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SP-Elite beehrt Guerilla-General

Vor kurzem reiste eine Oberaargauer Delegation aus SP-Politikern und Gewerkschaftern in den Kosvo. Dort traf die Reisegruppe auch Agim Ceku. Der kroatische General wird von Serbien der Kriegsverbrechen bezichtigt.

Gruppenbild mit General und Guerillaführer: Agim Ceku (rote Krawatte) posiert im Kosovo mit seinen Besuchern aus dem Oberaargau. Die Reise auf den Balkan machten auch der Roggwiler SP-Grossrat Markus Meyer (5. v. r.) und Gewerkschafter Nazmi Jakurti (2. v. l.) mit.

Gruppenbild mit General und Guerillaführer: Agim Ceku (rote Krawatte) posiert im Kosovo mit seinen Besuchern aus dem Oberaargau. Die Reise auf den Balkan machten auch der Roggwiler SP-Grossrat Markus Meyer (5. v. r.) und Gewerkschafter Nazmi Jakurti (2. v. l.) mit.
Bild: zvg

Computer für Schulen

Zwischen den Gewerkschaftern im Kosovo und dem Oberaargau bestehen seit 15 Jahren enge Bande. Die jüngste Reise einer neunköpfigen Gruppe diente laut Gewerkschafter Nazmi Jakurti humanitären Zwecken. Vor kurzem hatte die Gewerkschaft Unia 100 hier nicht mehr benötigte Computer an Schulen im Kosovo geschickt. Einige dieser Schulen hat die Oberaargauer Delegation aus SP-Politikern und Gewerkschaftern nun besucht. Ein weiterer Grund für die Reise war laut SP-Grossrat Markus Meyer die enge Verknüpfung der Schweiz mit dem Kosovo. Jeder zehnte Kosovare lebt in der Schweiz.

Die Reise hatte es in sich: Am vergangenen Wochenende ist eine Delegation von Oberaargauer Sozialdemokraten und Gewerkschaftern in den Kosovo gereist. Bei ihrer Stippvisite besuchte die Gruppe um den Roggwiler Grossrat Markus Meyer und den Langenthaler Gemeinderat Reto Müller auch einen gewissen Agim Ceku.

UN-Tribunal: keine Beweise

Der 49-jährige Kroate ist auf dem Balkan ein politisches und militärisches Schwergewicht: Ende der 90er-Jahre, nach Beginn der Bombardements der Nato-Truppen in Serbien, übernahm der General die Führung der kosovarischen Guerillatruppe UCK. Nach dem Krieg, im Jahr 2006, wurde Ceku kosovarischer Regierungschef. Dieses Amt unter UN-Verwaltung übte er bis Anfang 2008 aus. Für das kleine Land ist der heutige Chef der kosovarischen Sozialdemokraten ein Volksheld.

Für die Serben hingegen ist der Mann ein Kriegsverbrecher. Das Justizministerium wirft ihm laut der «New York Times» vor, während der Kämpfe im Jahr 1999 für den Tod von knapp 700 Serben verantwortlich zu sein. Schon mehrmals, zuletzt im Jahr 2009, wurde Ceku deswegen verhaftet, jeweils nach kurzer Zeit aber wieder freigelassen. Der UN-Gerichtshof in Den Haag fand keine Beweise für seine angeblichen Gräueltaten.

«Wir haben Beweise»

Das sieht der serbische Botschafter in der Schweiz, Milan St. Protic, allerdings ganz anders. «Wir haben Beweise für Cekus Massaker und Deportationen», behauptet er. Dass der Mann jeweils freigelassen worden sei, liege an der internationalen Gemeinschaft. Offenbar lege diese nicht bei allen Kriegsverbrechern den gleichen Massstab an.

Haftbefehl wird ignoriert

Trotzdem verurteilt Botschafter Protic den Besuch der Oberaargauer bei Ceku nicht. Für die Demokratie im Kosovo sei ein solcher Besuch aus der Schweiz sicher förderlich. Man müsse sich allerdings fragen, warum der frühere Guerillakämpfer heute so mächtig sei. Dass er die sozialdemokratische Partei präsidiert, ist für den Botschafter ein Hohn. «Ceku weiss gar nicht, was Sozialdemokraten sind. Er war sein Leben lang Soldat.»

Solche Aussagen hört Nazmi Jakurti nicht gern. Der gebürtige Kosovare lebt seit 25 Jahren in der Schweiz, er ist Präsident des Gewerkschaftsbundes Oberaargau (GBO) und damit einer der Organisatoren der Kosovoreise. Serbien veranstalte einen «politischen Zirkus», findet Jakurti. Denn das Land habe gegen praktisch jedes kosovarische Regierungsmitglied einen Haftbefehl erlassen. Aber fast alle europäischen Staaten ignorierten dies.

Solch brisante Themen wurden beim Besuch im Kosovo mit Agim Ceku aber gar nicht besprochen, wie SP-Grossrat Meyer sagt. Die Anschuldigungen gegen Ceku stammten ja auch einzig aus der «serbisch-nationalen Küche». Überdies habe der Besuch bei Cekus Partei nur gerade eine Stunde gedauert.

Botschafter verlangt Urteil

Dass die Serben nicht nur Freunde an dem Besuch haben, kann Politiker Meyer verstehen. «Aber jetzt müssen wir in die Zukunft schauen.» Die Schweiz habe ein grosses Interesse an einer stabilen Lage auf dem Balkan.

Das findet auch der serbische Botschafter Protic. Früher oder später werde sich auch der Kosovo in Richtung einer Demokratie bewegen, sagt er. Spätestens dann, betont Protic, wenn Verbrecher wie Ceku verurteilt worden seien. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.06.2010, 09:42 Uhr

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