, die der Gemeinderat beschlossen hat, wird es die Steuerzahler nichts kosten. Daran, dass von den 3 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds via Handwerker viel in die Region fliessen wird, denken die Kritiker nicht.
Sie spüren eine grundsätzlich ablehnende Haltung?
Es sind Einzelne, die grosse Bedenken äussern. Ich verstehe diese irgendwie auch. Sie haben den Mystery Park und das Kornhaus vor Augen. Aber ich weiss auch um diese negativen Erfahrungen. Mir war immer bewusst: Das Gotthelf-Zentrum darf nicht scheitern, wie diese Projekte gescheitert sind. Wer wird das Zentrum eigentlich dereinst leiten? Sie?
Das ist offen. Der Stiftungsrat wird wohl eine Person suchen, die für die Führung eine Trägerfirma gründen wird. Es ist schon jetzt klar, dass diese für die Finanzierung der Betriebskosten immer kämpfen wird. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.03.2009, 09:12 Uhr
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