Teenager-Mutterschaften kommen selten vor
Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 11.01.2012 81 Kommentare
Mit Zahlen wartet auch Marianne Haueter, Präsidentin der Berner Hebammen, auf. Von 1000 Lebendgeburten seien landesweit zwischen 2002 und 2010 nur deren 3,8 bis 2,8 von unter 19-jährigen Müttern gekommen, sagt sie auf Anfrage. Teenagermütter seien in der Schweiz also eine Seltenheit – im Gegensatz etwa zu Grossbritannien oder den USA.
Der Wohlstand in der Schweiz sei gross, entsprechend geborgen fühlten sich junge Menschen in ihrem elterlichen Umfeld, erklärt die Fachfrau. In Ländern mit grossem sozialem Gefälle hingegen hätten Jugendliche in prekären Verhältnissen die Tendenz, möglichst früh aus der Familienmisere auszubrechen. Manchmal wählten sie hierzu den Weg über ein eigenes Kind, verbunden mit der Hoffnung auf einen eigenen Hausstand.
Sexualunterricht teilweise verpönt
In Sachen Prävention und Verhütung stellt Marianne Haueter der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Allerdings bedauert sie, dass Aufklärung und Sexualunterricht nicht in allen Kreisen gleichermassen erwünscht seien. Gerade in evangelikal-religiösen Gruppen sei das Thema vielfach verpönt. Dabei sei Aufklärung doch nicht nur wegen unerwünschter Schwangerschaft sinnvoll, sondern auch wegen ungewollten Sexualverkehrs und der Gefahr, sich mit einer Geschlechtskrankheit anzustecken. Gerade in dieser Hinsicht täte noch bessere Unterweisung not, findet Haueter. «Junge Frauen sollten lernen, sensibel auf ihre Gefühle und ihren Körper zu achten und klar Nein zu sagen, wenn es für sie nicht stimmt.»
Hierzulande sind Frühschwangerschaften keine Frage des sozialen Milieus; minderjährige Eltern kommen in allen Schichten vor. Wichtig sei, eine Teenagerelternschaft nicht zu skandalisieren, betont Marianne Haueter. Erfahre die werdende junge Mutter Unterstützung von ihrem Umfeld und sei sie gesund, sei die Geburt nicht mit besonderen Risiken behaftet. Eine Schlüsselfunktion komme natürlich den Eltern der betreffenden Jungeltern zu. «Sie sollten nicht moralisieren, sondern Wege aufzeigen, helfen und Kraft geben.» Das Neugeborene habe Anrecht auf einen guten Start ins Leben – und die jungen Eltern sollten die Chance bekommen, ihre Jugend trotz Elternschaft einigermassen auszuleben, die Ausbildung zu absolvieren, Kontakte zu pflegen, in den Ausgang zu gehen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.01.2012, 06:17 Uhr
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81 Kommentare
Ich frage mich schon ein bisschen, wieso solche Geschichten etwas in der Öffentlichkeit verloren haben. Vor allem noch mit solchen Details, dass jeder, der die Betroffenen auch nur im entferntesten kennt gleich Bescheid weiss, um wen es sich handelt. Man hätte genau so gut noch Namen, Adressen und Telefonnummern ergänzen können. Antworten
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