Wasen

Schülerradio braucht Geld

WasenSeit dreieinhalb Jahren produziert eine Mittelstufenklasse aus Wasen ein Webradio. Was aus einem Schulprojekt entstanden ist, wurde zum Selbstläufer: Bereits haben fast eine halbe Million Personen bei Radio K hineingehört.

Nico Krebser (vorne links) und Jarom Zürcher (rechts) sind längst «alte Hasen» im Radiomachen. Die beiden Zwölfjährigen sind seit drei Jahren am Projekt Webradio K beteiligt. 
Karin Heiniger, Michèle Pfäffli und Bianca Geissbühler (hinten, von links) üben die Anmoderation für die Sendung «Typisch».

Nico Krebser (vorne links) und Jarom Zürcher (rechts) sind längst «alte Hasen» im Radiomachen. Die beiden Zwölfjährigen sind seit drei Jahren am Projekt Webradio K beteiligt. Karin Heiniger, Michèle Pfäffli und Bianca Geissbühler (hinten, von links) üben die Anmoderation für die Sendung «Typisch».

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«Unsere heutige Zeitreise führt uns in das Jahr 1997.» Langsam und deutlich spricht Michèle Pfäffli in das rote Mikrofon. Sie nimmt gerade die Anmoderation für die Sendung «Typisch» auf. Mit geübten Handgriffen löscht sie die Atempausen von der Tonspur und speichert die bearbeitete Aufnahme ab. Michèle Pfäffli ist elf Jahre alt. Sie besucht die fünfte Klasse in Wasen-Dorf und ist eine der Schülerinnen und Schüler, die derzeit am Klassenprojekt Radio K beteiligt sind.

Radio K – irgendwie ist das Webradio der Mittelstufenklasse ein kleines Phänomen. Was vor dreieinhalb Jahren mit einem alten Computer und einem Headset begann, erreicht heute eine weltweite Hörerschaft von sagenhaften 470000 Personen. Viele der Hörer sind Verwandte der Schüler, doch ein grosser Teil stammt aus allen Ecken der Welt. Am zweitmeisten Hörer finden sich in Amerika – die Schüler wissen sogar von welchen in Aserbeidschan. Projektinitiator und Klassenlehrer Michel Burger kann sich nur schwer erklären, wie das Internetradio zu einem derartigen Selbstläufer geworden ist. Die Schüler schon eher. «Wenn wir in die Ferien fahren, nehmen wir Flyer mit und verteilen sie überall», sagt Nico Krebser (12). Die Zahl einer knappen halben Million relativiert er aber: «Dabei werden auch Hörer gezählt, die nur für wenige Sekunden auf die Homepage klicken.»

Burger glaubt, dass unter den Hörern viele Auslandschweizer sind. Die meisten Moderationen sind in Mundart, die Musik ist aktuell. «Das könnten Anreize für unsere Hörerschaft sein.»

24 Stunden auf Sendung

Das Zimmer unter dem Dach des Schulhauses sieht beinahe aus wie ein professionelles Radiostudio. An den Wänden hängen Fotografien und Mails von Schweizer Promis wie DJ Antoine oder Walter Andreas Müller. «Die Promis haben kurze Einspielungen – Jingles genannt – für uns aufgenommen, die wir abspielen können», erzählt Radio-K-Moderator Jarom Zürcher (12). Das «K» steht im Übrigen für «Klasse».

Radio K kann 24 Stunden via Internet empfangen werden. Meistens läuft Musik. Regelmässig senden die Schüler eigene Sendungen. Sogar live sind sie zu hören, etwa wenn sie einen Song ansagen. Spezielle Anlässe wie die Alpabfahrt der Kühe im September oder die WM-Spiele vor zwei Jahren moderieren die jungen Radiomacher ebenfalls live.

Sorgenkind Geld

Das Sorgenkind von Radio K ist das Geld. Etwa 2500 Franken jährlich braucht das Radio für die nötigste Infrastruktur oder den Einkauf von Hörspielen und Musik. Bisher hat Michel Burger viel eigenes Geld in Radio K gesteckt. Zufällig ist der Lehrer vor dreieinhalb Jahren auf die Plattform «Radionomy» gestossen. Diese stellt Internetradios kostenlos die Senderechte sowie die Aufnahmesoftware zur Verfügung. Und somit auch einen Musikpool mit über 10000 aktuellen Songs. Weil «Radionomy» aber belgisch ist, muss die Klasse die Schweizer Songs einkaufen.

Um Sponsoren zu generieren haben die Schüler schon eigenhändig Emmentaler Firmen angeschrieben. Nun beteiligt sich Radio K am Projekt 100 Days und hofft so, zu Geld zu kommen.

An Nachwuchs fehlt es nicht

Für Burger ist das Projekt Radiomachen viel mehr als nur Abwechslung im Schulalltag. «Zu Themen, die wir im Unterricht behandeln, schreiben die Schüler eigene Radiobeiträge.» Bevor er also das Projekt eingehen lasse, investiere er selber wieder. «Auch für mich ist Radiomachen zu einem Hobby geworden.» Und Nico Krebser sagt, ihm bringe das Vorlesen der Moderationen viel für den Deutschunterricht. «Live zu senden macht mir am meisten Spass», fügt Jarom Zürcher hinzu. Beiträge produzieren die Schüler, wann immer es der Unterricht zulässt.

An Nachwuchs mangelt es Radio K nicht: Da die Mittelstufe in Wasen-Dorf Mischklassen hat (4. bis 6.Klasse), kommen immer wieder jüngere Schüler nach, die von den Älteren angelernt werden. Nico und Jarom sind in diesem Jahr zum letzten Mal dabei. «Wir werden es vermissen», sagen die beiden einstimmig.

Lehrer Burger rechnet damit, dass im Mai die Hörerquote von einer halben Million überschritten wird. Ist dem so, will die Klasse während 24 Stunden live aus Wasen in die Welt senden.

Annina Hasler, Ninja Versteeg (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2012, 09:17 Uhr

Zollbrück

Radiomachen in Schulen ist beliebt. Davon überzeugt ist auch Joel Aeberli. Der Lehrer hat mit seinen 15 Schülerinnen und Schülern der 4. bis 6.Klasse Mungnau am Dienstag acht Stunden Radio aus dem Emmental gesendet. Das Projekt nennt sich «Power-Up-Radio» und wird organisiert vom Kinderdorf Pestalozzi. Dieses entsendet einen Radiobus mit Technikern und einer professionellen Infrastruktur in Schulen der ganzen Schweiz.

Die Schüler aus Zollbrück haben schon Wochen im Voraus ihre Sendungen zu ausgewählten Themen wie den SCL-Tigers oder berühmten Musikern vorbereitet und am Dienstag aufgenommen und gesendet. Zu Gast war in einem Liveinterview Tigers-Chef Ruedi Zesiger.

«Für die Schüler war es ein voller Erfolg», sagt Lehrer Aeberli rückblickend. Diese Art, Wissen zu vermitteln, bringe Abwechslung in den Unterricht und motiviere die Kinder.

100 Days

Auf der Internetplattform 100 Days präsentieren Initiatoren kostenlos ihre Projekte und legen einen Betrag fest, den sie benötigen. Anschliessend spenden Sponsoren Geld. Schaffen es die Initiatoren innert 100 Tagen, den Betrag zu sammeln, so erhalten sie diesen ausbezahlt. Wenn nicht, erhalten die Sponsoren ihr Geld zurück. Von den 2500 Franken, die das Radio K jährlich braucht, sind erst 50 Franken gespendet worden. Noch haben die Schüler aber 82 Tage Zeit.

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