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SVP-Hardliner wird jüngster Gemeindepräsident im Kanton Bern

Von Kathrin Holzer. Aktualisiert am 16.11.2010 3 Kommentare

David Herzig (23) übernimmt per 2011 das Wynauer Gemeindepräsidium. Gegenvorschläge gab es keine. Der Hardliner und Sekretär der Jungen SVP Kanton Bern ist damit still gewählt.

Will sich einbringen: Der rechtskonservative Jungpolitiker David Herzig übernimmt das Wynauer Gemeindepräsidium. (Bild: zvg)

Zur Person

David Herzig (23) ist neuer Gemeinderat von Wynau und übernimmt per 2011 auch das Gemeindepräsidium. Der gelernte Hochbauzeichner arbeitet heute beim Berner Beratungsunternehmen Optinovum GmbH im kaufmännischen Bereich. Er ist Präsident der SVP Wynau und Sekretär der Jungen SVP Kanton Bern.

Herr Herzig, Sie dürften als jüngster Gemeindepräsident aller Zeiten in die Geschichte von Wynau eingehen. Was motiviert einen 23-Jährigen für dieses Amt?
David Herzig: Ich bin generell der Überzeugung, dass man nicht nur reklamieren, sondern auch die Möglichkeit nutzen sollte, etwas mitzugestalten. Es ist allerdings gerade auf Gemeindeebene ein zunehmendes Problem, dass man kaum noch Leute findet für politische Ämter.

Sie sind also quasi der Retter in der Not? Immerhin gab es in Wynau diesen Herbst nicht einmal Wahlen, weil sich zu wenig Kandidaten gemeldet hatten.
Als Retter würde ich mich nicht gerade bezeichnen. Ich hätte ebenso bei einer offenen Wahl für den Gemeinderat kandidiert.

2007 wollten Sie in den Nationalrat, 2010 in den Grossen Rat. Beides hat nicht geklappt. Nun müssen sie doch ganz unten auf Gemeindeebene anfangen. Ein persönlicher Rückschritt?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich werte es als positives Zeichen, dass sich die Wynauer vorstellen können, mich als Gemeindepräsidenten zu akzeptieren. Und mit meinen 23 Jahren bin ich doch recht stolz darauf, überhaupt als Gemeinderat amten zu dürfen.

Dabei erwarten Sie in Wynau vor allem Altlasten. Der Fall des ehemaligen Gemeindeschreibers, der über Jahre hinweg Gelder veruntreut hatte, ist noch lange nicht abgeschlossen. Ihre Vorgängerin Esther Plüss hat unter den Ereignissen stark gelitten und deshalb sogar frühzeitig demissioniert.
Die Geschichte und das ganze Verfahren werden uns wohl noch eine Weile beschäftigen. Es ist wichtig, dass wir die Geschehnisse bald aufarbeiten und abschliessen können. Das darf aber nicht unser einziges Thema sein. Wir müssen Wynau vor allem als attraktiven Wohnstandort positionieren. Hier ist auch der Kanton gefragt. Als Gemeinde an der Kantonsgrenze spüren wir die Steuerunterschiede zu den Nachbarkantonen Solothurn und Aargau besonders stark. Da will ich als Gemeindepräsident auch den Kantonsbehörden Druck aufsetzen.

Ein unbeschriebenes Blatt sind Sie nicht gerade. Sie vertreten in der Jungen SVP eine sehr rechtskonservative Politik und setzen sich sogar für die Abschaffung des Antirassismusgesetzes ein. Kann sich ein Hardliner wie Sie überhaupt einfügen in ein Gemeindegremium?
Themen auf Gemeindeebene sind nicht primär von der Parteipolitik abhängig. Es geht darum, alle verschiedenen Meinungen zusammenzubringen und einen gemeinsamen Konsens zu finden. Ich kann dafür durchaus auch mit jemandem zusammenarbeiten, der ein sozialdemokratisches Gedankengut vertritt. Als Gemeindepräsident werde ich sicher nicht der Hardliner sein.

Bringen Sie ihre politischen Ämter neben Ihrem Beruf überhaupt noch unter einen Hut?
Das Gemeindepräsidium wird etwa 20 bis 30 Stellenprozent ausmachen. Ich habe deshalb schon vorgängig mit meinem Arbeitgeber gesprochen und werde mein berufliches Pensum von heute 100 auf 70 Prozent reduzieren.

Der Jungen SVP bleiben Sie als Sekretär also erhalten?
Vorerst ja. Wie stark mich das Gemeindepräsidium tatsächlich in Anspruch nimmt, werde ich natürlich erst sehen, wenn ich mich eingearbeitet habe.

Parallel kämpfen Sie als Präsident der Interessengemeinschaft Freie Schweizer Wirte noch für eine Aufhebung des Rauchverbots. Trifft man Sie denn überhaupt jemals in einer Wynauer Gaststube an?
Oh, ich schaue schon, dass ich mit Kollegen hin und wieder etwas trinken gehen kann. Zurzeit bin ich zwar mehr in Bern anzutreffen, auch aus beruflichen Gründen. Aber ich hoffe doch, dass ich als Gemeindepräsident auch in der Region wieder vermehrt Anlässe besuchen werde. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.11.2010, 11:39 Uhr

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3 Kommentare

Hans Gmür

16.11.2010, 11:47 Uhr
Melden

Die Weltfremden Linken Theoretiker haben definitiv ausgedient. Jetzt kommen wieder Realos ans Ruder. Weiter so ! Antworten


Diego Frieden

16.11.2010, 14:02 Uhr
Melden

@Gmür: Ja, Herr Gmür, tatsächlich! Die Abschaffung des Antirassismusgesetzes: wirklich toll und klug, nicht wahr! Solche "Realos" (Übrigens, achtung: die Realität ist oft vieeeel komplexer, als das Bild von der SVP und ihren Freunden gemalt wird!) bringen uns züruck in das Mittelalter... Trotzdem wünsche ich Herr Herzig einen guten Mandat und viel Glück. Gut, dass er sich so engagiert. Antworten



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