Kanton überlegt, Hirsche zu schiessen

Von Stefan Schneider. Aktualisiert am 12.03.2010 1 Kommentar

Was tun gegen die steigende Zahl der Rothirsche im Längwald? Seit Tagen versucht der Bund, einige Tiere zu betäuben und umzusiedeln. Ohne Erfolg. Nun überlegt sich der Kanton, Rothirsche zum Abschuss freizugeben.

Scheuer König des Waldes: In kürzester Zeit ist  der Rothirsch im Oberaargau heimisch geworden – nun droht der Abschuss.

zvg/pixelio

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So leicht lassen sich die Oberaargauer Rothirsche nicht einfangen. Seit Ende Februar versucht das Bundesamt für Umwelt (Bafu), im Längwald, zwischen Wangen BE und Gunzgen SO, einzelne Tiere zu betäuben, mit Sendern auszustatten und im Kanton Solothurn wieder auszusiedeln. Bisher ist der Erfolg jedoch ausgeblieben. Vom herrlich duftenden Trester (getrocknetes Obst) lassen sich die Könige der Wälder noch nicht anlocken.

Kanton erwägt Abschuss

Das könnte sie irgendwann Kopf und Kragen kosten. Bleibt der Fangerfolg in diesem Winter aus, dürfte der Kanton für die nächste Jagdsaison einzelne Tiere zum Abschuss freigeben. Grundsätzlich stehe man hinter dem Umsiedlungsprojekt, schreibt Regierungsrat Andreas Rickenbacher (SP) in einem Brief ans Bafu. Der Kanton behalte sich aber vor, «eine reduzierte Bejagung ins Auge zu fassen». «Wir wollen den Hirsch bestimmt nicht ausrotten», betont der kantonale Jagdinspektor Peter Juesy. «Aber die Bissschäden müssen waldverträglich bleiben.»

Zum Handeln könnte sich der Kanton gezwungen fühlen, weil die Population der Hirsche in den letzten Jahren markant zugenommen hat. Vor vier Jahren war das kantonale Jagdinspektorat noch von einem einzigen Tier ausgegangen, das sich im Wildraum 4 (Oberaargau) tummelte. Heute sind es gemäss Statistik schon 26. Tendenz: steigend. «Im Frühling könnten neun bis zehn Jungtiere dazukommen», schätzt Juesy. «Schäden und Druck der Waldbesitzer dürften dann noch grösser werden.»

Umsiedlung dauert länger

Zu einer Entspannung könnte das Umsiedlungsprojekt des Bundes führen – wenn sich die Hirsche einfangen liessen. Im Verlauf der nächsten zwei Jahre möchte Bafu-Projektleiterin Nicole Imesch gemeinsam mit den Kantonen Bern und Solothurn ein Dutzend Tiere in den Jura zügeln. Selber schaffen sie den Weg nicht, weil eine Wildbrücke über die Autobahn A1 fehlt.

«Im Alpenraum hat man mit solchen Einfängen schon Erfahrungen gemacht, im Flachland hingegen nicht», sagt Imesch. Deshalb brauche es eine gewisse Zeit, bis das Vorhaben gelinge. Keine Hilfe für das Projekt wäre ein allfälliger Entscheid des Kantons, einzelne Hirsche zum Abschuss freizugeben. Imesch: «Sobald im Wald gejagt wird, verhalten sich die Tiere noch vorsichtiger.»

Pro Natura wehrt sich

Ob die Jäger im Herbst scharf schiessen dürfen, entscheidet im Mai oder Juni das kantonale Jagdinspektorat. Ein Ja wäre für Mario Fracheboud, Präsident Pro Natura Oberaargau, eine bittere Enttäuschung. «Die Waldschäden sind in den letzten Jahren kaum grösser geworden», ist er überzeugt. «Zudem verpflichtet sich der Kanton mit seinem Hirschkonzept aus dem Jahr 2006, die Tiere wandern zu lassen und ihre Ausbreitung zu unterstützen – statt sie zu schiessen.»

Wildbrücke weit weg

Weit mehr brächte gemäss Fracheboud, wenn die Jurakantone Solothurn, Bern, Baselland und Aargau die geplante Wildbrücke bei Oberbuchsiten SO gemeinsam vorantreiben würden. Bis dieser Korridor über die Autobahn in der Nähe des Längwaldes fertig ist, dürften aber noch Jahre verstreichen. Baubeginn ist gemäss dem Bundesamt für Strassen (Astra) irgendwann zwischen 2020 und 2025. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.03.2010, 09:54 Uhr

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1 Kommentar

Karl Meyer

15.03.2010, 17:11 Uhr
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Halt. Nicht schiessen! Dies ist ein fantastisches Projekt des Bundes zusammen mit dem Kanton Solothrun. Die Rothirsche sind in verträglichem Bestand im Nordjura höchst willkommen. Welch eine Bereicherung der dortigen Fauna. Wäre nicht die N1 gäbe es schon länger Rothirsche im solothurner, baselbieter und aargauer Jura. WILLKOMMEN IM NORDJURA. Antworten



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