Schlechte Aussichten für den «Emmen-Taler»
Von Markus Zahno. Aktualisiert am 16.01.2009 3 Kommentare
Elsi Reimann, Präsidentin Regiotop (Bild: Hans Wüthrich)
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Zuerst eine Milchbüechlirechnung: Wer 1 Million zu einem Zins von 8 bis 10 Prozent anlegt, hat nach 10 Jahren 2 Millionen und nach 20 Jahren 4 Millionen. «Das bedeutet, dass auf der anderen Seite die Schulden und die Armut exponentiell zunehmen. Es ist wie ein Krebsgeschwür», sagt Elsi Reimann. Dieses System werde bald zusammenbrechen. Deshalb hat Reimann den Verein Regiogeld gegründet. Dieser möchte nebst dem Franken eine alternative Währung, einen «Emmen-Taler», einführen. Eine Währung, aus der man nicht Zins schöpfen kann, sondern die an Wert verliert, wenn man sie nicht ausgibt.
«Nicht dramatisieren»
Ist das die Lösung? Weshalb kam es überhaupt zur Finanz- und Wirtschaftskrise? An einem Podiumsgespräch in Langnau hat der Verein nach Antworten gesucht – wobei Toni Lenz, Chef der Ölhandelsfirma Flamol, betonte: «Man darf nicht dramatisieren.» Die Medien würden die Krise herbeischreiben, würden eine «Massenhypnose» betreiben. Fakt sei: Der Schweizer Aktienindex SMI sei heute gleich hoch wie vor 10 Jahren.
Emotional aber, sagt Bernerland-Bank-Chef Peter Ritter, erlebe er derzeit «die schwierigste Zeit, seit ich vor 30 Jahren in den Beruf eingestiegen bin». Als Banker gelte man bei vielen Leuten als «der blöde Cheib, der alles angerichtet hat». Dabei sei ein Hauptproblem, dass manche Leute Geldgeschäfte tätigten, die sie nicht verstünden.
Steuern mit Regiogeld?
Für die Region sieht Ritter aber nicht schwarz. «Der Emmentaler ist ein besonnener Mensch. Er gibt das Geld erst aus, wenn er es hat.» Mit dem Regiogeld, so Elsi Reimann, wolle man bewirken, dass die Devisen in der Region ausgegeben würden – zum Beispiel beim Schreiner, dessen Bett zwar etwas teurer sei als im Shoppingcenter, der dafür aber als Bezahlung 30 Prozent regionale Währung nehme.
«Würde Langnau Regiogeld als Zahlungsmittel für die Steuern akzeptieren?», wollte Moderator Stephan Künzi, Leiter der BZ-Emmental-Redaktion, wissen. Er sei nicht von vornherein gegen die Regiogeld-Idee, sagte Gemeindepräsident Bernhard Antener. «Aber das Problem ist, dass wir keine geschlossenen Wirtschaftsräume haben.» Es gebe Unternehmen, die nichts in der Region verkauften, sondern alles exportierten. Und: «Ich bin überzeugt, dass man nach vier Monaten bereits einen findet, der auch aus der alternativen Währung Profit schlagen kann.»
Ämmitaler Ruschtig
Wichtiger sei, sagte Toni Lenz, «dass wir wieder rechnen lernen». Wenn Herr X bei einem regionalen Unternehmen einkaufe, werde dieses später auch bei X’ Unternehmen einkaufen. Es gebe ja funktionierende Beispiele: «Die Ämmitaler Ruschtig kostet mehr als ein Prix-Garantie-Produkt – und wird dennoch gekauft.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.01.2009, 08:46 Uhr
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3 Kommentare
Wer eine Alternativ-Währung sucht kann der WIR-Bank beitreten. Die erfüllt in etwa die Vorstellung der "Emmentaler"-Initianten vom Handel in der Region, sozusagen "In der Region für die Region, allerdings müssten interessierte Teilnehmer über ein WIR-Konto verfügen. Die Chance besteht zudem mit x-tausend WIR-Teil- nehmern in der ganzen CH Geschäftsbeziehungen zu knüpfen. Antworten
@Ammon: WIR ist Quatsch. @BZ: Bitte keine Werbung. @Reimann: Nicht Geld ist das Problem, das ist eine gute Erfindung. Damit kann man alles loswerden, ohngeachtet dessen, was der/die InteressentIn anbietet. Zins ist es auch nicht, im Gegenteil: Sonst noch mehr Konsum! Nein, es sind Mehrwert, Produktionsverhältnisse, kurz: Kapitalismus, das System, was Scheisse ist. Genossenschaften gründen! Jetzt! Antworten























