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Spitex bangt um ihre Klienten

Von Kathrin Holzer. Aktualisiert am 15.02.2012

Mit der neuen Kostenbeteiligung müssen Spitex-Klienten ab April mehr bezahlen. Die Anbieter befürchten eine Abwanderung der Klienten – und suchen Wege, die Tarife auch weiter möglichst tief zu halten.

Hauswirtschaftliche Dienstleistungen werden teurer: Bis zu 60.50 Franken pro Stunde müssten Spitex-Klienten ab April dafür bezahlen.

Hauswirtschaftliche Dienstleistungen werden teurer: Bis zu 60.50 Franken pro Stunde müssten Spitex-Klienten ab April dafür bezahlen.
Bild: Keystone

«Es muss minutiös gerechnet werden»

Die höhere Kostenbeteiligung der Klienten an hauswirtschaftlichen und sozialbetreuerischen Leistungen beschäftigt auch die Spitex-Dienste Langenthal und Umgebung.«Wir müssen jetzt die bestmögliche Lösung für unsere Klienten,die Mitarbeiter und die ganze Organisation finden», sagt Geschäftsführerin Sigrun Kuhn-Hopp.

Zwischen 250 und 300 der insgesamt 350 Klienten der Spitex Langenthal beziehen derzeit(auch)hauswirtschaftliche und betreuerische Leistungen. Den nun erhöhten Selbstbehalt will auch die Spitex Langenthal nicht vollumfänglich ihren Klienten belasten. Es werden deshalb ebenfalls verschiedene Alternativen geprüft. Das Gründen einer eigenen Firma sei durchaus eine Option,sagt Kuhn-Hopp. «Einen völlig eigenständigen Bereich aufzubauen würde aber auch heissen, auf die Beiträge des Kantons ganz zu verzichten. Es muss deshalb ganz minutiös gerechnet werden.»

Kuhn-Hopp ist zuversichtlich, in absehbarer Zeit eine Lösung zu finden. Ob diese bereits im April vorliegen wird, ist indes fraglich.«Auch wir werden eine Zeit lang sicher Einbussen verzeichnen müssen in unserer Rechnung», sagt die Geschäftsführerin.

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Keine 10 Minuten dauerte am Montag die ausserordentliche Hauptversammlung des Spitex-Vereins Aarwangen, Schwarzhäusern, Bannwil. Weil die zwei ehrenamtlichen Rechnungsrevisoren wegen der immer höheren Anforderungen bei der Revision von Vereins- und Betriebsrechnung demissioniert hatten, galt es, erstmals in der 15-jährigen Vereinsgeschichte eine professionelle Revisionsstelle zu wählen.

Diskussionslos wurde die Aufgabe an die ROD Treuhandgesellschaft übertragen. Die Revision der Spitex-Rechnung 2011 ist damit gesichert und der Verein eine Sorge los. Mit einem weit grösseren Problem hatte sich der Vorstand im Anschluss an die Versammlung zu befassen: der neuen Kostenbeteiligung für ihre Klienten.

Erst Mitte Dezember hat der Regierungsrat beschlossen, die Kostenbeteiligung definitiv einzuführen. Ab April müssen sich Spitex-Klienten somit an den Kosten für die ambulante Langzeitpflege beteiligen (ab 65 Jahren) und mehr Selbstbehalt bezahlen für hauswirtschafliche und sozialbetreuerische Leistungen.

«Das zahlen die Leute nicht»

Die grosse Herausforderung für die Spitex-Vereine liege im Hauswirtschaftsbereich, erklärt der Aarwanger Spitex-Präsident Kurt Krieger. Während für Klienten mit einem Einkommen von unter 20'000 Franken nichts ändert, werden die Selbstbehalte bei Einkommen ab 20'000 Franken erhöht, und ab 50'000 Franken müssen die Klienten neu gar für den vollen Betrag von 60.50 Franken pro Stunde aufkommen (aktuell liegt das Maximum bei 48 Franken).

«Dass die Leute das nicht zahlen werden, ist klar», sagt Krieger. Die Spitex müsse deswegen einen Weg finden, weiterhin hauswirtschaftliche Dienstleistungen anbieten zu können, die konkurrenzfähig sind.

Der Vereinspräsident befürchtet durch die erhöhten Tarife nicht nur im hauswirtschaftlichen Bereich eine Abwanderung der Klienten. «Ohne Hauswirtschaft verlieren wir auch den Einstieg in die Pflege.»

Übergang mit eigenen Mitteln

Betroffen sind Spitex-Organisationen im ganzen Kanton. Der kantonale Spitex-Verband hat deshalb verschiedene Fragestellungen zusammengetragen, die es in den einzelnen Spitex-Organisationen nun zu beantworten gilt. Zudem organisiert der Verband monatliche Informationsplattformen für die Geschäftsleiter der verschiedenen Spitex-Organisationen. Als Lösungen diskutiert werden unter anderem eine Auslagerung der hauswirtschaftlichen und betreuerischen Leistungen an Dritte oder an eine neue, eigene Unternehmung.

Für den Aarwanger Spitex-Präsidenten Kurt Krieger ist klar: Die Zeit drängt. Ab April gibt es vom Kanton weniger Geld. Der Aarwanger Vorstand hofft, spätestens im Mai das weitere Vorgehen beschliessen zu können.

«Als Übergangslösung werden wir die erhöhten Tarife wohl mit eigenen Mitteln abfedern müssen, enn wir unsere Kunden nicht verlieren wollen», sagt Krieger. Reserven von 100'000 Franken seien vorhanden. Lange werde man bei einem Betrieb mit 35 Angestelten damit aber nicht auskommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.02.2012, 06:10 Uhr

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