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Teufelsritt auf einem Rad

Von Gertrud Lehmann. Aktualisiert am 26.07.2010

Die Unimoto-Drag-Racer sorgten an der 11. Sumiswalder Biker-Party für Spektakel. Ansonsten sind die Organisatoren ernüchtert: Wegen des schlechten Wetters kamen nicht halb so viele Besucher an die Party wie letztes Mal.

Laut, Dreck schleudernd und attraktiv zum Zuschauen: Die Unimoto-Drag-Racer kämpfen in Sumiswald um den Weltmeistertitel.

Laut, Dreck schleudernd und attraktiv zum Zuschauen: Die Unimoto-Drag-Racer kämpfen in Sumiswald um den Weltmeistertitel.
Bild: Hans Wüthrich

Gähnende Leere empfing die Besucher am Samstagmittag auf dem Festgeländes der Biker-Party in Sumiswald. Tische, Bänke, Zelte, Stände – alles öd und verlassen. In der Ferne ein infernalisches Motorengeheul, gefolgt von explosionsartigem Geknatter. Dort waren sie. Dort hatte sich die Meute versammelt, um die verrückten Unimoto-Drag-Racer zu bestaunen.

Unimoto Drag Racing kommt – wie viele Bescherungen der Neuzeit – aus Amerika. Dabei geht es im Prinzip darum, ein altes Motorrad von Lenker und Vorderrad zu befreien, sich bäuchlings balancierend auf den verbleibenden Rest zu legen und irgendwie Vollgas zu geben. So schiesst der Fahrer wie eine Rakete über 100 Fuss (30,48 Meter) ins Ziel, wird abgewinkt und lässt sein Gefährt ausrollen, wenn er nicht in den Strohballen landet. Die mit Fantasie umgestalteten Vehikel seien richtige Kunstwerke. In der Schweiz gäbe es etwa zehn davon. Und das Wichtigste bei diesen Rennen sei natürlich der Spass, heisst es in einer von Dead-Riders-Präsident Urs Eggimann überreichten Broschüre.

Voller Dreck

An der Sumiswalder Biker-Party fand die 5.Unimoto-Weltmeisterschaft mit rund 50 Teilnehmern aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Holland und Belgien statt. Die Rennmaschinen trugen Namen wie Kampfsau, Mighty Kackbratze, Friesenfighter oder Purzelbethli und bewegten sich zwischen 70 und 1149 Kubikzentimetern. Um den Sieg nicht dem Zufall zu überlassen, mussten mehrere Durchgänge gefahren werden. So hatten auch die Zuschauer trotz der kurzen Rennstrecke etwas zu sehen. Da standen nicht nur lederbehoste Biker mit Begleitung, sondern auch Grossmütter und -väter, wohl aus den umliegenden Höfen, und staunten. Sogar Kleinkinder kamen in den Genuss des Spektakels, wobei bei einigen wohl eher Angst mit im Spiel war.

An der Startlinie liessen die Fahrer den Motor ein paar Mal aufheulen, dann zischten sie los, eine riesige Dreckfontäne hinter sich aufspritzend, dass die Fotografen hinter den Strohballen sich eilends duckten. Das Feld verwandelte sich zusehends in einen Acker, die Fahrer waren unter dem Dreck kaum mehr zu unterscheiden. Vielleicht könnte man statt der Geschwindigkeit auch einmal die Menge weggespickter Erdschollen messen.

Katastrophales Wetter

Eigentlich hätte man meinen können, nach Hagel und heftigen Regengüssen zeige sich der Samstag nun versöhnlich für die Sumiswalder Biker-Party. Doch der von Petrus lancierte Waffenstillstand kam zu spät. Das Gelände hatte sich an den beiden vorangehenden Tagen bereits in Morast verwandelt. Auch die kühlen Temperaturen luden kaum zum Zelten und Herumsitzen ein. Die Dead Riders befürchten ein Riesendefizit, denn nicht einmal die Hälfte der letztmaligen Besucher sei gekommen. Und das bei fast einem Jahr an Vorbereitungsarbeiten, wobei jedes Mitglied mindestens zwei Wochen Ferien investiert habe.

Gelände, Zelte, Musik und Helferteam müssten trotzdem bezahlt werden, sorgt sich Urs Eggimann. Doch ans Aufgeben der Erfolgsgeschichte denkt natürlich keiner. 2012 soll turnusgemäss die nächste Biker-Party steigen – und das Emmental nicht nur unter Wander- und Volksmusikfreunden bekannt machen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.07.2010, 08:52 Uhr

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