Reise in das grosse Elend in Haiti

Von Ursula Grütter. Aktualisiert am 12.03.2010

Neun Tage verbrachte Hans Hausammann nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti. Nun referierte der Dozent der Technischen Fachhochschule in Burgdorf über seinen Einsatz zwischen Glück und Pech und Leben und Tod.

Die Ruhe nach dem Beben: Ein Haitianer findet nach der grossen Katastrophe ein wenig Schlaf in einem Karton aus der Schweiz.

Hans Hausammann/zvg

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Sand eignet sich nicht als Betonersatz: Das ist den Absolventen der Technischen Fachhochschule in Burgdorf bekannt. In Haiti wurde dem Beton trotzdem Sand beigemischt. «Wenn man nicht genug Geld fürs Essen hat, fehlen auch die finanziellen Mittel für den Hausbau», sagte Hans Hausammann am Mittwoch bei seinem Referat im «Tech».

Der Statikexperte reiste im Auftrag des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten (Deza) kurz nach dem fürchterlichen Erdbeben nach Haiti. Nach seiner Rückkehr erzählte der Dozent seinen Studierenden und anderen Interessierten, was er in den neun Tagen auf der Insel erlebt hat.

Lakonie des Grauens

Es waren Bilder des Schreckens, die er im Auditorium auf die Leinwand projizierte und mit persönlichen Schilderungen kommentierte. Auf Aufnahmen von Leichen habe er verzichtet, sagte der 62-Jährige; die Fotos von zerstörten Häusern würden für sich sprechen.

«Das hier ist eine Schwesternschule. Jene Gruppe, die am Morgen darin unterrichtet wurde, hatte Glück, die andere nicht», stellte er mit Blick auf eines der vielen Bilder lakonisch fest.

An der Grenze

Fast schien es, als hätte der Referent seine Gefühle in seinem Inneren weggesperrt. In lockerem Ton erzählte er von seinen Aufgaben, die er auf Haiti erfüllte, und von den schwierigen Rahmenbedingungen. Nur in Nebensätzen liess er durchblicken, dass das Erlebte für ihn an der Grenze des Ertragbaren gewesen sein musste.

Etwa, wenn er schilderte, wie er ein Spital auf seine Sicherheit hin überprüft, Diesel für den Ventilator aufgetrieben und dann noch den Ärzten geholfen habe. Nicht alle Patientinnen und Patienten hätten den Operationssaal lebend verlassen. «Das hat den Ärzten zu schaffen gemacht», sagte Hausammann.

«Viel Geduld gebraucht»

Für ihn als Statikexperten sei es «auch nicht immer einfach gewesen, die Leute davon zu überzeugen, dass ihre Häuser noch bewohnbar sind». Es habe «viel Geduld» gebraucht, einem Botschafter beizubringen, dass das Gebäude sehr solide gebaut sei und ohne Probleme genutzt werden könne. Bei den Häusern hätten zwei Kategorien ausgemacht werden können. Die einen seien von Ingenieuren geplant und mit einigem finanziellen Aufwand gebaut worden. Andere hätten Handwerker zum Billigsttarif errichtet. Auch deshalb habe die Katastrophe nicht alle Gebäude gleich getroffen.

«Es fehlt an allem»

Besonders am Herzen lag Hans Hausammann ein Spital in Petit Goâve. Die Anlage wurde nicht gänzlich zerstört und könne wieder aufgebaut werden. «Mit unseren Steuergeldern sollte das doch möglich sein», rief er den Studierenden zu. «Haiti», fasste der Dozent zusammen, «ist ein Land, in dem es an allem fehlt.»

Das Engagement der Schweiz auf Haiti dürfe nicht beendet sein. Jetzt müssten «alle Kräfte in den Wiederaufbau» gesetzt werden – auch in Petit Goâve. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.03.2010, 10:13 Uhr

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