Minarett auf dem Choufhüsi
Von Herbert Rentsch. Aktualisiert am 29.08.2008 6 Kommentare
Das Minarett hoch über Langenthal: Das weisse Türmchen ist eine Kunstaktion - und empört die Gemüter. (Bild: )
Blick zurück
Diskussionen seit zwei Jahren
Die Diskussionen um ein Minarett in Langenthal gehen mehr als zwei Jahre zurück. Ende Juni 2006 reichte die Islamische Glaubensgemeinschaft Langenthal ein Baugesuch für ein Minarett auf ihrem Vereinslokal an der Bützbergstrasse ein. Nach Bekanntwerden setzten sofort Diskussionen ein. Gegen das Baugesuch gab es in der Folge 80 Einsprachen. Zudem reichte das Aktionskomitee Stopp Minarett eine Petition mit mehr als 1000 Unterschriften von Personen aus der ganzen Region ein.
Ende 2006 bewilligte der Langenthaler Gemeinderat das Baugesuch fürs Minarett. Doch Anwohner sowie das Aktionskomitee reichten Beschwerde bei der Kantonalen Baudirektion ein. Diese befand, verschiedene Punkte seine unvollständig oder gar nicht abgeklärt worden. Diese Abklärungen müssten nun noch gemacht werden.
Nun liegt der Ball wieder bei der Stadt. Bis zu den Herbstferien wird der neuerliche Entscheid übers Baugesuch erwartet. hrh
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Die Passanten im Langenthaler Stadtzentrum reiben sich verwundert die Augen. Auf dem Dach des altehrwürdigen Choufhüsi steht seit gestern ein weisses Türmchen. Doch es ist nicht irgend ein Kaminrohr, sondern in der Form klar als Moschee-Zeichen erkennbar. An der Spitze prangt sogar ein goldener Halbmond. Mit Hilfe eines Witschi-Pneukrans wurde das 4,5 Meter hohe Minarett gestern Vormittag aufs Dach gepflanzt.
Kunst statt Moschee
Eine Moschee im Choufhüsi? Eine Provokation von Islamisten oder gar von Minarett-Gegnern? Nichts von alledem. Das Minarett ist Teil der kommenden Ausstellung im Kunsthaus. Es ist das Werk des Künstlers Gianni Motti, sein Beitrag zum Ausstellungsthema «Average», zu deutsch Durchschnitt. Gianni Motti sitzt auf der Café-Terrasse der Bäckerei Suter und verfolgt das Aufstellen des Türmchens. Dass er ein religiöses Zeichen als Kunstobjekt einsetzt, findet er nicht ungewöhnlich: «Die Künstler haben seit jeher religiöse Themen und Symbole benutzt», sagt er. Es sei ein Test, so Motti, es gehe um «die Frage nach Toleranz gegenüber religiösen Insignien Andersgläubiger». «Sehen Sie, hier gibt es ja auch Minarette», lächelt er und zeigt auf den «Turm» am Ende der Marktgasse und aufs Erkertürmchen des «Bären». Will der Künstler aus Genf mit seiner Arbeit nicht einfach provozieren? Er denke, dass es nicht besondere Reaktionen gebe, vermutet Motti. «Ich habe mit verschiedenen Leuten hier gesprochen. Alle bejahten die Aktion, niemand war dagegen.»
Rufener ist verärgert
Im Laufe des Tages zeigt sich jedoch: Die Reaktionen bleiben nicht aus. Bei Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) und auf der Verwaltung sind gestern Anfragen und empörte Anrufe eingegangen. Und: Rufener wusste nichts von der Aktion. «Ich bin verärgert, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt wurden», so der Stadtpräsident. Denn der Kunstverein sei nicht berechtigt gewesen, etwas aufs Dach zu stellen. Tatsächlich ist der Kunstverein Mieter der Räume auf zwei Etagen. Rufener: «Das Dach gehört nicht dazu. Zudem müssen wir für die Sicherheit garantieren.» «Wir haben uns erkundigt, ob es eine Baubewilligung braucht», sagt Fanni Fetzer, Leiterin des Langenthaler Kunsthauses. Für die dreiwöchige Dauer sei dies jedoch nicht nötig gewesen. Doch Stadtbaumeister Urs Affolter präzisiert: Das Bauinspektorat habe eine allgemeine Anfrage erhalten hinsichtlich eines Dachobjekts. Dass es sich um eine Minarett handle, habe man aber nicht gewusst.
Tage sind gezählt
Thomas Rufener hat nun den Kunstverein aufgefordert, das Minarett zu entfernen. Der Kunstverein habe sich «das Recht herausgenommen zu provozieren», so der Stapi. «Und dieser Zweck ist schon nach einem Tag erreicht. Denn die Medien wurden zur Installation eingeladen, ohne dass die Stadt etwas wusste.»
Kritik der Minarett-Gegner
Das Minarett auf dem Choufhüsi – obwohl eine Kunstaktion – birgt gerade in Langenthal einigen Zündstoff. Denn vor zwei Jahren reichte die Islamische Glaubensgemeinschaft ein Baugesuch für ein Minarett ein, das auf dem Dach ihres Zentrums an der Bützbergstrasse stehen soll. Das Gesuch ist immer noch hängig (siehe Kasten). Das weisse Türmchen im Stadtzentrum lässt denn auch die Minarett-Gegner vom Aktionskomitee Stopp Minarett nicht kalt. «Kunst ist nur ein Tarnbegriff, das ist Provokation», sagt Komiteesprecher Daniel Zingg. Die Symbolik des Minaretts werde missachtet, «denn es ist ein Eroberungszeichen». Zingg bezeichnet das Minarett gar als «Symbol des Triumphs über Millionen diskriminierter Christen und Nichmuslime». Und: «Man will Toleranz manifestieren und weiss nichts von der Ideologie, die dahinter steht.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.08.2008, 08:33 Uhr
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6 Kommentare
toll, diese art von kunst, mutig, die leiterin vom kunsthaus, mutlos der stadtpräsident, schnell weg mit dem türmchen, das gibt sonst zoff in dem ach so beschaulichen langenthal. so wenig gelassenheit, herr rufener? schade. dabei soll kunst doch anregen, soll zu reden geben, die leute animieren, zu denken, überlegen, diskutieren, ihre meinung zu äussern. was will man mehr? Antworten
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