Madiswil will auch keine Swisscom-Antenne
Von Vreni Schaller/khl. Aktualisiert am 07.02.2012 2 Kommentare
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Im Sommer 2011 freuten sich zahlreiche Madiswilerinnen und Madiswiler über den Erfolg ihrer Einsprachen, die den Bauabschlag für die von Orange Communications SA geplante UMTS-Mobilfunkanlage zur Folge hatte. Am Rande des Dorfkerns und auf einem mehrstöckigen Industriegebäude wollte Orange eine 20 Meter hohe Antenne bauen. Wegen «Beeinträchtigung des Ortsbilds» blitzte das Unternehmen bei den Behörden ab. Die Anlage hätte den Blick auf das Dorf empfindlich gestört.
Kaum atmete die Bevölkerung auf, klopfte mit der Swisscom (SCMN 353 -0.56%) bereits der nächste Mobilfunkanbieter im Linksmähderdorf an. Die Swisscom-Antenne ist mit einer Mastenhöhe von 4,5 Metern um einiges kleiner als jene von Orange und käme auf einem Mehrfamilienhaus mitten im Dorf zu stehen. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Kindertagesstätte und Alterswohnungen mit einer betreuten Pflegewohngruppe. Weitere Alterswohnungen sowie eine Ärzte-Gruppenpraxis sollen hier im Zelgli in naher Zukunft die bestehende Infrastruktur ergänzen.
Angst vor der Strahlung
Bereits Mitte letzten Oktober waren gegen das Bauvorhaben zahlreiche Einsprachen beim Regierungsstatthalteramt eingereicht worden . Letztlich geb es Einsprachen von insgesamt 26 Anwohnern der Standortliegenschaft am Untergässli und weiteren Gemeindegliedern. «Der negative Einfluss solcher Strahlungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier ist bewiesen», weiss Werner Scheidegger, Präsident der Genossenschaft Im Zelgli. Er befürchtet, dass potenzielle Mieter der Alterswohnungen oder Eltern, die ihr Kind in die Obhut der Kita geben, wegen der nahen Strahlungsquelle zurückschrecken könnten. Therese Ledermann steht der Kita vor und kann den Standort ebenso wenig akzeptieren: «Ich wehre mich für die Kinder und für die alten Menschen, die sich nicht selber gegen den Bau dieser Mobilfunkanlage einsetzen können, aber auch für meine Familie und mich.» Ledermanns wohnen direkt neben dem geplanten Standort.
Die Schwächsten schützen
Wider Erwarten Unterstützung erhalten die Einsprecher wie bereits beim Bauvorhaben der Orange SA nun wiederum von der Gemeinde. Denn auch Gemeindepräsidentin Vreni Flückiger (SVP) äussert ihre Bedenken. «Die Gemeinde lehnt den Bau einer Mobilfunkanlage mitten im Dorf ab», sagt sie. «Gerade auch, weil sich in den Alterswohnungen und in der Kita die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft aufhalten – die alten und die ganz jungen Menschen.»
Mit ihrer Stellungnahme haben sowohl die Gemeindeverwaltung wie rund ein Viertel der Einsprechenden den Fuss jetzt nochmals zwischen die Tür gestellt. Diesmal, heisst es bei der kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder, könne eine Beeinträchtigung des Ortsbildes allerdings nicht geltend gemacht werden. Trotzdem geben sich die Einsprecher noch nicht geschlagen.
Immer mehr Daten
Die Swisscom wiederum begründet den gewählten Standort damit, dass Mobilfunk-Basisstationen dort stehen müssten, wo ihre Dienstleistung am meisten verlangt werde. «Rund alle 12 Monate verdoppelt sich das Datenvolumen», erklärt Swisscom-Sprecherin Annina Merk. «Damit wir dem Kundenbedürfnis gerecht werden können, sind wir gezwungen, das Netz auszubauen.» Nach der Telefonie müsse heute ausschliesslich der Internetzugang fortlaufend abgedeckt werden. Für die Standorte der Mobilfunk-Basisstationen, sagt Merk, müssten aber immer auch Grundeigentümer gefunden werden, die auf ein entsprechendes Mietverhältnis eingehen wollen. Das sei in Madiswil der Fall.
Noch ist offen, ob die Swisscom-Antenne in Madiswil gebaut werden darf oder ob die Antennengegner einmal mehr als Sieger vom Platz gehen. Das Regierungsstatthalteramt Oberaargau in Wangen will den Entscheid womöglich bereits in diesen Tagen fällen.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 07.02.2012, 06:07 Uhr
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