Pierre Mettraux hat die Nase voll
Von Hans Herrmann. Aktualisiert am 01.02.2012 2 Kommentare
Da stand er noch im Amt: Gemeinderat Pierre Mettraux 2009 bei der Präsentation des von ihm geschaffenen Heimiswiler Logos. (Bild: Thomas Peter)
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Pierre Mettraux ist Künstler und hat sich unter anderem mit seinen Riesenostereiern, den Expo-Figuren, den Weihnachtsengeln und der bemalten Staumauer auf der Grimsel einen Namen gemacht. Als er 2006 in seiner Wohngemeinde Heimiswil als Unabhängiger in den Gemeinderat gewählt wurde, blickte man gespannt auf die kommenden Dinge: Wie würde sich der spontane, kreative, aber auch eigenwillige Künstler auf dem politischen Parkett bewegen?
Mettraux engagierte sich, hatte Ideen, tat seine Arbeit. Von aussen deutete nichts auf Unstimmigkeiten im Rat hin. Bis gestern per E-Mail die überraschende Nachricht kam: «Rücktritt als Gemeinderat mit sofortiger Wirkung! Die publizierte Grundhaltung des Gemeinderates Heimiswil sowie die Legislaturziele kann ich mit meiner persönlichen Haltung nicht mehr vereinbaren. Meine Vertrauenswürdigkeit, Teamfähigkeit und Gesprächskultur sind von einzelnen Gemeinderäten infrage gestellt worden.»
«Hin- und Herschieben»
Auf telefonische Anfrage wird Mettraux ausführlicher. Er habe als Zugezogener einfach merken müssen, dass man nie Heimiswiler werden könne, sagt er. Ihm hätten im Gemeinderat generell die Akzeptanz und der Rückhalt gefehlt. So sei er mit seiner direkten Art angestossen, manche Ratskollegen hätten seine Äusserungen und seine Kritik – «die stets sachbezogen und dossiersicher waren» – persönlich genommen. Überhaupt erlebe er den Gemeinderat als zaghaftes Gremium, das Geschäfte hin- und herschiebe, um nur ja keine unpopulären Entscheide fällen zu müssen.
Damit spricht er das Thema Werkhof an. Letztes Jahr liess der Gemeinderat die Organisation des Werkhofs überprüfen; die damit betraute Firma führte auch eine Bevölkerungsbefragung durch. Die 720 Heimiswiler Haushalte erhielten einen Fragebogen, deren 143 kamen ausgefüllt zurück. «Statt die Bürger, die am Thema offensichtlich interessiert sind, über die Ergebnisse und die geplanten Massnahmen zügig ins Bild zu setzen, vertröstet man sie im aktuellen Gemeindeblatt mit ein paar allgemeinen Äusserungen auf die Gemeindeversammlung vom Juni», ärgert sich Pierre Mettraux. Von einem Gemeinderat, der in seinem Leitbild von «offener Kommunikation» spreche, erwarte er ein anderes Verhalten.
Bildung als «Bodenschatz»
Dann schlägt Mettraux auch noch einen Bogen zu seinem Ressort, der Bildung. Wolle man die Einwohnerinnen und Einwohner im ländlichen Heimiswil halten, müsse man zu dem, was man zu bieten habe, Sorge tragen. «Unser einziger Bodenschatz ist die Bildung.» Derzeit gelte es, das Schulraumproblem in der Gemeinde zu lösen. Dazu müsste man 1 bis 1,5 Millionen investieren – «das sind einfach Tatsachen». Statt ihnen ins Auge zu blicken, verzettle sich der Gemeinderat lieber in mehrstündigen Sitzungen auf Nebenschauplätzen. «Da kann und will ich nicht mehr mitmachen.»
Mettraux gibt zu: «Es war auch Persönliches im Spiel, zwischen einzelnen Ratsmitgliedern und mir hat es einfach nicht funktioniert.» Daraus wolle er aber keine öffentliche Geschichte machen. Er bedaure seinen Rücktritt in gewisser Weise, nicht zuletzt wegen der Leute, die ihn zweimal gewählt hätten. Und immerhin habe er in der Gemeinde ja auch etwas bewirkt: Er habe – noch als Ressortvorsteher Umwelt und Sicherheit – die ökologische Vernetzung der Gemeinde vorangebracht, und auch der neue Auftritt der Gemeinde inklusive Logo und Homepage gehe auf sein Konto. Die Gewerbeausstellung Hega trage ebenfalls seine Handschrift, und der Ehrung verdienter Gemeindebürger habe er ein neues Gesicht gegeben.
Leuenberger bedauert
Auch Gemeinderatspräsidentin Erika Leuenberger bedauert den Schritt von Pierre Mettraux. «Ich hätte mir keine solche Wendung gewünscht», sagt sie. Auf der anderen Seite habe man Mettraux’ Entscheidung zu respektieren. Der Rat werde über die Demission reden und möglichst rasch eine Medienmitteilung versenden. Was die von Mettraux bemängelte Informationspolitik in Sachen Werkhof anbelange, so werde die Bevölkerung im Juni umfassend informiert. «Wir sind einfach noch nicht so weit.» Als Unabhängiger trat Pierre Mettraux im Herbst 2010 mit eigener Liste zu den Gemeindewahlen an. Sie nannte sich «Die andere Liste» und führte nebst ihm selber auch noch Stefan Jost. Dieser könnte nun nachrücken, ist aber noch nicht entschlossen: «Grundsätzliches Interesse ist da, aber ich brauche noch ein paar Tage Bedenkzeit», äussert er sich dazu. (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.02.2012, 06:13 Uhr
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2 Kommentare
Den Rücktritt von Pierre Mettraux bedauere ich sehr - aber ich verstehe ihn auch. Es ist immer ein schwieriger Weg als (Exekutiv)-Politiker das Richtige zu tun und es populär zu machen. Das braucht Kraft und eine dicke Haut. Die meisten Politiker klopfen lieber die öffentliche Meinung ab und tun dann das Populäre. Schade für diesen "Bodenschatz". Antworten
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