Mit Steff la Cheffe am Mikrofon

Von Ursula Grütter. Aktualisiert am 06.09.2010

Einmal mit Steff la Cheffe am Mikrofon zu stehen: In Burgdorf wurde dieser Traum für einige Mädchen wahr. Unter der Leitung der Berner Beatboxerin produzierten sie ohne Instrumente Rhythmen und hatten dabei viel Spass.

«Klappt doch.» Steff la Cheffe zeigt den Modis in Burgdorf, wie sich der eigene Körper in eine Rhythmusmaschine verwandeln lässt.

«Klappt doch.» Steff la Cheffe zeigt den Modis in Burgdorf, wie sich der eigene Körper in eine Rhythmusmaschine verwandeln lässt.
Bild: Daniel Fuchs

«Modi-Wälte, Giele-Wälte»: Unter diesem Motto fand beim Burgdorfer Neumattschulhaus an diesem Wochenende erneut ein Spiel- und Werknachmittag für Mädchen und Buben statt. Auf dem Programm standen Harasseklettern, schweissen, Brotbacken und vieles mehr. Ein Team von Freiwilligen, unterstützt von Jugendarbeitenden, hatte zum Anlass eingeladen.

Ein bisschen Mut

Auf die Mädchen wartete am Samstagnachmittag ein ganz besonderer Gast: Die Beatboxerin Steff la Cheffe stand samt Mikrofon und Verstärkeranlage auf dem Pausenplatz. Schnell versammelte sich eine Schar Zuhörerinnen um die Hitparadenstürmerin. Doch Steff la Cheffe zuzusehen, war das eine. Mitzumachen brauchte schon mehr Mut. Schliesslich nahmen die Ersten ihren Kaugummi aus dem Mund und setzten sich auf die bereitgestellten Stühle.

Augenrollen, Zungespitzen

Zum Einstieg erklärte Steff la Cheffe – im normalen Leben heisst sie Stefanie Peter –, was ein «Human Beatbox» ist: «Statt mit dem Computer produzieren wir den Rhythmus des Schlagzeugs mit dem Mund.»

Doch ganz so einfach, wie das klang, war es dann doch nicht. Als erste Lektion mussten die Teenager die «Geschichte von der bösen Katze» erzählen: Überspitzt und ohne Vokale gesprochen, ergaben die Silben, Wörter und Sätze einen Rhythmus. Die Mädchen gaben sich alle Mühe: Sie verzogen den Mund, rollten die Augen und spitzten die Zunge.

Schmatzen und prusten

«Klappt doch», kommentierte die Chefin und kündigte die nächste Übung an. Nun durfte geschmatzt und geprustet werden. Die Atmung wurde durch das Mikrofon zum Schlagzeug und ersetzte den Drumcomputer. Und wenn beim imaginären Pferdeschnauben oder dem schweinischen Grunzen die Aussprache etwas feucht wurde – in diesem lockeren Rahmen störte das niemanden. Steff la Cheffe hatte die Mädchen in ihren Bann gezogen. Allfällige Hemmungen waren längst verflogen.

Frisch und frech

Die wunderlichen Klänge lockten auch Erwachsene in die Nähe der Mundakrobatinnen. Einige Mütter schauten interessiert zu und liessen es sich nicht nehmen, mitzumachen. Der Nachholbedarf der älteren Generation war offensichtlich. Die Geräusche in der «Modi-Wält» lösten bei den Erwachsenen nicht einen «Hör auf, du nervst»-Effekt aus, sondern Erstaunen und Bewunderung. Die Grossen merkten: Was die Mädchen mit Mund, Nase und Rachen produzierten, war frisch und frech – und liegt erst noch im Trend.

Steff la Cheffe hat den Mädchen in Burgdorf nicht nur gezeigt, wie frau beatboxt, sondern auch, was es bedeutet, authentisch und selbstsicher aufzutreten. Ihren Song «Annabelle», in dem die 23-jährige Bernerin die Model-Scheinwelt auf die Schippe nimmt, kannten die meisten Kursteilnehmerinnen.

«Nischen für die eigene Entfaltung ohne Beteiligung des anderen Geschlechts» seien für Kinder und Jugendliche wichtig, hatten die Organisatorinnen auf der Einladung geschrieben. Grundsätzlich soll der Anlass aber einfach Spass machen. Und Spass hatten die Mädchen mit Steff la Cheffe unüberseh- und vor allem: unüberhörbar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2010, 10:12 Uhr

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