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So erhalten selbst Ärzte Subventionen

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 29.04.2011

Die Spital Region Oberaargau beantragt für ihre neue Ärzte-Gruppenpraxis 90'000 Franken an Subventionen aus dem Topf der neuen Regionalpolitik. Das ist ungewöhnlich, aber möglich. Der Kanton Bern fährt nämlich einen Sonderzug.

Im Alterswohnungskomplex an der St.-Urban-Strasse soll auch eine Ärzte-Gemeinschaftspraxis entstehen. Dafür gibt es eventuell Subventionen.

Im Alterswohnungskomplex an der St.-Urban-Strasse soll auch eine Ärzte-Gemeinschaftspraxis entstehen. Dafür gibt es eventuell Subventionen.
Bild: Thomas Peter

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Die Arbeiten schreiten voran: Im Oktober will die Spital Region Oberaargau (SRO) ihre neue Gemeinschaftspraxis für Hausärzte an der St.-Urban-Strasse in Langenthal eröffnen. Die neue Praxis im Erdgeschoss des Alterswohnungskomplexes soll den Mangel an Hausärzten in der Stadt lindern. Das ist bekannt.

Weniger bekannt ist indessen, dass die SRO für die neue Gruppenpraxis Subventionen aus dem Topf der neuen Regionalpolitik (NRP) des Bundes beantragt hat. Knapp 90'000 Franken sollen als einmaliger Beitrag à fonds perdu in das Projekt fliessen. Das mutet seltsam an: Denn das Ziel der NRP ist primär die Förderung der Innovation im ländlichen Raum und nicht das Bereitstellen der Grundversorgung. So zumindest haben es die Vertreter der Planungsverbände Region Emmental und Oberaargau kürzlich vor den Medien formuliert (wir berichteten). Die beiden Verbände setzen die NRP auf lokaler Ebene um, die Entscheide trifft in aller Regel aber das kantonale Beco Berner Wirtschaft.

Der Berner Sonderzug

Daniel Wüthrich, beim Beco Leiter der Regionalentwicklung, redet nicht um den Brei herum: Für die NRP sei das Gesundheitswesen zwar nicht tabu, aber «ein heikler Bereich». Bei den Entscheiden werde deswegen immer auch die kantonale Gesundheitsdirektion einbezogen. Schliesslich wolle man mit der NRP keine Gesundheitspolitik betreiben.

Kein Zufall ist deshalb wohl, dass von all den zahlreichen Projekten, die im Rahmen der NRP im Kanton Bern seit 2008 gefördert worden sind, bisher nur ei-ne einzige Ärzte-Gemeinschaftspraxis unterstützt worden ist: Für die Planung eines Ärztehauses in Langnau hat das Beco 100'000 Franken bewilligt. Bern ist denn auch der einzige Kanton, der mit der NRP Gemeinschaftspraxen von Ärzten unterstützt. Zumindest, sagt Wüthrich, seien ihm keine Projekte aus anderen Kantonen bekannt.

Dennoch verteidigt er den Berner Sonderzug: Eine Gemeinschaftspraxis sei durchaus innovativ, sodass die Unterstützung über die NRP gerechtfertigt sei. Innovativ seien etwa die längeren Öffnungszeiten oder die besonderen medizinischen Dienstleistungen. Hinzu komme die «unternehmerische Initiative» der Ärzte, die eine Wertschöpfung garantiere. Aber es müsse schon nachgewiesen sein, dass in der betroffenen Region ein Mangel an Ärzten herrsche. Und mit einer genügend guten Grundversorgung lasse sich letztlich die Abwanderung aus dem ländlichen Raum stoppen. Auch das ist laut Wüthrich ein Ziel, das den NRP-Mitteleinsatz für Arztpraxen legitimiert.

Einzelpraxis ohne Chance

Vor Ort zuständig für die NRPim Oberaargau und Emmental ist Karen Wiedmer, Geschäftsführerin der Region Emmental. Auch sie findet, das Gesundheitswesen sei «der Knackpunkt der NRP». Doch viele Gemeinschaftspraxen dürften mit der NRP so oder so nicht unterstützt werden. «Dafür fehlen die Mittel», sagt sie.

Die Region-Geschäftsführerin ist zwar froh, dass die NRP zur medizinischen Grundversorgung auf dem Land beitragen kann. Trotzdem sei dies eigentlich nicht deren primäre Aufgabe. Wiedmer betont aber auch, dass bei Gemeinschaftspraxen nicht der Bau, sondern nur die Konzeptphase unterstützt werde. Für die Antragsteller dürfte das indes keine Rolle spielen. In Langenthal zumindest wird die neue Gemeinschaftspraxis bereits in einem halben Jahr eröffnet, obwohl das Beco noch gar nicht über das Projekt entschieden hat. Eine Prognose zu den Chancen will Wüthrich nicht abgeben, nur so viel: «Wir wenden immer den gleichen Massstab an.»

Übrigens: Ganz sicher keinen Anspruch auf NRP-Subventionen haben Ärzte, die eine Einzelpraxis eröffnen wollen. Theoretisch müssten sie bei der kantonalen Wirtschaftsförderung anklopfen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.04.2011, 19:19 Uhr

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