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Neue Filzvorwürfe an Behörden
Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 15.09.2009
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In Thunstetten hängt der Haussegen schief: Letzte Woche wurde bekannt, dass Anna Burkhardt mit zwei Mitstreitern eine Beschwerde gegen die Vormundschaftskommission eingereicht hat. Burkhardt, Kandidatin der Unabhängigen Bürger für die kommenden Wahlen, warf der Kommission und insbesondere deren Sekretär Hanspeter May Vetternwirtschaft bei der Vergabe von Plätzen für Pflegekinder vor (wir berichteten).
Doch das ist nicht die einzige Beschwerde: Wie Recherchen dieser Zeitung ergeben haben, steht auch die Schulkommission in der Schusslinie: Gegen dieses Gremium ist ebenfalls eine Beschwerde hängig. Betroffen sind davon auch die Schulleitung und ein Lehrer.
«Unzufriedene Eltern»
Gemeindepräsident Markus Quaile (FDP) bestätigte gestern die Beschwerde. Es handle sich um einen «Vorwurf von unzufriedenen Eltern», sagte er. Sie monierten, in der Schule laufe nicht alles rund. Mehr wollte er nicht verraten. Obwohl die Beschwerde bei der kantonalen Erziehungsdirektion eingegangen ist, obliegt es dem Thunstetter Gemeinderat, die Untersuchung zu führen. Quaile betonte aber: «Wir nehmen die Beschwerde sehr ernst.» Die bisherigen Gespräche seien gut verlaufen.
Die Beschwerde gegen die Vormundschaftskommission hingegen ist Sache des Regierungsstatthalteramts Aarwangen. Der happigste Vorwurf: Finanzverwalter May schanze seiner Frau, die in Langenthal das sozialtherapeutische Heim Oberlimatte leitet, Pflegekinder zu. May ist in Thunstetten nicht nur Finanzverwalter, sondern auch Sekretär der Vormundschaftskommission. Für die Gemeinde arbeitet er 80 Prozent, 20 Prozent im Heim Oberlimatte.
Der Vorwurf der Verfilzung erhielt gestern neue Nahrung. So berichtete die Bützbergerin Tabea S.* von ihren drei Buben, die während vier Jahren in einem Heim im Kanton Solothurn untergebracht waren. Ärzte und Heimleiter entschieden vor kurzem, die Buben sollten wieder bei der Mutter in Bützberg leben. Trotz dieses Entscheids aus Solothurn habe Hanspeter May aber ein weiteres Gutachten verlangt, sagte Tabea S. Im Nachhinein habe er dann eingestanden, es sei «ein Versehen» gewesen. Und nun müssten ihre Buben «gegen meinen Willen» die Kita Oberlimatte besuchen. «Die Behörden nehmen mich nicht ernst», klagt die Mutter.
Die Untersuchung läuft
Zu den Vorwürfen wollte sich gestern nur Gemeindepräsident Quaile äussern: Dass die drei Buben gegen den Willen der Mutter die Kita Oberlimatte besuchten, könne er sich nicht vorstellen. Und zum Gutachten meinte er: Als Sekretär der Vormundschaftskommission leite May weder die Sitzungen, noch könne er mitbestimmen. Also könne er auch kein Gutachten in Auftrag geben. Zudem betonte Quaile erneut: «Den Entscheid, wo Pflegekinder platziert werden, fällt der regionale Sozialdienst Aarwangen.» Die Vormundschaftskommission stelle bloss Anträge.
Ob alles mit rechten Dingen abgelaufen ist, wird sich zeigen: Denn genau diese strittige Platzierung von Kindern nimmt das Statthalteramt nun unter die Lupe. Dies sagte der stellvertretende Statthalter Thomas Biedermann. Beim regionalen Sozialdienst Aarwangen war indes niemand für eine Stellungnahme erreichbar.
*Name der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.09.2009, 08:39 Uhr
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