Ratten vertreiben ein Mieterpaar
Von Johannes Hofstetter. Aktualisiert am 26.08.2010 1 Kommentar
Gifte wirken nicht mehr
Viele Mittel, die gegen Ratten früher todsicher wirkten, haben ihre Wirkung im Lauf der Jahrzehnte verloren: Dieses für von Ratten geplagte Zeitgenossen beunruhigende Fazit zogen 120 Wissenschaftler an einer internationalen Tagung der deutschen Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft. Bei Ratten in England und Deutschland wurde festgestellt, dass sich das Erbgut der Tiere so verändert hat, dass die Gifte den kleinen Körpern nichts mehr anhaben können.
Die Arbeit der Rattenbekämpfer werde durch den Umstand erschwert, dass die kleinen Säuger sehr clever seien: Ratten wüssten relativ schnell, welcher Köder den Tod eines Artgenossen hervorgerufen habe – und würden ihn dann verschmähen.
Um die Tiere zu überlisten, sollen nun vermehrt langsam wirkende Gifte eingesetzt werden: «Dann bringen die Ratten Ursache und Wirkung nicht mehr zusammen», sagte ein Wissenschaftler.
Die Ansichten gehen weit auseinander: Peter Sommerfeld, der Mieter einer Wohnung an der Mühlegasse 4 in Burgdorf, behauptet, mit der Rattenplage in «seinem» Haus werde es immer schlimmer. Hans Rudolf Frei, der die Liegenschaft im Namen ihrer Besitzerin, der Hermann Dür AG, verwaltet, unternehme jedoch so gut wie nichts, um die Nager ein für allemal zu beseitigen. «Ein paar Mal kam ein Kammerjäger vorbei. Aber der sagte lediglich, da könne man kaum etwas machen», erinnert sich Sommerfeld.
Frei seinsereits versichert, von «so gut wie nichts tun» könne keine Rede sein. Einerseits habe er tatsächlich schon mehrfach einen Ungezieferbekämpfer vor Ort geschickt. Dieser habe Fallen aufgestellt, wodurch sich «einige Tiere» vernichten liessen. Andere Ratten, räumt Frei ein, liessen sich nur vorübergehend vertreiben.
Die Stadt im Kampfeinsatz
Darüber hinaus, fügt Frei an, habe er die Burgdorfer Stadtverwaltung über die Säuger am Mühlebachkanal ins Bild gesetzt. Das Bauamt habe daraufhin im ganzen Quartier «Bekämpfungsaktionen» durchgeführt. Wenn Sommerfeld sage, er, Frei, kümmere sich nicht um die Ratten, sei das einigermassen «erstaunlich».
Peter Sommerfeld und seine Frau Dominique leben seit anderthalb Jahren im ersten Stock des von aussen unauffälligen Gebäudes. Zuvor wohnte seine Gattin drei Jahre lang alleine – aber ebenfalls in Gesellschaft von Ratten – in diesen Räumen. Weder von der Mieterin des Ladens im Parterre noch vom Mieter des Dachgeschosses hat Verwalter Frei je eine Klage über tierische Mitbewohner gehört. Auch Peter Sommerfeld sagt, dass er und seine Frau wohl die einzigen Parteien in dem Haus seien, die von Ratten heimgesucht würden.
«Eigentlich unbewohnbar»
Nun das hat Ehepaar die Wohnung auf Mitte Oktober gekündigt. «Dieses Haus», sagt Sommerfeld, «ist unbewohnbar.» Die Ratten seien überall: «Wir hören sie zwischen den Wänden umherrennen. Meine Frau sieht sie über den Boden huschen. Ein Besucher entdeckte eine Ratte im Schrank.» Die Schäden seien bald nicht mehr zu zählen: «Die Waschmaschine mussten wir wegen der Ratten ebenso ersetzen wie einen Herd und praktisch neuwertige Möbel.»
Mit einer Renovation der Wohnung könne der Fall nicht gelöst werden, glaubt der Elektromonteur: «Man müsste bis auf die Fassade alles abreissen und eine Kernsanierung machen.»
Kein Mensch ruft an
Noch vor ihrem Umzug nach Sumiswald werden Sommerfelds den Fall ihrem Anwalt übergeben. Im Moment seien sie auf der Suche nach einem Nachmieter. «Die Leute, denen wir die Wohnung gezeigt haben, versprachen, sie würden sich wieder melden. Doch angerufen hat kein Mensch.»
Hans Rudolf Frei sagt, mehr als das, was er bereits getan habe, könne er nicht unternehmen. Er wisse nicht einmal genau, woher die Tiere kämen. Eine Vermutung habe er allerdings: Der Kammerjäger habe ihm gesagt, es sei «unglaublich, was manche Leute über die Kanalisation entsorgen».
Ob auch die Sommerfelds ihre Esswaren auf diesem Wege weggespült haben, wisse er nicht, sagt Frei. Aber «dass Ratten in erster Linie dort auftauchen, wo sie etwas zum Fressen finden – das ist eine Tatsache». (Berner Zeitung)
Erstellt: 26.08.2010, 08:29 Uhr
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1 Kommentar
Ich kann den Sommerfelds nachempfinden, ich war nämlich ebenfalls Mieterin dieser Liegenschaft. Dass die Hermann Dür AG sich kein Bein ausreisst, das Problem seriös zu beheben, kann ich ebenfalls bestätigen. Zu meiner Zeit, wurde die Löcher in den Wänden etc. auch schon mal mit Zeitungspapier "ausgestopft", sehr effektiv. Aber es ist halt einfacher, die Schuld den Mietern zuzuschieben. Antworten
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