Ohne den Hohgant geht es nicht
Von Markus Zahno. Aktualisiert am 18.11.2011 3 Kommentare
Der Hohgant: Mächtig bewacht er die Grenze zwischen dem Emmental und dem Oberland. Dass er dem Hohgant-Käse, dem Hohgant-Bier, den Hohgant-Strickwaren und diversen anderen Produkten seinen Namen gibt, zeigt, wie wichtig er ist.
Seine Bedeutung widerspiegelt sich auch in der Bezeichnung «Naturpark Thunersee-Hohgant». Vor zwei Jahren stimmten 18 Gemeinden über den Beitritt zu diesem Gebilde ab, das Naturschutz und Wirtschaftsförderung verbinden soll und finanzielle Unterstützung von Bund und Kanton bringt. Neue Vorschriften würden mit dem Park keine geschaffen, betonten die Verantwortlichen immer wieder. In den meisten Gemeinden liess sich das Volk überzeugen und stimmte Ja. In Sigriswil und Habkern traute man der Sache aber nicht und sagte wuchtig Nein. Unter diesen Umständen machten die Gemeinderäte von Oberlangenegg, Wachseldorn und Fahrni eine Kehrtwende und wollten nun ebenfalls aussteigen. Was wiederum bedeutete, dass Buchholterberg und Oberried geografisch vom Parkgebiet abgeschnitten waren und sich gezwungenermassen verabschiedeten.
Einmal Ja, einmal Freigabe
Bis zum 7.Dezember stimmen die verbliebenen 11 Gemeinden nun ein zweites Mal über den Naturpark ab – diesmal in verkleinerter Form. Den Anfang machen nächsten Freitag Schangnau und Röthenbach. Wie es wohl ausgeht? Der Röthenbacher Gemeindepräsident Ruedi Megert gibt sich zurückhaltend: Aus dem Oberland sei tüchtig gegen den Park lobbyiert worden, sagt er, entsprechend sei er «nicht sicher, ob die Leute jetzt noch zustimmen». Der Gemeinderat sei aber nach wie vor vom Nutzen dieses Projekts überzeugt. «Der Naturpark ist ein Vermarktungsinstrument, eine Hilfe für all jene, die Eigeninitiative zeigen», sagt Megert. Deshalb empfehlen er und seine Ratskollegen der Gemeindeversammlung ein Ja.
Der Gemeinderat Schangnau dagegen hat Stimmfreigabe beschlossen. «Bei uns wurde die Diskussion vor zwei Jahren fair geführt», erklärt Gemeindepräsident Ernst Aegerter. Die Argumente pro oder kontra Parkbeitritt hätten sich seither nicht geändert – dass Gemeinden wie Wachseldorn und Oberlangenegg nicht mehr dabei seien, sei nicht matchentscheidend. Aegerter persönlich hofft aber nach wie vor auf ein Ja, denn die Vermarktung der Region sei wichtig. Zudem sei der Hohgant, der grösstenteils auf Schangnauer Boden stehe, ein Kernstück des Naturparks. «Würde er wegfallen, wäre das ein Problem.»
Die letzte Chance?
Das bestätigt auch Bruno Käufeler, Projektleiter des Naturparks Thunersee-Hohgant. «Schangnau ist ein wichtiger Ort mit treibenden Kräften und innovativen Angeboten», sagt er. «Schon allein deshalb wäre eine Ablehnung dort ein grosser Verlust.» So oder so sei es aber kaum verkraftbar, wenn eine der 11 verbliebenen Gemeinden Nein stimme. «Der Bund gibt uns das Naturparklabel nur dann, wenn das Gebiet genau so bleibt.» Falls eine weitere Gemeinde abspringe, könne man zwar ein dritten Anlauf nehmen, erklärt Bruno Käufeler. Die Wahrscheinlichkeit, dass es doch noch klappe, werde aber mit jedem Mal kleiner. «Irgendwann wäre es dann Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.»
Mit anderen Worten: Die elf anstehenden Abstimmungen sind die wahscheinlich die letzte Chance für den Naturpark Thunersee-Hohgant – für das Projekt, welches das Emmental und das Oberland über den Hohgant hinweg verbindet. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.11.2011, 07:00 Uhr
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3 Kommentare
Muss die ganze Natur der Wirtschaftlichkeit zum Opfer fallen? Immer mehr wird in die Natur reingepfuscht, der Geldgier wegen. Kein Wunder gibt es immer mehr Naturkatastrophen. Sollen sich kommende Generationen dann mit Zertifikaten freikaufen? Wie mit den CO2 und anderen Abgaben. Wird kaum funktionieren, denn die Natur ist nicht käuflich. Antworten
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