Region
Nein zum Zubringer, Ja zum Dorf
Von Kathrin Holzer. Aktualisiert am 19.09.2009
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Ein Autobahnzubringer Oberaargau, der Aarwangen umfährt und den Schnellverkehr schneller an seine Ziele in Langenthal und Bützberg bringt: Das wollen Vertreter von Politik und Wirtschaft im Oberaargau seit über dreissig Jahren. Dennoch kommt das Projekt nur schwer voran. Frühestens Ende Jahr entscheiden National- und Ständerat, ob der Zubringer ins Nationalstrassennetz aufgenommen und die Finanzierung des 170-Millionen-Franken-Projekts somit gesichert wird. Lehnt das Bundesparlament dies ab, bleiben Finanzierung und Umsetzung des Projekts – und damit auch eine Entlastung der Ortsdurchfahrt Aarwangen – weiter vage Vision.
Für die Gegner des Zubringers ist die Umfahrung deshalb keine Lösung. Die Verkehrssituation in Aarwangen müsse jetzt entschärft werden, fordern sie – unabhängig von einem allfälligen Bau des Zubringers. Als «Netzwerk Verkehr» haben Vertreter von SP, Grünen, WWF, Pro Natura und VCS deshalb an Lösungsvorschlägen für das Verkehrsproblem gearbeitet. Gestern haben sie ihre Ideen in Aarwangen den Medien vorgestellt.
Ein Gesicht für «Null+»
Herzstück ihrer Arbeit: eine Broschüre, erarbeitet vom Roggwiler Verkehrsplaner Daniel Grob, die die Problemzonen entlang der Ortsdurchfahrt analysiert und erste konkrete Lösungsansätze für die verschiedenen Bereiche und Bedürfnisse aufzeigt. «Mit der Broschüre geben wir der Variante ‹Null+› ein Gesicht», erklärt der Präsident der VCS-Regionalgruppe Oberaargau-Emmental und Huttwiler Gemeinderat Adrian Wüthrich (SP).
Die Variante «Null+», eine von drei Varianten im Zusammenhang mit dem Autobahnzubringer, sieht an Stelle einer Umfahrung Aarwangens eine Sanierung der Ortsdurchfahrt vor, um Gefahrenstellen zu minimieren und die Attraktivität des Dorfes trotz hohen Verkehrsaufkommens von täglich rund 12000 Fahrzeugen zu steigern.
Doch, kritisiert Wüthrich, nur eine Westumfahrung Aarwangens werde – obwohl vom Kanton als nicht wirtschaftlich beurteilt – von der Planungsvereinigung Region Oberaargau weiter als die Wirtschaftsförderungsmassnahme angepriesen. Wüthrich: «Das stimmt vielleicht für ein paar Unternehmen, aber nicht für die Mehrzahl der Bevölkerung.» Gemeinde und Region hätten sich beim Kanton, der für die Ortsdurchfahrt verantwortlich ist, deshalb längst einsetzen müssen für eine Sanierung. «Aber man lässt die Aarwanger weiter leiden, um den Zubringer zu erzwingen.»
Mit seiner Broschüre, die nun in Aarwangen, Bannwil, Bützberg, Langenthal und Schwarzhäusern verteilt wird, wolle das «Netzwerk Verkehr» die Bevölkerung deshalb selber für andere Lösungen sensibilisieren, erklärt Anna Aeberhard, Stadträtin und Präsidentin der Grünen Langenthal. «Es geht uns dabei nicht um ein Entweder-oder.» Denn auch der Zubringer sehe Massnahmen in Aarwangen vor. Es mache aber keinen Sinn, damit zu warten, bis eine Umfahrung allenfalls endlich gebaut werde.
Billiger, schneller, effizient
Verkehrsplaner Grob hält fest: «Auch bei weniger Verkehr bleiben die Sicherheitsprobleme in Aarwangen bestehen.» Denn nicht die Verkehrsmenge sei das grösste Problem, sondern das Verkehrsverhalten. Und dieses sei Folge der Gestaltung des Strassenraums. Mit koordinierten Massnahmen entlang der Ortsdurchfahrt könne man indes, wie etwa in Herzogenbuchsee, eine Verbesserung der Verkehrssituation und Attraktivierung der Ladenzone bewirken.
Seine Lösungsansätze will das «Netzwerk Verkehr» deshalb auch den Bundesparlamentariern vorstellen, die über eine Aufnahme des Autobahnzubringers Oberaargau ins Nationalstrassennetz zu entscheiden haben. Denn mit «Null+» gebe es eine Alternative zum Zubringer, so die Initianten des «Netzwerks Verkehr». Eine mit Kosten von rund 15 Millionen Franken billigere Variante, die innerhalb von rund acht Jahren umgesetzt werden könne und der Aarwanger Bevölkerung wirklich etwas bringe. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.09.2009, 10:21 Uhr
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