Schweizweites Drucknetz geknüpft

Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 03.07.2010

Die Burgdorfer Druckerei Haller+Jenzer AG hat einen Onlineprintshop aufgebaut, der in der Branche auf grosses Interesse stiess. Deshalb vergab die Firma Lizenzen an weitere Druckereien, die nun die ganze Schweiz abdecken.

Haben ihr Webprint-System landesweit lanciert: IT-Leiter René Rüfenacht, Gestalter Markus Steiner und Peter Schürch, 
Geschäftsleiter der Druckerei Haller+Jenzer AG in Burgdorf.

Haben ihr Webprint-System landesweit lanciert: IT-Leiter René Rüfenacht, Gestalter Markus Steiner und Peter Schürch, Geschäftsleiter der Druckerei Haller+Jenzer AG in Burgdorf.
Bild: Thomas Peter

Hinter dem Zauberwort «Web-to-Print» verbirgt sich folgender Mechanismus: Der Kunde loggt sich via Internet in den Printshop einer Druckerei ein, wählt aus dem Sortiment eine ihm zusagende Vorlage für das gewünschte Erzeugnis – eine Einladungskarte zum Beispiel oder ein Flyer –, passt sie am Bildschirm seinen individuellen Vorstellungen an und gibt die Bestellung per Mausklick auf.

Möglich ist auch, über das Printportal eigene, fertig gestaltete Vorlagen als PDF-Datei in die Druckerei zu senden. Diese stellt das Produkt her und liefert es dem Auftraggeber aus.

Pioniere im Verbund

Weil beim System «Web-to-Print» alles automatisch läuft, lassen sich die Herstellungskosten senken; zudem hat der Kunde den Vorteil, dass er bequem von zu Hause aus bestimmen kann, wie seine Geburtsanzei-ge, seine Trauerdrucksache, sein Kuvert, seine Postkarte, sei-ne Geburtstagseinladung, sein Flyer oder sein Prospekt aussehen soll.

Diese Vorzüge machen sich bereits diverse Druckereien zunutze. Zu ihnen gehört auch die Burgdorfer Firma Haller+Jenzer AG. Hier steht das Projekt unter einem besonderen Vorzeichen: Seit kurzem praktiziert das Unternehmen, das 54 Personen beschäftigt, auf diesem noch jungen Gebiet ein Kooperationsmodell mit Druckereien in anderen Landesgegenden. Diese Zusammenarbeit hat schweizweit Pioniercharakter.

Ursprünglich wollte die Haller+Jenzer AG ihr Printportal Webdruck.ch ausschliesslich selber bewirtschaften. Der Webshop für Standarddrucksachen, den die Druckerei zusammen mit der auf Internetapplikationen spezialisierten Berner Firma netstyle.ch GmbH aufgebaut hatte, weckte jedoch das Interesse von anderen Druckereien. «Deshalb beschlossen wir, das Produkt in der ganzen Schweiz an ausgewählte Partner, die ähnlich strukturiert sind wie wir, in Lizenz zu vergeben», erklärt Peter Schürch, Mitinhaber und Geschäftsleiter der Haller+Jenzer AG.

Zu diesem Zweck wurde die Schweiz in Webdruck.ch-Regionen aufgeteilt. In jedem dieser Gebiete ist ein Lizenznehmer angesiedelt. Die über das Portal erteilten Aufträge gelangen automatisch zur betreffenden Druckerei; der Kunde hat damit nichts zu tun. Am Verbund beteiligt sind derzeit sieben Partner. Noch zu vergeben sind je eine Lizenz für die Westschweiz, die Ostschweiz und das Tessin. Aufträge aus diesen Regionen werden vorläufig noch in Burgdorf bearbeitet.

Begehrte Geburtsanzeigen

Die ersten Erfahrungen mit dem Printportal sind laut Peter Schürch gut. So habe die Haller+Jenzer AG mit Webdruck.ch im ersten Jahr bereits so viel Umsatz gemacht wie vorher mit der Laufkundschaft im hauseigenen Printshop. Besonders gefragt seien Geburtsanzeigen mit dem eigenen Bild des Neugeborenen. Weil es bei diesem freudigen Ereignis jeweils pressiert, wird der Auftrag besonders speditiv erledigt: Wer die Kartenbestellung bis 12 Uhr mittags aufgibt, erhält die Drucksache am nächsten Tag bereits per Post.

«Was es jetzt noch braucht, ist gezielte Werbung für das Portal», sagt Peter Schürch. Auch solle die Produktepalette des Printshops ausgeweitet werden, damit sich künftig zum Beispiel auch Plakate, Kalender und andere Spezialitäten via Webdruck. ch bestellen lassen. Weil das Portal als Verbund organisiert ist, verteilen sich die Werbe- und Entwicklungskosten auf die beteiligten Partner.

Portal für Firmen

Übrigens: Die Haller+Jenzer AG hat auch ein Webportal und eine Bilddatenbank für Firmen und Institutionen eingerichtet; auf diesem Weg können Niederlassungen, Filialen oder Sektionen bereits vorgestaltete Geschäftsdrucksachen aktualisieren, bestellen und zum Druck freigeben. Zur Kundschaft gehören zum Beispiel die Kette Best Western Swiss Hotels, die Universität Bern oder die Berner Fachhochschule. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.07.2010, 10:59 Uhr

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