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Senioren kämpfen für ihre News

Von Stefan Aerni. Aktualisiert am 05.08.2010 4 Kommentare

Geburtstage, Hochzeiten, Todesfälle: Neuerdings dürfen die Gemeinden solche Zivilstandsnachrichten aus Datenschutzgründen nicht mehr vermelden. Doch dagegen wehren sich die Leute – in Melchnau läuft sogar eine Petition.

«Jetzt ist der auch schon 75»: Gratulationen und andere Zivilstandsnachrichten sind vor allem bei älteren Menschen beliebte Rubriken in der Zeitung – neuerdings werden sie aus Datenschutzgründen von vielen Gemeinden nicht mehr herausgegeben.

«Jetzt ist der auch schon 75»: Gratulationen und andere Zivilstandsnachrichten sind vor allem bei älteren Menschen beliebte Rubriken in der Zeitung – neuerdings werden sie aus Datenschutzgründen von vielen Gemeinden nicht mehr herausgegeben.
Bild: Walter Pfäffli

Ihre Meinung?

Seit Anfang Jahr gilt im Kanton Bern die revidierte Verordnung über das Zivilstandswesen. Sie sieht vor, dass die Gemeinden aus Datenschutzgründen Geburten, Hochzeiten, Todesfälle und Geburtstage nicht mehr publizieren dürfen.

Ist das zum Schutz der Intimsphäre des Individuums gerechtfertigt – oder wird damit der Datenschutz auf die Spitze getrieben? Ihre Meinung interessiert, schreiben Sie uns: Redaktion BZ, Stichwort «Datenschutz», St.-Urban-Strasse 22, 4900 Langenthal, oder per E-Mail: oberaargau@bernerzeitung.ch

In Melchnau gehört es zum Brauch, dass der Frauenverein den älteren Dorfbewohnern bei runden Geburtstagen einen Besuch abstattet. Eine Vereinsdelegation überreicht ein kleines Geschenk, gratuliert und wünscht alles Gute.

«Das ist ja lachhaft»

Doch unlängst erlebte der Frauenverein eine böse Überraschung. Als er sich auf der Gemeindeverwaltung nach den kommenden Jubilarinnen und Jubilaren erkundigen wollte, hiess es: Eigentlich dürften wir euch die Geburtstage wegen des Datenschutzes nicht mehr mitteilen. Die Melchnauer Behörden drückten dann ausnahmsweise noch einmal ein Auge zu. Ob das auch in Zukunft so sein wird, ist ungewiss.

Bereits die volle Härte der neuen Verordnung spürt die Melchnauer Dorfzeitung: Sie erhält von der Gemeinde keine Zivilstandsnachrichten mehr. «Und dabei gehörten die zu den beliebtesten Rubriken unserer Zeitung», bedauert Redaktor Peter Friedli (55). «Ich finde die neue Regelung lachhaft – die ist total an den Bedürfnissen der Menschen vorbei beschlossen worden.» Als Zeitungsmacher Friedli dem «Ärgernis», wie er es nennt, auch noch ein Editorial widmete, war das Thema Dorfgespräch in Melchnau.

Darauf haben sich mehrere Senioren lose organisiert: In einer Bittschrift fordern sie jetzt, dass die Zivilstandsnachrichten zumindest in der Dorfzeitung wieder veröffentlicht werden. «Die interessieren doch die Leute», sagt Anita Ulli (73), eine der Erstunterzeichnenden. «Ich kenne viele Heimweh-Melchnauer, die unsere Dorfzeitung vor allem deswegen abonniert haben.»

Thema im Gemeinderat

Mittlerweile sind die Petitionäre auch bei Gemeindepräsidentin Anna Leuenberger (SVP) vorstellig geworden: Die hat ihnen versprochen, die Angelegenheit bereits an der nächsten Gemeinderatssitzung aufs Tapet zu bringen.

Auch anderswo im Gespräch

Auch die Stadt Langenthal gibt die Zivilstandsnachrichten nicht mehr bekannt. Einzig die besonders beliebten Geburtstagsgratulationen, so ist beim Präsidialamt zu erfahren, würden noch herausgegeben – allerdings nur auf ausdrücklichen Wunsch der Jubilare selbst oder deren Angehörigen.

Von der neuen Informationspraxis betroffen sind ebenfalls die Lokalkorrespondenten der Zeitungen, die für ihre Gemeinden die Gratulationen abdecken. So muss Hanspeter Lindegger (Niederönz), der mehrere Gemeinden rund um Herzogenbuchsee betreut, neu ein Gesuch stellen, damit er eine Liste der Jubilare bekommt. Und auf dieser sind auch nur die Jahrgänge, nicht aber das Geburtsdatum vermerkt. «Das muss ich dann selbst bei den Angehörigen nachfragen.»

Ähnliche Erfahrungen hat Barbara Heiniger (Wyssachen) gemacht. «Am einfachsten ist es, wenn man sich die Informationen direkt bei den Angehörigen beschafft – über die Behörden ist es schwierig geworden.»

Kitt fürs Dorfleben

Dass die Gemeinden mit ihren Informationen derart knausern, kann Anita Ulli nicht verstehen. «Jemandem zum Geburtstag zu gratulieren, ist doch etwas Schönes», sagt die Melchnauer Petitionärin. «Das fördert den Zusammenhalt in einem Dorf.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.08.2010, 09:04 Uhr

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4 Kommentare

Edgar Schaad

05.08.2010, 13:17 Uhr
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Unerhört! Da haben doch diese gesetzlosen und sensationssüchtigen Zeitungen während Jahrhunderten die geheiligten Privatsphären von Millionen bedauernswerten Geburtstagskindern, Ehewilligen und Trauernden aufs schändlichste verletzt. Nei aber au, wie schlimmmmmmmm! Antworten


Martin Lerch

05.08.2010, 14:40 Uhr
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Meine Anfrage beim Datenschutzbeauftragten des Kantons Bern ergab, dass es im Datenschutzgesetz keine Bestimmungen gibt, die die Veröffentlichung von Zivilstandsnachrichten verbietet. Es handelt sich bei dieser Meldung entweder um ein Missverständnis von Seiten der Ämter oder um eine faule Ausrede von Seiten der Ämter, um sich das Leben einfacher zu machen. Ausserdem: Schlechte Recherche! Antworten



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