Region
Rauchverbot: Viele Wirte schütteln den Kopf
Von Herbert Rentsch. Aktualisiert am 31.03.2009 20 Kommentare
«Fumoir bringt uns nichts»: Das Ehepaar Kirmizitas sowie Hediye Yildirim (Mitte) von der «Sonne» sehen in der neuen Regelung wenig Sinn. (Bild: Thomas Peter)
«Vorteil für alle»: Alois Knüsel (links) und Roger Heutschi vom «Schuetzenhouse» haben kein Problem mit dem Rauchverbot. (Bild: Thomas Peter)
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«Die Diskussionen laufen sehr heiss», weiss Béatrice Schmid, Präsidentin des Wirteverbandes GastroBern, Sektion Oberaargau. Die Ungewissheit unter Wirten und Pächtern ist offensichtlich gross, Ängste machen sich breit. Denn ab 1. Juli 2009 darf im Kanton Bern in Restaurants nicht mehr geraucht werden – ausser in abgetrennten Raucherräumen, so genannten Fumoirs.
Stark betroffen vom neuen Gesetz seien vor allem traditionelle Gasthöfe auf dem Land, glaubt Béatrice Schmid. «Die Gaststube mit dem Stammtisch ist das soziale Netzwerk vieler Gäste. Und zum Bier gehört für die meisten eine Zigarette oder eine Zigarre.» Dort Fumoirs einzurichten sei schwierig, gibt Schmid zu bedenken, denn oft sei es räumlich kaum machbar und auch zu teuer.
Existenz bedroht?
Die grosse Befürchtung der Wirte: Gäste bleiben weg oder brechen früher auf, die Umsätze gehen zurück. «Mit dem Rauchverbot ist die Existenz vieler Kleinbetriebe bedroht», prophezeit Wirtepräsidentin Béatrice Schmid, die selbst im Familienbetrieb, dem «Sternen» Herzogenbuchsee, mitarbeitet.
Auch Alex Schweizer, Pächter des Restaurants Brauerei in Madiswil, hat keine Freude an den neuen Vorschriften aus Bern. «Das ist ein Problem, viele Wirte laufen schon heute am Limit.» Er glaubt, 25 bis 30 Prozent der Beizen müssten mittelfristig wegen des Rauchverbots schliessen. Für Schweizer ist klar: Er wird Einsatzeinbussen hinnehmen müssen. In der «Braui» Madiswil existiert zwar schon ein Nichtrauchersaal, auf den 70 Gaststubenplätzen dagegen darf geraucht werden. Nun versucht Schweizer, ein Fumoir einzurichten. Aber: «Den Stammtisch kann man nicht verschieben, der gehört in die Gaststube.» Schweizer befürchtet, dass ohne Rauchmöglichkeit die Stammtischgäste wegbleiben.
Probleme mit der Bar
Pläne für ein Fumoir werden auch in der «Sonne», Herzogenbuchsee, geschmiedet. Eigentlich finden die Wirtsleute dies jedoch unnötig. Denn der jetzige Raucherraum beeinträchtige den bestehenden Nichtraucherteil nicht, weil Eingangsbereich und Pizza-Ofen dazwischen liegen, sagt Mitbesitzerin Hediye Yildirim. «Der Bau eines Fumoirs ist eine Investition, die gar nichts bringt.» Mehr Kopfzerbrechen bereitet in der «Sonne» ohnehin die Buxta Bar im Keller: «Von den Gästen dort sind über 90 Prozent Raucher», weiss Wirtin Gülüsan Kirmizitas. «Was wir in der Bar machen können, wissen wir nicht, da haben wir noch keine Lösung.»
Daniel Beyer, Pächter der «Traube» in Langenthal, ärgert sich nicht zuletzt über den Ablauf der Gesetzesänderung: «Das ist überstürzt, zwei, drei Monate reichen nicht für die Umstellung.» In der «Traube» – für viele eine Treffpunkt-Beiz – kann Beyer kein Fumoir einrichten. «Ich werde ein Dächlein vors Haus montieren, damit dort geraucht werden kann.»
Beyer rechnet zwar nicht mit einer frappanten Umsatzeinbusse, befürchtet aber dennoch eine Abwanderung von Gästen. «Das einzig Positive ist, dass es im Sommer beginnt, wenn die Raucher draussen sein können.»
Gerade der wärmeren Temperaturen wegen macht sich Alois Knüsel, Verwaltungsratpräsident des Ausgehlokals «Schuetzenhouse», keine Sorgen: «Wir haben einen grossen, bewirteten Aussenbereich. Dort können die Gäste trotzdem rauchen.»
«Langfristig ein Vorteil»
Das Verbot sei für ihn «kein Problem», sagt Nichtraucher Knüsel. «Ich freue mich sogar. Denn langfristig ist es ein Vorteil für alle.» Auf seiner Galerie im Lokal wäre gar ein Fumoir machbar. Doch im Voraus will der «Schuetzenhouse»-Chef nichts planen. «Wir werden uns anpassen, wenn wir Erfahrungen gesammelt haben.»
(Berner Zeitung)
Erstellt: 31.03.2009, 08:19 Uhr
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20 KOMMENTARE
@Hans Zimmermann: In Italien ist in allen Gartenrestaurants das Rauchen erlaubt und ist witterungsbedingt nicht mit der Schweiz vergleichbar. In Finnland hat es in den meisten Restaurants auch Raucherecken. Es braucht in der Schweiz von beiden Seiten mehr Toleranz und es würde funktionieren.
Ich arbeite als Servicefachfrau in einem Restaurant weshalb kann nicht jeder Wirt slbst entscheiden was er will???Wo sind wir eigentlich???Wir haben seit 5 Jahren ein Nichtraucher-Sääli das NIE benutzt worden ist ! Jetzt haben die Wirten die es sich überhaupt noch leisten können,sehr hohe Auslagen und in einem Jahr sieht wieder alles anders aus!!NUR EINE VERDUMMUNG DER MENSCHHEIT
@A. Mori: In einer freien Demokratie entscheidet der Souverän. Er kann im Prinzip alles erlauben oder verbieten, er kann theoretisch sogar die Demokratie abschaffen. Solange er sich an die Verfassung hält, müssen alle Massnahmen verhältnismässig sein, d. h. der Souverän darf die individuelle Freiheit nicht unverhältnismässig einschränken. Ein allg. Rauchverbot ist unverhältnismässig, da unnötig.
@Ben Palmer: Auch in einer freien Demokratie ist nicht alles was erlaubt ist überall erlaubt. Beispiele: Schiessen nur im Schiessstand. Das Rauchen wird mit dem Gesetz nicht verboten - es wird aber geregelt wo es erlaubt oder eben nicht mehr erlaubt ist. Ach ja, im 18 Jahrh. war es in Bern komplett verboten zu rauchen. So weit muss es ja nicht kommen - die Raucher müssen nur die Regeln tolerieren.
freue mich schon auf die ganz schlauen, die dann vor der beiz sitzen mit ihrem im coop gekauften trägerli bier und genüsslich am stengel ziehen werden.
Als die SBB die Züge rauchfrei machte gab es einen riesen Aufschrei im Land.Frage wer weiss noch ,wann die Züge rauchfrei wurden?Eben heute ist es so normal wie das einkaufen im Supermarkt nämlich ohne Zigarette. So wird es auch in den Beizen sein in 6 Monaten ist es das normmalste der Welt das mann fürs rauchen nach draussen oder in einen nebenraum geht.
@Ernst Keller " ...wieder zu Fuss ins nächste Nichtraucherlokal gehen"? Wie schön, dass Sie Ihren eigenen Vorteil gerne gesetzlich zugesichert haben. Möglicherweise wird aber gerade dieses Lokal aus wirtschaftlichen Gründen eines Tages schliessen. Haben Sie dagegen schon ein Gesetz in Vorbereitung?
@Ernst Keller " ...wieder zu Fuss ins nächste Nichtraucherlokal gehen"? Wie schön, dass Sie Ihren eigenen Vorteil gerne gesetzlich zugesichert haben. Möglicherweise wird aber gerade dieses Lokal aus wirtschaftlichen Gründen eines Tages schliessen. Haben Sie dagegen schon ein Gesetz in Vorbereitung?
Wenn der Wirt des Schuetzenhouse nur seine Rechnung nicht ohen den Wirt gemacht hat. Mit der Forderung nach einem allgemeinen Rauchverbot schliesst er sich selbst eine Marktlücke: Statt als einziges Nichtraucherlokal in der Gegend alle Nichtraucher (die stehen doch schon in den Startlöchern, wie einige Kommentatoren hier) anzuziehen, muss er nun die Nichtraucher mit anderen Baizen teilen.
@Alain Mori: Gesetze einhalten, ja, aber nur wenn sie den Grundsätzen einer freien Demokratie entsprechen. Neue Gesetze erfinden, die diese Freiheiten einschränken und jede Verhältnismässigkeit vermissen lassen, nein. Eine Lebensmittelverordnung ist kein Verbot einer legalen Betätigung, ein Rauchverbot wohl.
Und in Deutschland funktioniert das Rauchverbot eben nicht. In Düsseldorf gibt es nur Raucherclubs. Die Umsatzeinbuße war zu groß. Uns so wird es auch hier sein. Wenn die Wirte sich nicht wehren enden sie in der Katastrophe. England und Irland leiden unter dem Rauchverbot. Und überhaupt bitte keine Bevormundung des freien Bürgers. Nichtraucher warum eröffnet ihr keine Nichtraucherbeizen?
Statt immer nur zu jammern was für riesige finanzielle Einbussen die Wirte und Pächter wegen des bevorstehenden Rauchverbots erleiden, täten diese besser daran nach anderen verträglichen Lösungen zu suchen. Andere Länder wie Italien, Finnland usw. haben es uns schon lange vorgemacht, dass es auch ohne Rauchen geht. Weshalb sollte dies bei uns nicht möglich sein.
Gewerbefreiheit ist die grundsätzliche Freiheit sich gewerblich zu betätigen. Das dabei die Gesetze eingehalten werden müssen ist klar. Es gibt ja auch eine Lebensmittelverordnung an die sich Wirte halten müssen. Jammert da einer deswegen? Es müssen schon armselige Geschäftsleute sein deren einziges Kapital scheinbar ein Aschenbecher ist.
Die Rechnung geht nicht auf, liebe Wirte. Die Raucher können ja nicht ausweichen, sie werden das Bier bei euch trinken und die Zigarette vor eurer Tür rauchen. Auch Freddy Luger wird es spätestens dann zu langweilig, wenn sein Palett Bier fertig ist, und er wird wieder im Restaurant sitzen. Ein Restaurant ist mehr als Dosenbier und eine Zigi.
Ein berühmter schweizer Fussballtrainer sagte einmal über einen gegnerischen Spieler: "... das isch e Gränni!". Genau gleich denke ich über all die Wirte, die sich nun immer häufiger an den zahlreichen Journalistenschultern ausweinen! Zum Glück gibt es immer mehr Wirte, die ihre Gastfreundschaft frauchfrei anbieten!
Kein anderer Gewerbezweig hat je einen derartigen Einschnit in die Gewerbefreiheit verkraften müssen. Der Umgang mit einer Minderheit ist einer einigermassen freien Gesellschaft, wie der unsrigen nicht würdig. Das Diktat des States und seiner Weltverbesserer steigt langsam ins unerträgliche. In einer sich anbahnenden Kriese hunderte von Arbeitsplätzen aufs Spiel zu setzen, ist unverantwortlich.
werde mir auf den 1. juli hin ein palett bier dosen online bei coop bestellen sie in den keller tun, denn feierabend bier ohne zigi im restaurant nicht mir mir.wie wäre es doch einfach raucher und nichtraucher restaurants jeder wirt kann entscheiden was er sein möchte.
@Beat von Känel: Lieber Beat, wir werden sehen, ob deine Zusatzausgaben (und die deiner Artgenossen) ausreichen, um die Mindererträge der Raucher zu kompensieren. In GB und in anderen Ländern war dies zum Nachteil der Gastronomie leider nicht der Fall. @Nichtraucher Knüsel: Was ihr mit den Rauchern macht, ist Eure Sache. Schade nur, ein so schönes Haus Schuetzenhouse zu nennen.
Und ich schüttle den Kopf über die Wirte. Wieviel Geld habe ich bisher NICHT ausgegeben, weil ich mein Essen nicht in einem verrauchten und verstunkenen Lokal einnehmen will? Weil ich nicht wie ein Aschenbecher riechen will, wenn ich nach Hause komme. Wenn die Wirte noch nicht gemerkt haben, dass nicht mehr im Gesicht eines jeden Gastes ein Rösslistumpen steckt, dann geht es ihnen wie den Sauriern
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