Markus Quaile: «Ich musste den Kopf hinhalten»

Markus Quaile (FDP) will trotz seines schlechten Resultats bei den Wahlen in Thunstetten Gemeindepräsident bleiben. Er finde nicht, dass er unbeliebt sei, sagt er im Interview. Doch es könnte eng werden: Die SP wittert Morgenluft.

«Ich bin kein Machtmensch»: Markus Quaile will in Thunstetten 
Gemeindepräsident bleiben, obwohl er bei den Wahlen abgesackt ist.

«Ich bin kein Machtmensch»: Markus Quaile will in Thunstetten Gemeindepräsident bleiben, obwohl er bei den Wahlen abgesackt ist. (Bild: wpf)

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Ein Duell ist wahrscheinlich

Markus Quaile (FDP) hat sich bereits entschieden: Trotz des schlechtesten Resultats aller Gemeinderäte bei den Wahlen vom Sonntag will er in Thunstetten Gemeindepräsident bleiben. Konkurrenz könnte nun von der SP kommen. Präsident Martin Sigrist wittert denn auch Morgenluft: «Die Ausgangslage schreit nach einem Duell», sagt er. Die Lust, zu einer Kampfwahl anzutreten, sei sicher da. Erster Anwärter bei der SP wäre wohl Beat Siegrist. Dieser hat mit 524 Stimmen das beste Resultat aller Gemeinderäte erzielt. Quaile schaffte gerade einmal 339 Stimmen. Trotzdem will sich die SP noch nicht festlegen: «Die Chancen, dass wir antreten, stehen 50 zu 50», sagt Präsident Sigrist. Man werde nun Gespräche führen. Die SP will sich bis zur dritten Oktoberwoche entscheiden. Die Parteien haben bis zum 2.November Zeit, ihre Kandidaten anzumelden.
Eher unwahrscheinlich ist, dass die SVP der FDP das Präsidium streitig macht. Er habe mit vielen Leuten geredet, könne aber noch keine Antwort geben, sagt SVP-Präsident Adrian Dreier. Das «schlechte Resultat» Quailes müsse aber jetzt schon analysiert werden. baz

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Herr Quaile, sind Sie ein Sesselkleber? Markus Quaile: Nein, überhaupt nicht. Ich wüsste nicht, wieso.

Von allen Gemeinderäten in Thunstetten haben Sie bei den Wahlen das schlechteste Resultat erzielt. Trotzdem wollen Sie Gemeindepräsident bleiben. Das wird sich jetzt zeigen, ob ich Gemeindepräsident bleibe. Entscheidend für meine Wiederwahl wird sein, was die anderen Parteien dazu sagen. Gespräche finden in den kommenden Wochen statt.

Aber allein der Anspruch auf das Amt widerspricht doch dem Willen des Volkes. Das finde ich nicht. Bei einer allfälligen Kampfwahl ums Präsidium kann der Stimmbürger ja seine Meinung abgeben.

Bei der SP heisst es: «Die Ausgangslage schreit nach einem Duell.» Fürchten Sie die Konkurrenz? Ich habe Achtung vor jedem Kandidaten. Aber wie gesagt: Das letzte Wort hat das Volk.

Tritt die SP mit ihrem Spitzenkandidaten Beat Siegrist an, haben Sie keine Chance. Das ist Ihre Meinung. Aber die SP hatte bei den Wahlen am wenigsten Kandidaten von allen Parteien. Das ist ein Vorteil. Deshalb rechne ich mir durchaus Chancen aus.

Aber Siegrist liegt fast 200 Stimmen vor Ihnen? Das ist sehr viel. Nein, das sind übliche Differenzen. Wir haben auch schon viel grössere Differenzen gehabt. Einmal erreichte ein Spitzenkandidat mehr als 700 Stimmen, der schlechteste knapp über 200. Jetzt liegen wir alle nahe beieinander. Das ist eine Seltenheit.

Aber es wäre aussergewöhnlich, würden Sie Präsident blieben. Nein. Das hat es schon x-mal auch andernorts gegeben, dass der Gemeinderat mit den wenigsten Stimmen Gemeindepräsident wird.

Sind Sie machthungrig? Nein, absolut nicht. Ich bin kein Machtmensch. Ich war immer mit grosser Freude Gemeindepräsident. Ich habe die Gemeinde auch vorwärtsgebracht – unter anderem die Finanzen saniert. Im nächsten Jahr werden die Steuern wieder sinken.

Trotzdem sind Sie unbeliebt. Das behaupten Sie. Wenn ich wirklich so unbeliebt wäre, hätte mich das Volk in Thunstetten abgewählt.

Nicht abgewählt, aber doch abgestraft. Nein. Das Gefühl habe ich nicht. Und es war ja trotz allem eine sehr sichere Bestätigung für mich. Man muss auch bedenken: Meine Partei, die FDP, ist bei den Parteien in Thunstetten nur die Nummer drei.

Und wie erklären Sie sich Ihren persönlichen Absturz? Die Schlammschlacht aus dem Umfeld der Unabhängigen Bürger hat mir geschadet. Ich musste als Gemeindepräsident den Kopf hinhalten. Aber ich vertrat stets die Meinung des gesamten Gemeinderats.

Sie sprechen die Beschwerde gegen die Vormundschaftskommission an. Das ist doch Unsinn. Die Unabhängigen Bürger waren ja bloss eine Randnotiz bei den Wahlen. Aber sie haben mit ihrer Beschwerde die Stimmbürger verunsichert. Und in der Presse ist nicht immer alles richtig dargestellt worden. Deswegen hoffe ich jetzt auf ein schnelles Ende der Untersuchung des Regierungsstatthalters. Ich bin überzeugt: Für uns wird der Bericht positiv ausfallen, wir haben nichts zu verbergen.

Eine andere Erklärung für das magere Ergebnis haben Sie nicht? Nein.

Ich habe eine: Es heisst, Sie seien zu wirtschaftsfreundlich. Nein. Das denke ich nicht. Ich bin ein Gemeindepräsident für alle Schichten.

Aber Sie wollen um jeden Preis wachsen mit Thunstetten. Ja. Da sind wir dabei. Und wir haben beste Voraussetzungen dafür. Wir können 300 bis 400 neue Einwohner gewinnen, ohne gross zu investieren. Derzeit herrscht eine rege Bautätigkeit.

Sie werben für eine Filiale des Discounters Lidl in Thunstetten. Das goutieren nicht alle. Das Lidl-Projekt ist kein Quaile-Projekt, es ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Dahinter steht der gesamte Gemeinderat.

Markus Quaile (FDP) ist seit sechs Jahren Gemeinderat in Thunstetten und seit vier Jahren Gemeindepräsident. Er arbeitet bei der Bützberger Glas Trösch AG als Speditionsleiter. Quaile ist verheiratet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.09.2009, 10:57 Uhr

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