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Rechtspartei gebärdet sich grün

Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 11.08.2010

Die Pnos-Sektion Emmental ortet bei der Burgdorfer Abfallentsorgung Mängel – und ärgert damit Gemeinderat Hugo Kummer.

Noch mehr Abfallsammelstellen – das fordert die Pnos.

Noch mehr Abfallsammelstellen – das fordert die Pnos.
Bild: Thomas Peter

«Auch für uns ein Thema»

Denise Friederich, Vorsitzende der Pnos-Sektion Emmental, bestreitet, dass die Rechtspartei das Thema «Abfall» bloss zu Reklamezwecken vor den politischen Karren spanne. Der Diskussionsbeitrag solle vielmehr auch «ein Denkanstoss für jene sein, die glauben, nationale Politik beschränke sich auf die Migrationsproblematik». Die Pnos beschäftige sich schon lange mit Umweltpolitik. Am Schweizer Fernsehen habe sie, Denise Friederich, kürzlich einen Bericht über die Verwertung von Küchenabfällen gesehen, der sie auf die Idee mit dem Innovationspreis gebracht habe. In Ittigen bestehe bereits eine Biogasanlage, die Küchenabfälle in Strom umwandle. heb

Die Rechtspartei Pnos verbindet man in erster Linie mit Wortmeldungen gegen die multikulturelle Gesellschaft, die Globalisierung und den amerikanischen «Kulturimperialismus». Umso mehr erstaunt es, dass sich die von Denise Friederich präsidierte Sektion Emmental nun mit einem grünen Thema einbringt: In einem Schreiben an den Burgdorfer Stadtrat, den Gemeinderat und die Presse macht die Partei Vorschläge, wie sich die Abfallbewirtschaftung in der Stadt verbessern liesse. Fast scheint es, als habe die vor zwei Jahren gegründete Regionalsektion bewusst ein weltanschaulich unverfängliches und breit interessierendes Thema gewählt, um sich ins Gespräch zu bringen.

Auch Küchenabfälle

Die Stadt Burgdorf bezeichne sich zwar als «innovativ, fortschrittlich und umweltfreundlich», habe in Sachen Abfallentsorgung jedoch Aufholbedarf, schreibt die Pnos in ihrer Mitteilung. Das Abfallkonzept komme der Forderung nach einer möglichst konsequenten Trennung des Müllguts vielfach nicht entgegen. Deshalb schlägt die Partei vor, mehr öffentliche Sammelstellen einzurichten, die Gebührenpflicht für die Grüngutentsorgung wieder abzuschaffen, zusammen mit der Grünabfuhr eine Abfuhr für Küchen-abfälle anzubieten und nebst der Papier- auch eine Kartonsammlung durchzuführen. Weiter sei eine Abfallbroschüre zu erstellen und ein Innovationspreis für die energietechnische Verwertung von Grüngut und Kompost auszuschreiben.

Vom Eisen zum Stoff

Die zentrale Entsorgungsstelle im Stadtbauamt hat die Pnos ebenfalls im Visier. Hier lasse sich zwar vom Alteisen über Karton bis hin zu Textilien alles abgeben; die Öffnungszeiten erschwerten jedoch vielen Berufstätigen das regelmässige Aufsuchen, heisst es im Pressetext.

«Es wäre besser gewesen, wenn sich Frau Friederich zuerst mit uns in Verbindung gesetzt hätte, statt Fehlbehauptungen in die Welt zu setzen», sagt der für die Entsorgung zuständige Gemeinderat Hugo Kummer (SVP) am Telefon hörbar verärgert. Denn was im Communiqué geschrieben stehe, entspreche in grossen Teilen «schlicht nicht den Tatsachen». So habe man ja gerade mit Rücksicht auf die Berufstätigen bereits vor zwei Jahren die zusätzliche Öffnung der Hauptsammelstelle am Samstagmorgen eingeführt. Zudem biete die Stadt seiner Ansicht nach genügend dezentrale Entsorgungsstellen an, so im Meiefeld, im Steinhof, im Lindenfeld, auf dem Viehmarktplatz, im Gyrischachen, beim Coop, bei der Migros und an der Dammstrasse. «Wir sehen im Moment keinen weiteren Bedarf.»

Ist bereits erfüllt

Die Abschaffung der Grundgebühr für die Grünabfuhr wäre zwar wünschenswert, räumt Kummer ein, sei aber kein Thema. Diese Abfuhr müsse kostendeckend erfolgen – «ich wüsste nicht wie, wenn nicht über die Gebühren». Und die von der Pnos geforderte Abfallbroschüre gebe es bereits und gelange jedes Jahr in die Haushaltungen. Der Ruf nach einer Kartonsammlung erfolge ebenfalls unbegründet: «Der Karton wird zweimal jährlich gesammelt, heuer erstmals; damit setzen wir einen Vorstoss der SP um.»

Bleibt noch die von der Pnos angeregte Abfuhr der Küchenabfälle. Hugo Kummer könnte sich halbwegs vorstellen, über diesen Punkt zumindest zu diskutieren, wobei: «Küchenabfälle wollen wir nicht in der Grünabfuhr – wegen des Geruchs und der Flüssigspuren, die das Fahrzeug durch die Quartiere zöge.» Dies schreibt Kummer in seinem Antwortmail an Denise Friederich, in dem er auch festhält: «Die Stadt Burgdorf bezeichnet sich nicht nur als innovativ, fortschrittlich und umweltfreundlich, sie ist es auch.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.08.2010, 09:07 Uhr

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