Kies unter dem Oberhardwald soll abgebaut werden

Geht es nach dem Willen des Baukonzerns Marti, werden im Oberhardwald bei Hindelbank schon in drei Jahren die ersten Bäume gefällt. Es lockt ein Abbaugebiet mit rund 9,5 Millionen Kubikmetern Kies.

Heute noch Wald - und morgen? Die Marti-Tochter Novakies AG möchte im Oberhard bei Hindelbank Kies abbauen.

Thomas Peter

Urs Bratschi möchte der Marti-Gruppe Kies sichern.

Urs Bratschi möchte der Marti-Gruppe Kies sichern.

Kurt Baumgartner glaubt nicht an einen raschen Abbau.

Kurt Baumgartner glaubt nicht an einen raschen Abbau. (Bild: Christian Helmle)

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Es dauerte Jahrzehnte

«Wir brauchten 25 Jahre.» Kurt Baumgartner ist nicht nur Präsident des Kieswerks Hofstetter in Hindelbank, er ist auch verantwortlich für das Kieswerk Messerli in Oberwangen. In dieser Funktion trieb er seit den 1970er-Jahren die Erweiterung der dortigen Grube voran – und musste bis 2004 warten, als das Bundesgericht die Beschwerde gegen einen positiven Volksentscheid aus dem Jahr 2000 vom Tisch wischte.

Neben dem zu erwartenden Lärm und Verkehr rief in Oberwangen auch die nötige Waldrodung die Gegner auf den Plan. Sie kritisierten, dass damit ein für das Dorf wichtiges Naherholungsgebiet zumindest vorübergehend verloren gehe.

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Verwaltungsrat Urs Bratschi redet offen von einem «sportlichen Ziel». Am engen Terminplan, den sich die Novakies AG vorgenommen hat, ändert diese Tatsache indessen nichts: Schon 2013, in drei Jahren also, möchte die zum Baukonzern Marti gehörende Firma im Oberhardwald bei Hindelbank mit dem Abbau von Kies beginnen.

Mit den privaten Waldbesitzern habe man die nötigen Verträge bereits geschlossen, fährt Bratschi fort, und um das Stück Gemeindewald sei man mit den Behörden am Verhandeln – kein Wunder: Gemäss heutigen Schätzungen liegen im Gebiet zwischen der Bernstrasse und der Autobahn nicht weniger als 9,5 Millionen Kubikmeter Kies, ein Vorrat für rund 50 Jahre.

Auch als Deponie

Die Marti-Gruppe wolle sich auf diese Art einen wichtigen Rohstoff sichern, fährt Bratschi fort. Denn anders als das benachbarte Kieswerk Hofstetter, das vor allem Beton produziere und verkaufe (siehe Text rechts), werde Marti den gewonnenen Kies direkt verwenden können. Gerade im Tiefbau, «wo wir stark sind» – dazu komme, dass auch die zurückbleibende Grube ihren Wert habe. Als Ort, an dem man nahe der Baustellen sauberen Aushub deponieren könne, «heute müssen wir zu diesem Zweck zum Teil aus der Region Bern bis ins Wallis fahren».

Die Novakies AG arbeite eng mit Umwelt- und Naturschutzgruppen zusammen, und: «Bislang haben wird keine negativen Reaktionen erhalten.» Bratschi betont es bewusst. Immerhin wird dem Kiesabbau gleich ein Wald weichen müssen, was bei ähnlichen Projekten zu heftiger Opposition führte (siehe Kasten). Man werde nicht alles aufs Mal abholzen, sondern in Etappen vorgehen und auch wieder aufforsten, verspricht der Verwaltungsrat. «Unser Konzept sieht unter anderem Grünstreifen gegen die Bernstrasse und das Dorf hin vor. Zudem entstehen mit dem Abbau neue, für die Natur sehr wertvolle Standorte.»

Verzwickte Sache

Ob damit alles in Butter ist? Zumindest die Behörden üben sich derzeit noch in Zurückhaltung. Wie Hindelbank, das sich den Abbauplänen zwar nicht einfach verschliessen will, denn «wenn wir dabei sind», erklärt Werner Gertsch, «können wir mitgestalten». Auf der andren Seite kann sich der Gemeinderatspräsident nicht vorstellen, dass das eingeschlagene forsche Tempo politisch durchzuhalten sein wird: «Der Gemeinderat legt sich erst im zweiten Quartal auf einen Zeitplan fest.»

Ebenso offen geben sich die Vertreter der Region Emmental und des Kantons. Sie legen mit ihren Planungen die Grundlage dafür, dass der Kies im Bernbiet möglichst überall und in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Und weisen als Erstes darauf hin, dass auf diesen Karten das neue Abbaugebiet in Hindelbank noch gar nicht verzeichnet ist, und als Zweites, dass die Sache hier verzwickt ist.

Denn der Kies aus dem Oberhardwald soll nicht dem Emmental, sondern der Agglo Bern zugutekommen. Deshalb werde man nun in Gesprächen den Bedarf der Nachbarn ergründen, erklärt Jürg Burkhalter für die Region Emmental. Dann gehen auf den verschiedensten Stufen Planer ans Werk, entscheiden werden am Schluss die Region Emmental und die Gemeindeversammlung Hindelbank.

«Nicht ausgeschlossen»

Vor diesem Hintergrund sagt auch Erich Linder für den Kanton nur: Das Jahr 2013 für einen allfälligen Abbaubeginn ins Auge zu fassen, sei «nicht gänzlich ausgeschlossen». (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.02.2010, 08:43 Uhr

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